Huawei Watch D3 im Test: So misst die Smartwatch die Gefäßsteifigkeit

Die Huawei Watch D3 (bei Huawei erhältlich) ist eine sehr gute Smartwatch, die sich klar als spezialisierte Gesundheits-Uhr und weniger als Multisport- oder Outdoor-Modell positioniert. Nach unseren Einblicken in die EKG-Funktion und die zertifizierte Blutdruckmessung widmen wir uns in diesem Artikel der Bestimmung der arteriellen Steifigkeit. Eine solche Analyse bieten zwar auch andere Smartwatches, die Watch D3 nutzt dafür jedoch nicht nur ein rein optisches PPG-Verfahren, sondern bezieht auch die EKG-Sensorik direkt in die Messung ein.
Schädliche Steifigkeit
Man kann sich für die erste Annäherung an die Gefäßsteifigkeit durchaus der Metapher eines Garten- oder Kühlwasserschlauchs nähern - und zwar gar nicht so sehr im laufenden Betrieb, sondern beim An- und Aufdrehen. Beim Auf- und Abdrehen kommt es - näherungsweise wie bei jedem Herzschlag - zu einem Druckstoß. Flüssigkeiten sind praktisch inkompressibel, ihr Volumen ändert sich bei einer Druckerhöhung nicht. Ein Druckstoß muss dementsprechend abgeleitet werden - und dafür bleiben letztlich nur die Gefäßwände. Gibt es diese Elastizität nicht, fehlt dem Herz-Kreislauf-System sozusagen der Windkessel. Dadurch werden Organe und Gefäßwände - wieder vereinfacht ausgedrückt - diesen hohen Drücken ausgesetzt. Zudem muss das Herz gegen einen größeren Widerstand arbeiten. Eine dritte und nicht ganz trivial zu erklärende Auswirkung: Der Druckstoß trifft als Reflexionswelle wieder zurück auf das Herz, welches gegen die Reflexionswelle ankämpfen muss. Will man unbedingt eine mechanische Pumpe als vereinfachte Analogie bemühen: Diese wäre dann schlecht abgedichtet und müsste gegen zurückfließende Flüssigkeit anpumpen.
Die Watch D3 nutzt zwei Sensoren
Diesen Druckstoß misst im konkreten Fall die Huawei Watch D3 und nutzt dafür die Daten zweier Sensoren. Einerseits wird die elektrische Aktivität des Herzschlags mit dem Elektrokardiographen gemessen, andererseits kann die optische Sensorik den mechanischen Pulsschlag am Handgelenk erfassen. Aus der Zeitspanne zwischen dem Herzschlag und dem Eintreffen der Druckwelle am Handgelenk lässt sich die Pulswellengeschwindigkeit (PWV) ermitteln oder zumindest abschätzen. Auf der Huawei Watch D3 wird dieser Wert konkret angegeben, nämlich in m/s. Zudem wird gleich eine Einordnung vorgenommen: Werte unter 8 m/s gelten dabei als gut beziehungsweise unbedenklich, Werte über 10 m/s sind eher als Anzeichen für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko zu werten.
Kein Medizinprodukt, abweichende Messung
Die Messung und Auswertung können dabei komplett auf der Huawei Watch D3 durchgeführt werden, die Nutzung der Funktion hat im Test problemlos geklappt. Allerdings: Bei der Messung oder Abschätzung der arteriellen Steifigkeit handelt es sich - zumindest aus Sicht der Zertifizierung - im Vergleich zur EKG-Funktion und Blutdruckmessung um eines der schwächeren Features, welches eben nicht als Medizinprodukt zertifiziert ist. Darauf weißt Huawei auch hin. In der Medizin wird als Goldstandard die Carotis-Femoralis-Pulswellengeschwindigkeit bestimmt - und damit die Laufzeit zwischen der Leistenarterie und der Halsschlagader. Das stellt einen deutlichen Unterschied zum Messpunkt der Huawei Watch D3 dar, welche die Strecke vom Herzen bis zur Speichenarterie am Handgelenk erfasst.






















