Eine neue Meta-Analyse und systematisches Review im Preprint-Stadium zeigt, dass Smartwatches verschiedener Hersteller Vorhofflimmern gut bis sehr gut feststellen können. Auf die Hintergründe dieser Studienart und auch die einzelnen Fachbegriffe gehen wir später ein. Im Rahmen dieser frei abrufbaren Meta-Analyse von Barrera et al. wurden Studien ausgewertet, die insgesamt 17.349 Probanden umfassen. Ausgewertet wurden die Sensitivität und die Spezifität und die AUC, also die Fläche unter der Kurve. Die Studie zeigt, dass es durchaus Unterschiede in der Fähigkeit zur Erkennung von Vorhofflimmern gibt, die Technik allerdings generell und bei mehreren Herstellern doch tauglich ist. Über alle Testgeräte hinweg ergibt sich eine Sensitivität von 95 Prozent und eine Spezifität von 97 Prozent.
Unterschiede zwischen Herstellern
Unterschiede zwischen einzelnen Herstellern gibt es. So wird etwa für die betrachteten Garmin Forerunner-Modelle mit der entsprechenden Funktion eine Sensitivität von 97 Prozent und eine Spezifität von 98 Prozent angegeben, für die Apple Watch ergeben sich Werte von 94 und 97 Prozent. Fitbit ist deutlich abgeschlagen mit einer Sensitivität von 66 Prozent und einer Spezifität von 79 Prozent. Welche der Smartwatches nun die tatsächliche, genaueste Diagnostik mitbringt, lässt sich allerdings am ehesten aus der Fläche unter der Kurve (AUC) der SROC (Summary Receiver Operating Characteristic) ableiten, hier schneidet Samsung am besten ab. Wir würden an dieser Stelle die Ergebnisse dieser Studie - zumindest bei den Geräten mit einer Sensitivität und Spezifität von deutlich über 90 Prozent - nicht als ganz strenge Rangliste interpretieren, die unbedingt einen direkten Einfluss auf eine konkrete Kaufentscheidung haben sollte. Nicht unbedingt zu erwarten ist überdies, dass sowohl die Nutzung eines Elektrokardiografen als auch der optischen Sensorik Vorhofflimmern gut erkennen kann, wobei PPG-basierte Systeme eine häufigere oder sogar durchgehende Messung ermöglichen.
Hintergründe zu den Ergebnissen
Zur Interpretation und Einordnung sind möglicherweise noch ein paar Hintergrundinformationen nötig - und die Erklärung von Fachbegriffen. So gibt die Sensitivität im medizinisch-diagnostischen Kontext konkret an, wie viele der Erkrankungen oder „Auffälligkeiten“ erkannt werden, die Spezifität gibt an, wie viele Gesunde korrekt als gesund erkannt werden. Die beiden Werte stehen - wie in unserer Analyse zur Bluthochdruck-Funktion der Apple Watch geschildert - in einem Zusammenhang. Diagnoseverfahren lassen sich durchaus bei einer generellen Eignung des Verfahrens und in gewissen Grenzen auf eine höhere Sensitivität oder Spezifität optimieren. Bei einem Screeningverfahren wie der Erkennung von Vorhofflimmern ist zumindest aus Sicht des einzelnen Patienten eine hohe Sensitivität im Zweifelsfall gegenüber einer hohe Spezifität deutlich zu priorisieren, da der falsch-positive Befund zwar möglicherweise zu verschwendeter Wartezeit beim Arzt und der unnötigen Anfertigung eines EKGs führt, was im Vergleich zu einer höheren Sterblichkeit bei einem nicht erkannten Vorhofflimmern aber natürlich ein absolutes Luxusproblem darstellt.
Hintergründe zur Studie
Es handelt sich bei der Studie um ein systematisches Review. Das bedeutet, dass Barrera N et al. nicht selbst Messungen vorgenommen haben, sondern bereits existierende Studien gesichtet und in die Auswertung mit einbezogen haben - oder eben nicht. Die Vorteile solcher Studien bestehen darin, dass die Zahl der kumulierten Probanden sehr hoch ist und Studien, die beispielsweise nur ein Gerät testen, in Kontext mit anderen Erhebungen gesetzt werden können. Besonders relevant ist es, nur auch wirklich aussagekräftigen Studien einzubeziehen - die Beschreibung dieses Prozesses stellt dabei auch einen Teil eines systematischen Reviews dar, selbiges gilt für die Bewertung der Studien auf möglicherweise vorhandene Faktoren, die zu Ergebnissen mit eingeschränkter Aussagekraft führen. Wir wollen an dieser Stelle noch deutlich darauf hinweisen, dass dieses Review teilweise unterschiedliche, konkrete Modellversionen einzelner Hersteller kumuliert und auch, dass die Zahl der Probanden je konkretem Gerät teilweise stark unterschiedlich ist, zudem sind die Messmethoden der einzelnen Studien nicht immer gleich. Die Studie von Barrera N et al. befindet sich aktuell noch im Stadium des Preprint, wurde also noch nicht in einem Peer-Review-Verfahren begutachtet. Die Studienlage könnte sich noch ändern, wenn beispielsweise neue Geräte auf den Markt kommen.






















