Organic Maps Beta: Anzeige von Bus-Linien funktioniert schon gut

Organic Maps hat mit einer Betaphase die Anzeige von Bus-Linien gestartet. Entsprechende Haltestellendaten finden sich bereits in der letzten aktuellen Offline-Karte, doch erst mit der Betaversion und einem nochmaligen Update der Kartendaten gibt es auch eine Anzeige der Linienverläufe von Bus-Linien. Im Unterschied zur Darstellung von U- und S-Bahnen als Layer ist die Darstellung von Bus-Linien zudem an den Straßen orientiert. Man sieht also genau, wo die Fahrzeuge langfahren. Neben Bus-Linien werden auch Fähren, Straßenbahnen und Zuglinien (Metro, U-, S-Bahnen, Regionalbahnen, Fernverkehr) unterstützt.
Die für die Offlinenutzung herunterladbaren Daten werden von der Openstreetmap-Community gepflegt. Innerhalb der Beta sind die Daten auf dem Stand des 27. April 2026.
Die Betaversion ist über Apples Testflight, Androids Firebase sowie in zwei Linux-Versionen bereits verfügbar.
Erste Ergebnisse zeigen bereits Bus-Linien
Wir haben über Apples Testflight bereits die Beta von Organic Maps ausprobiert. Obacht: Prinzipiell besteht die Gefahr, Daten zu verlieren, zumal das Synchronisieren von gespeicherten Orten auch noch einer Betaphase unterliegt. Wer die Beta ausprobieren will, sollte sich der Gefahren bewusst sein. Bei uns klappte das aber. Wir mussten keine neuen Karten herunterladen und auch sonst funktionierte alles wie gehabt. Das heißt aber nicht, dass bei anderen Nutzern keine Probleme auftauchen. Im Gegenteil, denn die Beta soll ja Probleme aufzeigen, damit sie gefixt werden können.
Neu herunterladen sollte man die Karten dennoch. Wir haben stichpunktartig Berlin, Nagasaki und Seoul neu heruntergeladen und die Städte mit der Nicht-Beta-Version verglichen. Auf Anhieb fündig wurden wir in Berlin und Nagasaki. In Seoul mussten wir ein wenig suchen.
Dabei zeigte sich, dass noch nicht alle Bushaltestellen mit entsprechenden Linien gekennzeichnet wurden. Doch wenn die Linien verfügbar waren, dann gab es in unserer Stichprobe auch immer Linienwege, selbst wenn nicht jede Bushaltestelle auf dem Laufweg einer Liniennummer zugewiesen wurde.
In Berlin kann man das gut am Zoologischen Garten beobachten. Dort sind alle Bus-Linien an dem Busbahnhof gelistet. Die besondere Anlage wurde anlässlich der 750-Jahrfeier als Schmuckstück gebaut und fächert die Bus-Linien auf verschiedene Haltestellenbuchten auf. In Organic Maps sind die Linien den korrekten Buchten zugeordnet und mit einem Klick lässt sich die Linie auf der Berliner Karte anzeigen. Es gibt aber teilweise noch Doppelungen.
Das funktioniert sowohl mit bei Touristen beliebten Linien wie dem 100er oder 200er als auch langen Linien wie dem X49. Bei Linien, die Bundesländer überschreiten, muss man aber auch das benachbarte Bundesland neu herunterladen. Das gilt etwa für den N7X. Diese besondere Bus-Linie fährt nur in eine Richtung und soll vor allem Flughafenpersonal vor Schichtbeginn zum Flughafen Berlin-Brandenburg bringen, der in Brandenburg liegt. Nach dem Herunterladen von Brandenburg war die Linie trotzdem nicht komplett und endete an der Landesgrenze. Zudem fehlten ihr viele Bus-Haltestellen unterwegs, auch wenn der Linienweg korrekt war.
Selbiges gilt für den 204er, ebenfalls eine besondere Linie, da hier früher Bombardiers Primove-Induktionsbusse getestet wurden. Der Laufweg ist korrekt, die Unterwegshaltestellen fehlen aber meist.
Straßenbahnen funktionieren auch. Die Darstellung ist sogar der Darstellung an Haltestellen in Berlin überlegen. Die BVG nutzt beispielsweise Straßenbahnnummern wie die 883 an Anzeigen. Die existiert nur betriebsintern, wird aber seit Kurzem auch Fahrgästen in der neuen digitalen Haltestelle Diggi präsentiert. Damit kann aber selbst ein erfahrener Berliner Fahrgast nicht viel anfangen, da dies Aussetzfahrten der M10 sind. Diese Linie 883 fehlt natürlich in Organic Maps und nur die M10 wird angezeigt.
Die Fähre F10 ab Kladow wird übrigens auch in Organic Maps angezeigt. Zudem lassen sich die U-Bahn-Linien nun ohne den speziellen Layer anschauen. Dadurch wird die Linienführung präziser dargestellt, während der Layer eigentlich nur die Verbindungen zwischen korrekt positionierten Stationen abschätzt. Bei den U-Bahnen haben wir aber noch Lücken entdecken können. Trotzdem ist die neue Funktion gerade hier vielversprechend. Die Layer-Anzeige von Metrosystemen zeigt teils seltsame Verbindungen. Gerade Express-Linien fahren dann angeblich eine andere Strecke (dann ziemlich genau auf Luftlinie), obwohl sie dieselben Gleise wie die Hauptlinie nutzen.
Nagasaki und Seoul mit Sprachproblemen
Fündig wurden wir auch in Nagasaki, allerdings vor allem beim Thema Regionalbuslinien, die weit in benachbarte Städte fahren. Es zeigte sich auch ein Problem: Ohne Kenntnisse der in Japan genutzten Schriftsysteme wird es schwierig. Aktuell ist Organic Maps in diesem Bereich für Touristen nicht so einfach zu nutzen (siehe Screenshots unten), auch wenn man immerhin eine Grundorientierung für die Bus-Linien bekommt. Aber auch hier waren die Linien vollständig. Die japanische Openstreetmap-Community ist anscheinend schon recht aktiv.
In Seoul mussten wir länger nach einem Beispiel suchen. Hier fanden wir zudem eine Bus-Linie, die mehrere Unterbrechungen hatte. Es fehlten also nicht nur Bushaltestellen, sondern auch Teile des Linienwegs. Wir sind uns aber nicht sicher, ob hier vielleicht auch ein besonderes Buskonzept gefahren wird. Südkoreanische Bus-Linien sind ohnehin eher etwas für erfahrene Touristen. Hier ist das Sprachproblem noch stärker ausgeprägt, während U-Bahn-Systeme und auch Seouls bald eröffnende neue Wirye-Akku-Straßenbahn für Touristen gut nutzbar sind. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Seouls von uns ausprobierte Hochgeschwindigkeits-U-Bahn GTX-A ist für Touristen nicht so einfach zu nutzen, da hier und da englische Begriffe fehlen. Im Vergleich zu den Bus-Linien in der Metropolregion ist sie aber noch simpel in der Nutzung.
Ohnehin dürfte Seoul oder auch Südkorea im Allgemeinen, einen schwierigen Openstreetmap-Stand haben. Auch Google Maps und Apple Maps haben hier große Probleme mit der Qualität der Daten. Gegen lokale Kartenanbieter, wie etwa Kakao Maps, haben sie qualitativ keine Chance. Es gibt also nicht sonderlich viele Gründe, in der Openstreetmap-Community aktiv zu werden. Organic Maps hat in Seoul auch seit einiger Zeit Probleme mit der SPNV-Darstellung. Freilich ist Organic Maps für Touristen trotzdem eine empfehlenswerte App für Seoul, gerade wegen der Offline-Funktion, aber auch, weil die App leicht benutzbar ist. Kakao Maps ist äußerst komplex und klar auf eine technisch orientierte Zielgruppe hin zugeschnitten, die sich nicht an etwas Einarbeitung stört. Insbesondere die ÖPNV-Darstellung von Kakao Maps ist hervorragend.
Kurzes Fazit zu den neuen Organic Maps
Alles in allem gefällt das neue Angebot in Organic Maps und zeigt vor allem enormes Potenzial. Nachteile sehen wir nicht, da die Daten nun "On Top" zur Verfügung stehen. Wer ungeduldig ist, der kann sich an der Beta schon ausprobieren – es lohnt sich, mit entsprechender Vorsicht. Alle andere können sich auf das Ende der Betaphase schon einmal freuen.
Man sollte aber bedenken: Organic Maps setzt auf die Openstreetmap-Community und die sucht natürlich immer wieder neue Helfer. Die Qualität der Bus-Daten hängt also auch etwas von der regionalen Aktivität der Community ab. Erfahrungsgemäß ist in Europa daher schneller mit ergänzenden Daten zu rechnen. Es dürfte aber nicht lange dauern, bis die ersten Städte komplett sind. Organic Maps beinhaltet einen eingeschränkt nutzbaren Editor für kurze Fixes.




Quelle(n)
Organic Maps / Eigene Recherchen






