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Garmin und Polar: Vier Fitnesstracker im Test

Garmin und Polar: Vier Fitnesstracker im Test
Garmin und Polar: Vier Fitnesstracker im Test
Wir testen insgesamt vier Fitness-Uhren der Hersteller Garmin und Polar. Die Aufzeichnungsqualität der Geräte überzeugt, bisweilen bieten diese auch weitergehende Funktionen. Im Test: Garmin Forerunner 935, Garmin Forerunner 35, Polar M400 und Polar M200.

Vorbemerkungen

Vorneweg sei uns eine allgemeine Bemerkung erlaubt: Der Test der Sportler-Funktionen bezieht sich fast ausnahmslos auf den Laufsport, da der Autor lediglich diesen regelmäßig und viel relevanter, auch einigermaßen ambitioniert ausübt – gleichwohl sind alle hier getesteten Produkte auch mit anderen Sportarten (gewinnbringend) einsetzbar. Die Qualität der GPS-Aufzeichnung wird mittels optischem Vergleich der aufgezeichneten Laufstrecke bewertet, für die Richtigkeit der Distanz wird die klassische Tartanbahn bemüht. Der Abgleich der optischen Herzfrequenzmessung erfolgt via Brustgurt. 

Garmin Forerunner 935

Die Angabe der Trainingsbelastung ist relativ zuverlässig Bild: Garmin
Die Angabe der Trainingsbelastung ist relativ zuverlässig Bild: Garmin
Die Auswahl der Sportart erfolgt in einem Untermenü Bild: Garmin
Die Auswahl der Sportart erfolgt in einem Untermenü Bild: Garmin

Mit einem Listenpreis von 550 Euro alles andere als günstig ist die Garmin Forerunner 935. Allerdings: Die Multisportuhr macht zumindest unserer Auffassung nach eine richtig gute Figur. Dank hochwertigem Kunststoff wiegt die 935 gerade einmal 49 Gramm. Das Kunststoffarmband macht die Uhr zwar nicht unbedingt Meeting-Tauglich, sorgt aber für einen sicheren und angenehmen Halt. Potentielle Käufer sollten allerdings den vergleichsweise großen Durchmesser der Uhr im Auge behalten, an zierlichen Handgelenken dürfte die Fitnessuhr recht massig wirken. Jedoch befinden wir die Forerunner 935 als einzige Uhr im Testumfeld auch tatsächlich als komplett alltagstauglich, wofür auch die vielen Watchfaces sorgen. Zwar ist die Forerunner 935 lediglich in einer schwarzen Ausführung erhältlich, allerdings sind Armbänder in mehreren Farbvarianten verfügbar.

Sportler können mit der Forerunner 935 vereinfacht gesagt ihre Fitness den gesamten Tag über im Auge behalten, einzelne sportliche Aktivitäten dank GPS und Herzfrequenzmessung mit hoher Genauigkeit aufzeichnen und auswerten. Während der Trainingseinheit gibt einen die Uhr auf Wunsch Anweisungen im Rahmen eines vorher festgelegten Plans, so kann man etwa im zweiten Drittel des Laufs die Geschwindigkeit etwas erhöhen, um dann wieder langsamer zu werden, fortgeschrittenere Läufer können ebenfalls komplexe Intervalltrainings in Abhängigkeit von der Herzfrequenzrate (dem Belastungsbereich) programmieren. 

Die Auswertung nach dem Sport ist für Anfänger insbesondere in einem Punkt sinnvoll: Da die Herzfrequenzrate gemessen wird, lässt sich die Belastung (Sportmuffel könnten auch sagen, die „Härte“) des Trainings bestimmen. Dadurch kann eine Aussage zur nötigen Erholungszeit getroffen werden, denn gerade überambitionierte Einsteiger neigen schnell zu einer zu hohen Trainingsintensität mit der Gefahr bleibenden, gesundheitlicher Schäden und Demotivationen.

Die Weboberfläche erlaubt eine detaillierte Auswertung
Die Weboberfläche erlaubt eine detaillierte Auswertung

Gerade während des Trainings zahlt sich das kontraststarke, im Durchmesser 3,1 Zentimeter messende Display aus: Die aktuelle Geschwindigkeit und Distanz ist jederzeit deutlich erkennbar, bei Intervalltraining auch die noch verbleibende Zeit im aktuellen Intervall. Ein kleiner Kritikpunkt im letzteren: Die akustische Anzeige des nahenden Intervallendes ist ein wenig zaghaft, die Vibration allerdings gut erkennbar. Die Displayanzeige ist darüberhaus hinaus umfangreich konfigurierbar. 

Grundsätzlich macht das Gerät beim Sport also eine sehr gute Figur, große Abweichungen zwischen der optischen Herzfrequenzmessung und der Referenz (klassischer HFR-Brustgurt) sind im Testraum abgesehen von einer gewissen Trägheit nicht vorgekommen. Im Freiwasser-Einsatz enttäuscht die Forerunner allerdings: Sowohl beim Brustschwimmen als auch beim Kraulen verschluckt die 935 Wegpunkte. Abhilfe schafft hier entweder die Befestigung an einer stets aus dem Wasser ragenden Stelle (Unter einer Badekappe) oder das umständliche und unrealistische, deutliche Aus-dem-Wasser-Halten an Wegpunkten. In der Schwimmhalle registriert die Forerunner dagegen die Anzahl der geschwommenen Bahnen anhand der registrierten Richtungsänderung, was recht gut funktioniert.  

Die verschiedenen Widgeds lassen sich durch zwei Tasten problemlos durchschalten und geben vielfältige Auskünfte, etwa über das kommende Wetter, der Herzfrequenzhistorie, den Druckverhältnissen (inklusive Unwetterwarnung) oder der bereits getätigten Schritte. Das Bedienkonzept ist schlüssig, allerdings nicht ganz trivial – wir brauchten etwa zwei Tage, um uns komplett zurechtzufinden. Die klassische Smartwatch-Funktionalität umfasst im Auslieferungszustand die Anzeige von Benachrichtigungen und die Steuerung der Musikwiedergabe. Mit der Maker-App lässt sich das Smart-Home auch mithilfe der Uhr steuern. Innerhalb der ersten Wochen und Monate nach Release erschienen zahlreiche Updates, die unter anderem kleinere Unzulänglichkeiten der Herzfrequenzerkennung ausbesserten als auch neue Funktion wie die Analyse des Stresslevels hinzufügten. 

Die Garmin Forerunner 935 ist aktuell ab rund 530 Euro bei Amazon verfügbar (Affiliate-Link).

Garmin Forerunner 35

Quadratisches Display, gute Verarbeitung Bild: Garmin
Quadratisches Display, gute Verarbeitung Bild: Garmin

Im direkten Vergleich zur Forerunner 935 wirkt das kleinere Modell in Form der Forerunner 35 wesentlich weniger schick – allerdings ebenso hochwertig. Das kleine Modell bietet zumindest auf dem Papier alles, was auch ambitioniertere Läufer von einer Fitnessuhr erwarten können, nämlich die Ortung via GPS und die optische Herzfrequenzmessung – und noch ein bisschen mehr. 

Wie auch die Forerunner 935 ist die 35 dafür ausgelegt, den ganzen Tag über getragen zu werden, zählt also den Puls als auch Schritte auch im Alltag und analysiert die Schlaflänge- und Qualität. In der Praxis fehlen mit dem digitalen Kompass, dem Barometer einige eher sekundären Hardwarefunktionen, viel schwerer wiegt allerdings der Verzicht auf die Nutzung von in Garmin Connect hinterlegte Trainingspläne – was insbesondere für Einsteiger eine durchaus sinnvolle Nutzung darstellt. 

Die aktuell für um 160 Euro angebotene und damit recht günstige Uhr erlaubt ebenso wie das größere Modell die ständige Verbindung zum Smartphone zur Anzeige von Benachrichtigungen. Im Training ist die Genauigkeit sowohl der GPS- als auch der Aufzeichnung des Pulses durchaus genau, größere Abweichung zur Forerunner 935 konnten wir nicht feststellen.

Im direkten Vergleich zur Forerunner 935 bietet die 35 damit ein deutlich besserer Preis-Leistungsverhältnis, solange man lediglich den Funktionsumfang betrachtet. Allerdings halten wir die Uhr für deutlich weniger alltagstauglich als die teurere Variante, was weniger am nur monochromen, aber kontraststarken Display liegt als an dessen eckige statt runde Form. Im Alltag gefällt uns die Forerunner 935 deutlich besser, auch da die sich die Watchfaces stärker individualisieren lassen.

Die Garmin Forerunner 35 wird aktuell für rund 160 Euro auf Amazon gehandelt, wobei die Uhr mit vier unterschiedlichen Armbändern erhältlich ist (Affiliate-Link).

Polar M430

Die Polar M430 ist leistungsfähig, aber nicht allzu modisch Bild: Polar
Die Polar M430 ist leistungsfähig, aber nicht allzu modisch Bild: Polar

Das neueste Modell von Polar hört auf den Namen M430 und richtet sich ebenso wie die Forerunner 935 an ambitionierte Sportler – und setzt sogar auf sechs LEDs für die Herzfrequenzmessung. 

Polar-Angaben zufolge ist es dank der hohen Zahl der LEDs möglich, neben der reinen Herzfrequenz auch die Herzfrequenzvariabilität zu bestimmen, also die Änderung der Abstände zwischen zwei Herzschlägen. Die Herzfrequenzvariabilität erlaubt – sofern sie richtig vermessen wird – direkte Rückschlüsse auf die körperliche Fitness. So lässt sich in einem eigenem Modus die maximale Sauerstoffaufnahme bestimmen, wobei sich dabei mit „ein wenig Übung“ völlig unrealistische Werte erreichen lassen. 

Uns erscheint die M430 etwa im Gegensatz zur Forerunner 935 eher als dediziert für das Training geeignete Arbeitsgerät als tatsächlich den Tag über zu tragende Uhr: So wird die Aktivität zwar den Tag über intelligent getrackt, eine dauerhafte Überwachung der Herzfrequenzrate wurde hingegen erst durch ein Update nachgereicht. Dazu kommt die unserer Einschätzung nach wesentlich „sportlichere“ und pragmatische Gestaltung. Diese ist zwar per se nicht nachteilig, outet die M430 aber deutlich stärker als Sportgerät. Zu diesem Eindruck trägt sowohl das eckige, allerdings sehr gut ablesbare aber nur monochromatische Display bei als auch das Fehlen von individualisierbaren Watchfaces. Die Haptik der Uhr gibt hingegen keinen Anlass zur Kiritik.

Als Sport-Tracker funktioniert auch die M430 hervorragend: Die Aufzeichnung der GPS-Position und der Herzfrequenz ist genau, wobei die Herzfrequenzmessung einen Tick agiler als die der Forerunner 935 arbeitet, letztlich gegenüber einem Brustgurt aber kein Land sieht. 

Als sehr vorteilig erweist sich insbesondere die gute Vor- und Nachbereitung der Trainingseinheiten. So können Laufeinsteiger sich unter Berücksichtigung der aktuellen Fitness individuelle Trainingspläne erstellen lassen, wobei auch Ausgleichstraining inklusive entsprechender Anleitungen beachtet wird. Hierbei schätzen wir die App als deutlich leistungsfähiger als bei bei der Konkurrenz von Garmin ein.

Die Polar M430 ist aktuell auf Amazon ab 192 Euro erhältlich (Affiliate-Link)

Während der Aktivität werden alle relevanten Daten dargestellt Bild: Polar
Während der Aktivität werden alle relevanten Daten dargestellt Bild: Polar
Die Uhr erinnert an ausstehende Aktivitäten Bild: Polar
Die Uhr erinnert an ausstehende Aktivitäten Bild: Polar

Polar M200

Günstig und funktional: Die M200 Bild: Polar
Günstig und funktional: Die M200 Bild: Polar

Mit der günstigen Polar M200 richtet eindeutig an Laufeinsteiger und vereint die beiden wesentliche, an eine Laufuhr gestellte Anforderungen: Einen GPS-Sensor und die optische Messung der Herzfrequenz. Die optische Herzfrequenzmessung funktioniert sehr gut, die für Einsteiger völlig irrelevante Trägheit der optischen Messung betrifft aber auch die M200. Die Aufzeichnung der Strecke via GPS mutet in der Kartenansicht teils etwas ungenau an, die Distanz stimmt allerdings.

Insbesondere für Einsteiger sind die angebotenen Laufprogramme Gold wert. Diese lassen sich, wie bei den Konkurrenzmodellen ebenfalls, direkt auf die Uhr laden. Diese überwacht dann insbesondere die Herzfrequenz und warnt den Läufer bei einer zu hohen Belastung während des Trainings oder ermuntert diesen bei einer zu niedrigen Herzfrequenz, doch einen Gang zuzulegen. Abseits von Trainingseinheiten trackt die Polar M200 die Schrittzahl und ermahnt auf Wunsch - wie auch die Konkurrenz - bei Zeiten zur langer Inaktivität. Benachrichtigungen werden wie beim gesamten Testfeld angezeigt. 

Das Display der M200 ist eine recht interessante Konstruktion: Lediglich ein kleines Recheck innerhalb des eigentlich runden Displays kann auch tatsächlich frei Symbole anzeigen, eine digitale Lünette erlaubt etwa die Anzeige von prozentualen Werten. Die größte Schwachstelle der M200 sehen wir allerdings in der vergleichsweise geringeren Haptik insbesondere des Armbandes - die Qualität als solche ist hingegen gut.

Die Polar M200 ist auf Amazon aktuell ab 110 Euro erhältlich (Affiliate-Link)

Fazit

Alle vier getesteten Geräte ermöglichen die präzise Aufzeichnung sportlicher Aktivitäten. Einsteiger können problemlos zur Forerunner 35 oder Polar M200 greifen, wobei wir die Garmin-Variante aufgrund der besseren Haptik jedoch empfehlen würden. Die M430 von Polar stellt unserer Einschätzung nach den eindeutigen Preis-Leistungs-Sieger dar und bietet auch ambitionierteren Sportlern alle nötigen Funktionen. Die Forerunner 935 ist, mit einer nochmals leicht besseren Materialwahl und insbesondere dem runden Display auch für den alltäglichen Gebrauch bestens geeignet - dafür allerdings 300 Euro teurer und eher ein Luxusprodukt. 

Sowohl die Garmin-...
Sowohl die Garmin-...
... als auch die Polar-App sind gelungen
... als auch die Polar-App sind gelungen

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Autor: Silvio Werner,  2.11.2017 (Update: 15.05.2018)
Silvio Werner
Silvio Werner - Editor
Als stolzer Digital Native mag ich Zahlen und liebe Technik. Ein Chemiestudium endete zwar nicht erfolgreich, entfesselte dafür aber das Interesse an Testmethodiken und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, deren anwendernahe Vermittlung für mich im Fokus steht. Als Ausgleich dienen mir Laufen und Trekken.