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#Cryptoleaks: BND und CIA haben über Jahre populäre Verschlüsselungsgeräte manipuliert

Der BND hat auch massive Menschenrechtsverletzungen verheimlicht
Der BND hat auch massive Menschenrechtsverletzungen verheimlicht
Es könnte einer der großen Skandale in der Geschichte des BND werden: Unter dem Namen #Cryptoleaks wurde gestern veröffentlicht, dass der deutsche Auslandsnachrichtendienst in Kooperation mit der amerikanischen CIA über Jahre hinweg mit Hilfe einer Schweizer Firma manipulierte Verschlüsselungsgeräte verkauft hat, die beispielsweise bei anderen Geheimdiensten eingesetzt wurden.
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Als Edward Snowden vor 7 Jahren öffentlich machte, dass der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA über Jahre hinweg auch seine Verbündeten wie Deutschland ausspioniert hat, war hierzulande der Aufschrei gewaltig. Gerade unter deutschen Politikern wurde man sehr deutlich, dass das nicht in Ordnung ist.

Dies alles wirkt im Licht der jetzt veröffentlichten #Cryptoleaks doch ein wenig heuchlerisch, da der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) in Kooperation mit der amerikanischen CIA über ganze Jahrzehnte hinweg das selbe getan hat. So haben Recherchen des ZDF, der Washington Post und des SRF ergeben, dass die beiden Geheimdienste mit Hilfe der gekauften schweizerischen Crypto AG ab dem Jahr 1970 Verschlüsselungsgeräte an Kunden verkauft haben, die mit einer integrierten Backdoor ausgeliefert wurden. Dabei befanden sich unter diesen Kunden auch staatliche Organisationen und Geheimdienste, die diese Geräte verbaut haben.

Beim BND lief das Programm unter der Bezeichnung Rubikon, womit die Aktion nach dem Fluss benannt wurde, den einst Cäsar überschritt und damit den römischen Bürgerkrieg auslöste. Bei der CIA wurde das selbe Programm nach der römischen Göttin der Weisheit und strategischen Kriegsführung Minerva benannt.

Insgesamt wurden hierbei die vertraulichen Daten von über 130 Regierungen und Geheimdiensten mitgelesen, worunter sich auch enge Verbündete der USA und Deutschland befanden. Diese Arbeit endete für den BND erst im Jahr 1993, nachdem ein Firmenvertreter der Crypto AG im Iran wegen Spionageverdacht festgesetzt wurde, wobei dieser gar nichts davon wusste, dass sein Unternehmen wirklich für den BND und die CIA spioniert. Damals hat der BND heimlich eine Million US-Dollar Lösegeld bezahlt, um den Vertreter freizubekommen, der anschließend vermutete, Opfer einer Geheimdienstaktion geworden zu sein. Allerdings wurde er dann gerichtlich zum Schweigen gebracht. Die CIA hingegen nutzte die Crypto AG bis ins Jahr 2017/18 weiter.

Was den deutschen Geheimdienst noch weiter in Bedrängnis bringen sollte, ist die Tatsache, dass der BND und die Politik während dieser Zeit Kenntnisse über massive Menschenrechtsverletzungen erlangten, bis hin zu Massentötungen, diese aber bewusst ignorierten. So entschied sich beispielsweise die damalige Bundesregierung unter Helmut Schmidt, dass Deutschland an der WM 1978 in Argentinien teilnimmt, obwohl man dank Projekt Rubikon genau wusste, dass die argentinische Regierung über 30.000 Menschen umgebracht hat und tausende Kritiker aus Flugzeugen in den Atlantik hat werfen lassen.

Insgesamt hat diese Geschichte das Potential, ein großer Skandal für den BND zu werden, auch wenn die Geschehnisse schon einige Zeit in der Vergangenheit liegen.

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Autor: Cornelius Wolff, 13.02.2020 (Update: 13.02.2020)
Cornelius Wolff
Cornelius Wolff - News Editor
Seit ich mit 8 meinen ersten PC geschenkt bekommen habe (damals noch mit einem AMD Athlon Single-Kern-Prozessor) und ich dieses Gerät auch gleich munter auseinander gebaut habe, hat mich die Technik nie wieder losgelassen. So kam es, dass ich schon mit jungen Jahren immer weiter in die Welt der Computer-Technik eingetaucht bin. Als ich dann 2015 zum ersten Mal auf Notebookcheck gestoßen bin, war ich begeistert von dem Umfang den diese Seite bietet. Nun arbeite ich seit meiner erfolgreichen Bewerbung im Jahr 2016 als freier Mitarbeiter bei Notebookcheck als News- und Hardware-Redakteur.