Drohnen-Krieg in China eskaliert: DJI verklagt Insta360 wegen Patentklau

Die Rivalität zwischen den beiden chinesischen Kamera- und Drohnenherstellern erreicht eine neue Stufe. DJI hat vor dem Mittleren Volksgericht in Shenzhen offiziell Klage gegen Insta360 und deren Muttergesellschaft Arashi Vision eingereicht. Der Vorwurf wiegt schwer: Insta360 soll sechs zentrale DJI-Patente aus den Bereichen Flugsteuerung, Bildverarbeitung und Hardware-Design unrechtmäßig nutzen.
Im Zentrum des Rechtsstreits stehen ehemalige DJI-Mitarbeiter. Diese wechselten zu Insta360 und meldeten dort innerhalb eines Jahres neue Patente an. Nach chinesischem Recht fallen Erfindungen, die innerhalb von zwölf Monaten nach dem Verlassen eines Unternehmens gemacht werden und im engen Zusammenhang mit der vorherigen Tätigkeit stehen, an den Ex-Arbeitgeber. DJI fordert nun die offizielle Übertragung dieser Patentrechte.
Insta360-Chef Liu Jingkang aka JK Liu blockt die Vorwürfe über den Kurznachrichtendienst Weibo hart ab. Eigene Untersuchungen seines Unternehmens liefern laut seiner Aussage ein klares Bild. Jede einzelne der genannten Ideen sei direkt im eigenen Haus entstanden. Wenn sein Unternehmen bei neuen Patenten in China die echten Erfinder zunächst anonym hält, passiere das nicht aus schlechtem Gewissen. Man schütze die eigenen Entwickler schlicht vor aggressiven Headhuntern der Konkurrenz. Außerdem schimmeln die kritisierten Patente laut Liu ohnehin seit rund fünf Jahren ungenutzt in der Schublade. Eine monierte Sturzflug-Automatik für Drohnen schaffte es wegen strenger Fluggesetze beispielsweise nie in ein fertiges Produkt.
Statt sich nur zu verteidigen, teilt JK Liu direkt gegen den Rivalen aus. Der Marktführer kopiere selbst gnadenlos Bauteile und Software-Funktionen. Interne Zählungen von Insta360 belasten DJI schwer: Aktuelle Kameras wie die Osmo 360 verletzen demnach potenziell 28 eigene Patente. Ein juristisches Gegengeschütz baut Liu trotzdem nicht auf. Sein vergleichsweise kleines Unternehmen pumpt das verfügbare Budget lieber in neue Technologien, anstatt teure Anwälte zu bezahlen. Dass er solche Schlachten durchaus gewinnen kann, bewies er erst kürzlich im US-Markt. Dort schmetterte die US-Handelskommission ITC sämtliche Patentklagen von GoPro gegen Insta360 restlos ab.
Das Timing für diesen Gerichtstermin ist reines Kalkül. Beide Tech-Riesen wildern längst im Revier des anderen. DJI attackiert mit Modellen wie der Osmo 360 das lukrative Geschäft mit 360-Grad-Kameras. Im Gegenzug sägt Insta360 am Thron des Drohnen-Königs. Deren Tochtermarke Antigravity warf Ende 2025 mit der A1 die erste echte 360-Grad-Drohne auf den Markt. Das setzte DJI massiv unter Zugzwang. Die Antwort folgt am morgigen Donnerstag in Form der neuen Avata 360. Dieser offene Hardware-Krieg hinterlässt inzwischen Spuren auf dem Parkett. Nach dem Bekanntwerden der Klageschrift knickte die Aktie der Insta360-Mutter Arashi Vision sofort um fast sieben Prozent ein.














