GTA 6 Entwickler: Überstunden "Crunch" ist in Rockstars Verträgen festgeschrieben

Monate vor der Veröffentlichung von Grand Theft Auto VI haben Entwickler von Rockstar Games offengelegt, dass "Crunch", also verpflichtende Überstundenphasen, die sich vor dem Release von GTA 6 auf bis zu 80 Stunden pro Woche summieren konnten, Teil ihrer Verträge im Studio ist. Aktuelle Beschäftigte und Mitglieder der gewerkschaftlich organisierten Rockstar Games Workers Union haben Bedenken wegen Crunch und Überstunden im Studio in Edinburgh geäußert. Beschäftigten zufolge hat Rockstar North exzessive Überstunden so stark normalisiert, dass sie in Mitarbeitervereinbarungen verankert sind.
Mitarbeiter werfen dem Unternehmen außerdem uneinheitliche Bezahlung und ein wachsendes geschlechtsspezifisches Lohngefälle vor. Demnach sind Bemühungen zur Lösung dieser Probleme gestrichen worden, was das negative Bild einiger der größten Studios der Gaming-Branche weiter verstärkt. Im Gespräch mit Game Developer haben RGWU-Mitglieder aus Großbritannien erläutert, wie das Unternehmen mit Überstunden umgeht. Ein anonymes Mitglied und aktueller Entwickler sagt:
Crunch ist so verbreitet, dass das Unternehmen standardmäßig in unsere Verträge aufgenommen hat, dass wir auf die Working Time Regulations verzichten. Diese Vorschriften verhindern, dass ein Arbeitgeber mehr als 10 zusätzliche Stunden pro Woche verlangen kann.
Der Entwickler ergänzt:
Die Gewerkschaft hat erfolgreich eine Kampagne durchgeführt, um Beschäftigte darüber zu informieren, dass sie jederzeit wieder unter diese Vorschriften fallen können. Das hat dazu geführt, dass das Management von Rockstar den Prozess vereinfacht und die Pflicht zu einem Gespräch mit der Personalabteilung gestrichen hat. Ein Teil des Problems mit Crunch besteht darin, dass es keine vereinbarte Definition gibt. Inzwischen scheint das Unternehmen zu glauben, dass konkrete und begrenzte Vergütung als Anreiz für Überstunden bedeutet, dass es sich nicht mehr um Crunch handelt.
Darüber hinaus kritisieren Beschäftigte, dass Boni und Gehaltsstrukturen weitgehend uneinheitlich seien und es bei der Vergütung an Gleichbehandlung und Fairness fehle. Viele Beschäftigte berichten von stark schwankenden Boni.
Ein weiterer Entwickler sagte dazu: "Wenn der Bonus besonders gut ausfällt, kann das ein unerwarteter Geldsegen sein. Oft ist der Bonus aber enttäuschend, und am Ende kann das Jahresgehalt deutlich niedriger ausfallen als erwartet. Die Begründung dafür ist häufig nebulös, unterscheidet sich je nach Abteilung und sogar zwischen Teammitgliedern derselben Abteilung, und manchmal hängt sie von völlig subjektiver oder nachträglicher Kritik ab."
Diese Vorwürfe kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Berichten zufolge mit Grand Theft Auto VI bereits 3 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar durch Vorbestellungen umgesetzt worden sind. Die Gesamtverkäufe werden auf 40 Millionen bis 50 Millionen Exemplare geschätzt. Gleichzeitig kämpfen die Entwickler des Spiels gegen "Crunch Culture" und fordern angemessene Vergütung, Boni und gleiche Bezahlung.






















