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Dein alter Freigabe-Link läuft noch, mit Namen und Mail

Reihe alter Aktenordner in einem abgedunkelten Raum.
ⓘ George Diamanto / Pexels
Ein Freigabelink aus dem Jahr 2021 funktioniert heute noch, und er zeigt jedem deine Mailadresse.
Wer eine Datei per Link geteilt hat, hat den Link damit nicht wieder eingesammelt. Er funktioniert weiter, er zeigt jedem deine Mailadresse, und wer ihn öffnet, taucht bei Google nur als anonymes Tier auf. Das Ablaufdatum, das als Lösung gilt, gibt es bei Google, Microsoft und Dropbox nur im Bezahlkonto.

Eine Datei in der Cloud kennt zwei Arten von Zugriff, und die meisten Leute räumen nur eine davon auf. Da ist die Liste mit Namen, jeder mit einem kleinen Menü daneben, in dem Entfernen steht. Darunter sitzt der allgemeine Zugriff, und der hat keinen Namen, sondern eine Adresse. Bei vielen Dateien steht er auf "Jeder mit dem Link", weil das beim Teilen der schnellste Weg war.

Wer eine Person aus der Liste wirft, hat den Link nicht angefasst. Er funktioniert danach genauso wie vorher. Google führt die beiden Wege in seiner Hilfe getrennt auf, einmal das Teilen mit bestimmten Personen, einmal den allgemeinen Zugriff. Nur der zweite erzeugt eine Adresse, die ohne Anmeldung aufgeht, und genau deshalb hält sie sich so lange.

Auf derselben Seite steht ein Satz, den man beim Überfliegen verliert. "When you share a link to a file, your name and email will be visible as the owner of that file." An jeder Datei, die du je so geteilt hast, hängt deine Mailadresse, und sie hängt dort für jeden sichtbar, der die Datei öffnet. Nicht die Steuerunterlagen von 2021 sind der eigentliche Gegenstand, sondern die Adresse, die daneben steht.

Wer den Link öffnet, hat keinen Namen

Google hat für diese Frage eine eigene Hilfeseite, weil sie oft gestellt wird. Sie heißt "Anonymous or unknown people in a file" und beantwortet sie unmissverständlich. "If you share or open a file with a link, you may not see the names of people who view it." Wer nicht einzeln eingeladen wurde, taucht im Dokument als anonymes Tier auf, als anonymer Tapir oder anonymes Erdmännchen.

Namen siehst du nur unter einer Bedingung, und Google schreibt sie hin. "You can only see other people's names when you give them individual permission to view a file or if they are part of a mailing list." Bei einer Linkfreigabe ist diese Bedingung nie erfüllt, egal wie lange die Datei offen steht.

Dieselbe Seite zählt auf, warum eine fremde Person überhaupt in deinem Dokument stehen kann. Die Datei hängt an einem Verteiler, jemand ist nicht bei Google angemeldet, jemand hat seinen Kontonamen geändert. Der vierte Grund ist der, der die Sache offen lässt: eine Person mit Zugriff hat den Link weitergereicht. Microsoft beschreibt denselben Vorgang in seiner eigenen Anleitung, sachlich und ohne jede Warnung. "They can also forward the link to other people."

Damit ist die Kette offen. Du hast den Link einmal an eine Person geschickt, in einer Mail oder in einem Chat, der längst gelöscht ist. Was danach mit ihm passiert ist, steht nirgends. Es gibt kein Protokoll, in dem ein Name steht, und es wird auch keins mehr geben, weil die Öffnungen ohne Anmeldung liefen.

Das Ablaufdatum ist eine Bezahlfunktion

Der Ratschlag, den man zu diesem Thema überall liest, lautet Ablaufdatum setzen. Für ein privates Konto geht das bei keinem der drei großen Anbieter. Google formuliert es in einem einzigen Satz. "The expiration date feature is only available for eligible work or school accounts." Die Option erscheint außerdem nur im Dialog für einzelne Personen. Beim allgemeinen Zugriff, also bei genau dem Link, um den es hier geht, taucht sie nicht einmal für Firmenkonten auf.

Im November 2025 hat Google nachgelegt und Ablaufdaten für Dateien und Ordner in geteilten Ablagen eingeführt. Geteilte Ablagen gehören zu Workspace, ein privates Google-Konto hat keine. Die Funktion ist also nicht bei denen angekommen, die sie am ehesten bräuchten, weil sie ihre Ablage seit Jahren nicht mehr durchgesehen haben.

Microsoft hängt an beide Schutzfunktionen dieselbe Fußnote. Beim Ablaufdatum steht "Only available to Microsoft 365 subscribers", beim Passwortschutz steht derselbe Satz noch einmal darunter. Bei Dropbox liest man die Liste der berechtigten Tarife am besten, indem man nachsieht, wer fehlt. Die Hilfeseite nennt mit Stand 2. Oktober 2025 Professional, Essentials, Standard, Advanced, Business, Business Plus und Enterprise. Basic und Plus, die beiden Privattarife, stehen nicht dabei.

Drei Anbieter, dieselbe Linie. Wer nichts zahlt, bekommt keinen Timer, sondern einen Schalter, den er selbst umlegen muss. Umlegen müsste er ihn zu einem Zeitpunkt, an dem er an die Datei längst nicht mehr denkt, und das ist der Grund, warum Links aus dem Jahr 2021 heute noch aufgehen.

Was du heute in zehn Minuten schaffst

Die unangenehme Nachricht kommt zuerst. Eine fertige Liste aller Dateien, die du je per Link geteilt hast, sieht Google für private Konten nicht vor. Die dokumentierten Filter in der Drive-Suche heißen Typ, Personen und Geändert. Ein Filter für den allgemeinen Zugriff steht nicht dabei, und die Suchoperatoren, die Google auflistet, decken die Frage ebenfalls nicht ab.

Praktikabel ist deshalb der umgekehrte Weg. Du gehst nicht die Links durch, du gehst die Ordner durch, in denen die heiklen Sachen liegen. Steuern, Verträge, Bewerbungen, Arztunterlagen, Fotos aus einer früheren Beziehung. Bei jeder Datei öffnest du den Freigabe-Dialog und stellst den allgemeinen Zugriff auf "Eingeschränkt". Danach kommt nur noch hinein, wer namentlich in der Liste steht, und der Link ist tot, auch bei dem, der ihn weitergereicht hat. Dieselbe Runde lohnt sich bei den Diensten, bei denen du dich mit Google angemeldet hast, und bei den Konten, in denen dein altes Handy noch steht.

In OneDrive führt der Weg über die eigenen Freigaben, in Dropbox über die Übersicht der erstellten Links. In beiden Fällen gilt dieselbe Regel wie bei Google. Von allein verschwindet ein Link nicht, er verschwindet in dem Moment, in dem du ihn deaktivierst.

Ein letzter Punkt gehört dazu, weil er das Ergebnis begrenzt. Ein abgeschalteter Link stoppt den künftigen Zugriff. Was in den Jahren davor heruntergeladen wurde, holt er nicht zurück. Diese Kopien liegen auf fremden Rechnern, und dort bleiben sie, ohne dass du je erfährst, wie viele es sind.

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Autor: Steffen Zahn, 18.09.2026 (Update: 16.09.2026)