ChatGPT Computer History jetzt in Deutschland, aber nur auf Zuruf

Am 15. August haben wir über Computer History berichtet, OpenAIs neue Aufzeichnungsfunktion für den Mac. Der wichtigste Satz stand damals am Ende: In Deutschland gab es sie nicht. Das hat sich geändert. Seit dem 20. August ist die Funktion laut OpenAI im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien verfügbar.
Was Computer History mitschreibt
Die Funktion sitzt in der ChatGPT-App für macOS und sammelt Interaktionsereignisse, also Klicks, Tastatureingaben und Wechsel zwischen Programmen, dazu Text und Kontext, den macOS über die Bedienungshilfen bereitstellt. Daraus entstehen kurze Zusammenfassungen und eine Zeitleiste, auf die ChatGPT und der Programmier-Assistent Codex später zugreifen können. Screenshots gehören ausdrücklich nicht dazu, Mikrofon und System-Audio ebenfalls nicht. Surfen im privaten Modus bleibt komplett außen vor.
Von allein passiert nichts
Computer History ist ab Werk aus und bleibt aus, bis du sie einschaltest. Der Weg führt in der Mac-App über Einstellungen, dann Integrationen, dann Computer history. Voraussetzung sind ein Abo als Pro, Business oder Enterprise und die eingeschalteten Memories, also das Erinnerungssystem der App. In Firmen-Konten muss zuerst ein Administrator die Funktion freigeben, und selbst dann entscheidet jeder Nutzer noch einmal selbst. Über das ChatGPT-Symbol in der Menüleiste lässt sich die Aufzeichnung jederzeit anhalten, und welche Programme und Webseiten überhaupt beitragen dürfen, legst du einzeln fest.
Drei Punkte, vor denen OpenAI selbst warnt
In der eigenen Dokumentation steht ein deutlicher Hinweis: Die Dateien können sensible Informationen enthalten, sie werden von Computer History nicht verschlüsselt, und andere Programme, die unter deinem macOS-Benutzer laufen, kommen möglicherweise an sie heran. Die temporären Ereignisdateien verschwinden nach 48 Stunden. Die daraus erzeugten Erinnerungen bleiben dagegen als lesbare Textdateien auf der Platte liegen, bis du sie löschst.
Der zweite Punkt betrifft andere Menschen. Wer mit ihnen kommuniziert, soll die Funktion abschalten, solange keine ausdrückliche vorherige Einwilligung des Gegenübers vorliegt. Chats, Mails und Videokonferenzen laufen sonst mit in die Zusammenfassung.
Der dritte Punkt ist Prompt Injection, also versteckte Anweisungen in Webseiten oder Programmen, denen die KI dann folgt. Computer History erhöht dieses Risiko laut OpenAI. Wie so ein Angriff in der Praxis aussieht, haben wir uns bei den KI-Browsern angesehen.
Was bei OpenAI landet
Die Aufzeichnung selbst passiert auf dem Mac. Für die Zusammenfassung schickt die App die temporären Ereignisdateien aber an OpenAI. Nach der Verarbeitung werden sie nach Firmenangabe nicht aufbewahrt und nicht für das Training verwendet. Anders sieht es aus, sobald eine fertige Erinnerung später in einem Chat zum Einsatz kommt. Dieser Chatinhalt kann in die Modellverbesserung fließen, wenn deine Datenschutz-Einstellungen in ChatGPT das zulassen.





