Grand-Seiko-Präsident erklärt Uhrenfans, dass sie nicht mehr die Zielgruppe sind

In einem gestern auf Hodinkee Japan veröffentlichten Interview sprach Akio Naito, der Präsident der Seiko Watch Corporation, das aus, was viele ohnehin schon vermuteten: Grand Seiko hat aufgehört zu versuchen, Uhren-Enthusiasten für sich zu gewinnen. Das ist nicht mehr die Zielgruppe.
Im Gespräch mit Masaharu Wada, dem Redakteur von Hodinkee Japan, auf der Uhrenmesse Watches & Wonders Genf 2026 sprach Naito über das, was er als die „dritte Phase“ der Marke bezeichnet. Es scheint sich um eine bewusste Marketing-Ausrichtung auf Konsumenten zu handeln, die in ihrem Leben noch nie ein Uhrenforum geöffnet haben. „Wie vermitteln wir unsere Attraktivität Menschen, die keine Uhren-Enthusiasten sind?“, sagte Naito. „Das ist im Moment unser Thema.“ Das ist ein interessantes Geständnis vom Chef einer Marke, deren weltweiter Ruf fast ausschließlich auf dem Wohlwollen von Enthusiasten aufbaut.
Der Aufstieg von Grand Seiko außerhalb Japans ist im Grunde eine Geschichte von Mundpropaganda. Sammler entdeckten die Verarbeitungsqualität der Marke, die Spring-Drive-Uhrwerkstechnologie und die atemberaubenden, von der Natur inspirierten Zifferblätter, noch bevor etablierte Luxus-Publikationen überhaupt darauf aufmerksam wurden. Diese Community hat das Marketing in vielerlei Hinsicht selbst übernommen. Jetzt hat es die Marke anscheinend auf eine andere Zielgruppe abgesehen.
Und die Strategie, um dorthin zu gelangen, ist einigermaßen klar. Seikos Uhrensparte hat die Schweizer Konkurrenz sowohl beim Wachstum als auch bei den Margen überholt, wobei eine starke Nachfrage aus den USA einen großen Teil dieser Dynamik antreibt – und Naito setzt nun speziell auf diesen Markt. Der Vertrag mit Shohei Ohtani als globalem Markenbotschafter, der Anfang dieses Jahres bekannt gegeben wurde, ist ausdrücklich auf Amerika ausgerichtet.
Naito fügte hinzu, dass europäische Besucher auf der Watches & Wonders relativ gleichgültig auf Ohtani reagierten, während das amerikanische Publikum genau die gegenteilige Reaktion zeigte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass es sich hierbei weniger um eine globale Kampagne handelt, sondern vielmehr um eine gezielte Markenbildungsmaßnahme für die USA.
Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich die Enthusiasten-Community – also die Menschen, die Grand Seiko erst hierher gebracht haben – mit der Richtung, in die es nun geht, wohlfühlen wird. Das ist eine völlig andere Frage.







