Discord führt Altersverifizierung wieder ein aber streicht Selfie- und Ausweispflicht

Im Februar hat Discord angekündigt, für alle Konten eine Altersverifizierung einzuführen. Dafür sollten Nutzer ihr tatsächliches Alter mit einem Video-Selfie oder einem amtlichen Ausweis nachweisen. Die Pläne haben im Internet heftige Kritik ausgelöst. Viele äußerten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, obwohl Discord mehrfach versichert hat, die Daten nicht zu speichern.
Nach der Kritik hat Discord seine Entscheidung teilweise zurückgenommen und eine Überarbeitung des Systems angekündigt. Am 22. September hat Mitgründer und Technikchef Stanislav Vishnevskiy in einem Blogbeitrag erklärt, dass die Altersverifizierung mit wesentlichen Änderungen zurückkehren soll.
Discords neue Alterseinstufung
- Discord schätzt das Alter nun anhand des Erstellungsdatums eines Kontos und der Server, denen es angehört. Auf dieser Grundlage ordnet der Dienst die Konten drei Gruppen zu:
- Erwachsene: Für Personen ab 18 Jahren ändert sich nichts.
- Jugendliche: Für die Altersgruppe von 13 bis 17 Jahren gelten zusätzliche Schutzmaßnahmen. Inhalte und Einstellungen für Erwachsene sind nicht verfügbar, ansonsten lässt sich Discord wie gewohnt nutzen.
- Nicht bestätigt: Reichen die Informationen für eine Einstufung nicht aus, bleiben Inhalte und Einstellungen für Erwachsene bis zur Altersverifizierung gesperrt. Neue Konten gelten zunächst als "nicht bestätigt", bis Discord genügend Informationen für eine Zuordnung hat. Sie können ohne weitere Schritte genutzt werden. Für den Zugriff auf altersbeschränkte Inhalte, Bereiche und Einstellungen ist jedoch eine Altersverifizierung erforderlich.
Discords neue Methoden zur Altersverifizierung
Neben dem amtlichen Ausweis und dem Video-Selfie bietet Discord nun weitere Verfahren an. Welche davon verfügbar sind, hängt von der Region und dem verwendeten Gerät ab:
- Kreditkarte: Die Kartendaten werden von k-ID an Stripe weitergeleitet. Stripe prüft, ob die Karte einer erwachsenen Person gehört und von ihr genutzt werden darf. Weder k-ID noch Discord erhalten Einblick in die Kartendaten. Stripe speichert nach der Prüfung die letzten vier Ziffern der Kartennummer, da das Unternehmen als Zahlungsdienstleister rechtlich dazu verpflichtet ist. Zur Überprüfung der Karte kann vorübergehend ein kleiner Betrag abgebucht werden, der innerhalb von 14 Werktagen erstattet wird.
- Apple App Store: Apple kann Discord die Altersgruppe mitteilen, damit der Dienst zwischen Erwachsenen und Jugendlichen unterscheiden kann. Das genaue Geburtsdatum wird nicht übermittelt.
- Google Play Store: Auch Google Play kann die Altersgruppe an Discord weitergeben. Das genaue Geburtsdatum wird dabei nicht geteilt.
- Google Wallet: Das Alter wird anhand eines bereits in Google Wallet eingerichteten Ausweisnachweises überprüft, der auf einem Reisepass beruht. Die Ausweisdaten bleiben bei Google. Derzeit unterstützt Google Wallet hierfür nur Reisepässe aus Brasilien, Singapur, Taiwan, Großbritannien und den USA.
- AgeKey: Dieser Altersnachweis wird einmal eingerichtet und kann anschließend bei verschiedenen Diensten verwendet werden. Eine erneute Verifizierung auf jeder Plattform ist damit nicht nötig.
Neue Schutzmaßnahmen für jüngere Nutzer
Für Jugendliche und Personen ohne bestätigte Alterseinstufung gelten folgende Änderungen:
- Kontaktaufnahme: Nachrichten von Personen, mit denen keine Freundschaft besteht, landen zunächst bei den Nachrichtenanfragen. Diese Einstellung lässt sich nur nach Bestätigung der Volljährigkeit deaktivieren. Vor der Annahme einer Freundschaftsanfrage erscheint außerdem ein Hinweis, wenn keine gemeinsamen Freunde bestehen und die anfragende Person keinem gemeinsamen kleinen Server angehört. Bestehende Kontakte sind davon nicht betroffen. Geändert wird nur der Umgang mit Nachrichten und Anfragen von bislang unbekannten Personen.
- Sichtbare Inhalte: Bilder, die von den Filtern für sensible Inhalte erkannt werden, erscheinen je nach Bereich verschwommen oder werden blockiert. Altersbeschränkte Server, Kanäle und Bot-Befehle sind nicht zugänglich. Auch diese Einschränkungen lassen sich nur nach Bestätigung der Volljährigkeit ändern.
- Sichtbarkeit des eigenen Profils: Vollständige Profilangaben und Aktivitäten, etwa das gerade gespielte Spiel, sind nur für Freunde und Mitglieder kleinerer gemeinsamer Server sichtbar. Die Einstellung kann jederzeit angepasst werden. Sie gilt ausschließlich für Jugendliche, nicht für Konten ohne bestätigte Alterseinstufung.












