Fake-Samsung-SSDs tricksen Benchmarks aus – ändern Lese-/Schreibgeschwndigkeit

Während die Preise für RAM und Flash-Speicher aufgrund geopolitischer Spannungen und Googles neuem Kompressionsalgorithmus inzwischen langsam wieder nachgeben, hatten sie sich seit November teils verdoppelt oder verdreifacht. Das hat eine neue Welle besonders günstiger SSD-Fälschungen begünstigt, die deutlich raffinierter sind als frühere Fake-Produkte und inzwischen sogar bekannte Benchmark-Programme täuschen können. So ist der Preis für eine 1-TB-Version der Samsung 990 Pro bei Amazon inzwischen wieder auf unter 200 US-Dollar gefallen, während die Fälschung für etwa die Hälfte angeboten wird.
Ein japanisches Hardware-Outlet kaufte eines der aktuell im Handel kursierenden gefälschten 990-Pro-Modelle mit 1 TB und zeigte, wie nah die Verpackung am Original von Samsung liegt. Ohne eine echte Vergleichsverpackung sind die Unterschiede kaum zu erkennen – hier fehlt eine kleine Lasche, dort wirkt ein Aufdruck leicht unscharf. Selbst das 990-Pro-Label auf der Box sieht überzeugend aus, und auch die beigelegte Anleitung ahmt das Original nahezu perfekt nach.
Das gilt ebenso für die SSD selbst, die sich problemlos in einen M.2-Slot einsetzen ließ, um die üblichen Lese- und Schreibtests mit CrystalDiskInfo beziehungsweise CrystalDiskMark durchzuführen. Das gefälschte Laufwerk meldete sich als 990 Pro mit PCIe 4.0 x4 und zeigte eine unauffällige Seriennummer an. Auch die sequentiellen Messwerte wirkten auf den ersten Blick plausibel: 7.255 MB/s beim Lesen und 6.090 MB/s beim Schreiben liegen nah genug an den Ergebnissen einer echten 990 Pro, um viele Käufer nicht misstrauisch werden zu lassen. Wahrscheinlich nutzen die Fälscher dabei den altbekannten Trick eines aggressiv ausgelegten SLC-Caches, damit kurze sequentielle Lastspitzen überzeugend aussehen – genau auf solche Szenarien zielt CrystalDiskMark schließlich ab.
So lassen sich gefälschte Samsung-SSDs erkennen
Neben unscharfen Aufdrucken und fehlenden Details an der Verpackung gibt es auch beim Laufwerk selbst klare Hinweise darauf, dass es sich nicht um ein Original handelt. Statt auf Samsungs eigenen Controller und einen DRAM-Cache setzt die Fälschung auf einen Maxio MAP1602 – und verzichtet komplett auf einen Cache. Beim NAND handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um günstigen QLC-Speicher. Der Schwindel flog spätestens dann auf, als der schnelle, aber sehr begrenzte SLC-Cache vollgelaufen war. Beim Kopieren einer 370-GiB-Videodatei erreichte die Fälschung im Schnitt nur 261 MB/s und benötigte mehr als 25 Minuten. Eine echte 990 Pro schaffte denselben Transfer in 3,5 Minuten bei durchschnittlich 1.861 MB/s.
Samsung empfiehlt Käufern deshalb, das eigene Tool Magician zur Überprüfung zu verwenden. Dort würde die Fälschung nicht nur eine nicht existierende Firmware-Version mit der Kennung „8888888“ anzeigen, sondern trotz 990-Pro-Branding auch als „Non-Samsung“ erkannt werden. Funktionen wie Diagnose-Scan, Performance-Optimierung oder Laufwerksverschlüsselung wären ebenfalls gesperrt, und auch eine fünfjährige Garantie würde nicht angezeigt. Wie es um die tatsächliche Haltbarkeit beim Beschreiben einer solchen Fake-SSD bestellt ist, lässt sich derzeit kaum seriös einschätzen.
Seit die globalen Speicherpreise stark angezogen sind, scheinen auch Fälscher ihre Angebote weiter verfeinert zu haben. Sie setzen darauf, dass preisbewusste Käufer bei vermeintlichen Schnäppchen für Premium-SSDs wie der Samsung 990 Pro eher zugreifen. Unterm Strich gilt daher: Solche Laufwerke sollten nur bei autorisierten Händlern zu marktüblichen Preisen gekauft werden. Wer bereits ein verdächtig günstiges Exemplar erworben hat, sollte es mit Samsung Magician überprüfen. Taucht dort die Firmware-Version „8888888“ auf und wird das Laufwerk als „Non-Samsung“ erkannt, ist eine Rücksendung wohl die beste Lösung.










