Notebookcheck

Test Huami Zepp E: Huamis neue Edel-Smartwatch in zwei Design-Varianten

Aus dem Ei gepellt. Huami hat Zuwachs bekommen. Zwei Jahre nach der Übernahme des Multisport-Sensorik-Unternehmens Zepp etabliert der Konzern unter diesem Namen eine neue Wearables-Marke. Den Anfang macht eine schicke Smartwatch. In unserem Test hinterlässt die Zepp E einen guten Eindruck. Ihren hohen Preis rechtfertigt sie aber nicht.
Inge Schwabe, Felicitas Krohn,
Huami Zepp E Circle
Prozessor
Huangshan 1
Bildschirm
1.28 Zoll , 416 x 416 Pixel 326 PPI, Full-Touch, AMOLED
Anschlüsse
Audio Anschlüsse: ⊖, Helligkeitssensor, Sensoren: Acceleration Sensor, Geomagnetic Sensor, Optical Heart Rate Sensor
Netzwerk
Bluetooth 5.0 BLE
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe (in mm): 9.1 x 42.2 x 42.2
Sonstiges
Lautsprecher: ⊖, Tastatur: 1 Button, Smart Watch With Bands, Magnetic Charging Base, User Manual, Zepp App, compatibility: Android 5.0+, iOS 10.0+; water resistance: 5 ATM, Wasserdicht
Gewicht
32 g
Preis
249 Euro
Hinweis: Der Hersteller kann abweichende Bauteile wie Bildschirme, Laufwerke und Speicherriegel mit ähnlichen Spezifikationen unter dem gleichen Modellnamen einsetzen.

 

Gehäuse, Ausstattung und Bedienung

Zum einheitlichen Preis von 249 Euro ist die Zepp E wahlweise quadratisch wie die Apple Watch zu haben (Zepp E Square) oder in rund als Zepp E Circle. Die runde Smartwatch würde zwischen den Modeuhren einer Kaufhausvitrine kaum auffallen. Das bewirkt einerseits der glänzend polierte Edelstahlboden und zum anderen das über die gesamte Oberfläche leicht gewölbte Display-Glas.

Das 1,28 Zoll große Always-On-Display in AMOLED-Technologie passt sich dank Lichtsensor automatisch an die Helligkeit an und gewährleistet auch in der Sonne eine gute Lesbarkeit. Wenn man den Arm hebt, dauert es allerdings eine gute Sekunde, bis sich das Display erhellt und zur aktiven Anzeige wechselt. Vor allem beim Sport wünscht man sich an dieser Stelle mehr Geschwindigkeit. Auf dem Nachttisch liegend lässt sich die Anzeige nur über die Taste aktivieren und nicht etwa durch Antippen des Displays.

Das 1,65-Zoll-Display der Zepp E Square ist ebenfalls ein AMOLED und löst bei einer Pixeldichte von 348 × 442 px auf. Mit 36 g wiegt sie 4 g mehr, das Gehäuse misst dort 43,3 × 35,7 mm bei einer Dicke von 9 mm. Die weiteren Spezifikationen einschließlich der Akkukapazität sind identisch. Beide Gehäuse sind bis 5 ATM wasserdicht und können mit dem Fluoroelastomer-Band auch im Wasser getragen werden. Alternativ gibt es auch Armbänder aus Leder und Metall, zudem passen bei beiden 20-mm-Standardbänder. 

Die Sensoren erfassen Umgebungslicht, Bewegung, Herzfrequenz und die Blutsauerstoffsättigung (SpO2). Auf die Integration von GPS und NFC für mobiles Bezahlen verzichtet Zepp bei seinem Debüt.

Einrichtung und Bedienung

Huami hat seine Amazfit App bereits im August in Zepp umbenannt. Wer bereits ein Wearable von Huami/Amazfit besitzt, hat die App daher vermutlich bereits auf seinem Smartphone, nur dass sie in der App-Übersicht von ganz oben nach ganz unten gerutscht ist. 

Wer sie noch nicht hat, lädt die Zepp-App auf sein Smartphone und richtet ein Konto ein. Uhr und Smartphone verbinden sich anschließend über einen QR-Code im Display der Zepp E. Wer bereits einen anderen Tracker von Huami besitzt, muss sich entscheiden – die App verbindet sich immer nur mit einem von ihnen, behält den anderen aber im Speicher.  

5 Zifferblätter sind vorinstalliert, weitere lädt man über die Zepp App aus dem Internet auf die Watch. Bei 4 von ihnen kann man die Komplikationen individualisieren und so beispielsweise die allgemeine Wetterinfo durch die vorhergesagte UV-Strahlung austauschen. Soweit die Theorie. In der Praxis führte das bewusste Ändern einer Komplikation dazu, dass sich die anderen willkürlich ebenfalls änderten. Das sollte sich aber durch ein Update beheben lassen. Tippt man eine Komplikation an, öffnet sich die zugehörige Funktion.

Über Gesten auf dem Touchscreen und eine seitliche Taste lässt sich die Zepp E bedienen. Bei einem kurzen Druck auf die Taste öffnet sich das App-Menü, bei einem langen eine zuvor zugewiesene individuelle Funktion. 

Zu den weiteren Individualisierungen zählt unter anderem, dass man die Reihenfolge der App-Übersicht anpassen und nicht benötigte Apps ausblenden kann. Für das Always-on-Displays stehen nicht nur ein Standard Analog- oder Digitalzifferblatt zur Wahl, sondern alternativ auch eine abgedunkelte Version des gewählten normalen Zifferblattes. Zudem lassen sich Automatismen wie das Always-On-Display und das Einschalten bei Anheben des Armes zeitgesteuert deaktivieren.

Musik, Benachrichtigungen, Telefonie

Wischt man seitlich über das Display, erscheinen maximal 5 von insgesamt 9 möglichen Widgets, darunter auch eine Remote-Steuerung für den Musik-Player oder Streaming-Dienst auf dem Smartphone. Einen Speicher für Offline-Musik besitzt die Smartwatch nicht. 

Lautsprecher und Mikrofon fehlen ebenfalls; demzufolge gibt es weder einen Assistenten, noch kann man über das Wearable telefonieren. Eingehende Telefongespräche zeigt die Smartwatch an und man kann sie abweisen oder einfach nur den Klingelton des Smartphones über die Uhr stumm schalten.

Wenn man auf einen Anruf überhaupt nicht reagiert, zeigt die Uhr ihn anschließend nicht als entgangenen Anruf an. Kurznachrichten (SMS) und Nachrichten aus den sozialen Netzwerken zeigt sie an; man kann aber nicht darauf antworten und sie auch nicht als gelesen markieren. Die Löschfunktion löscht keine einzelnen Benachrichtigungen von der Smartwatch, sondern alle.

Aktuelles Wetter
Aktuelles Wetter
Wettervorhersage
Wettervorhersage
Quick-Panel
Quick-Panel
Eingehender Anruf
Eingehender Anruf

Gesundheit und Fitness

Der Fitness-Tracker summiert täglich die Dauer köperlicher Aktivität, zählt die gelaufenen Schritte und ermittelt den Kalorienverbrauch. Er überwacht die Herzfrequenz auf Wunsch rund um die Uhr. Aus den Verlaufsdaten ermittelt Huami den Indikator PAI (Personal Activity Intelligence). Er aktualisiert sich täglich auf der Grundlage eines Algorithmus der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens. Zugehörigen Studien zufolge soll ein fortwährender PAI-Wert von über 100 eine höhere Lebenserwartung begünstigen.

Die Messung der Blutsauerstoffsättigung (SpO2) stößt man manuell an. Beim Testgerät stimmte das Ergebnis in allen Durchläufen mit maximal einem Prozentpunkt Abweichung mit dem Messwert eines medizinisch zertifizierten Gerätes überein.

Zusätzlich bietet Huami die Überwachung der Atmungsqualität währen des Schlafs an. Die Funktion befindet sich derzeit noch im Betastatus und konnte in dieser Version nicht überzeugen. Sie lieferte für 3 Nächte das gleiche Ergebnis von exakt 100 und darüber hinaus wenig Aufschluss. 

Gut gefällt die grafische Überlagerung der Schlafphasen mit dem Verlauf der Herzfrequenz. Die Einschlaf- und Aufwachzeiten sowie nächtliche Gänge zum Kühlschrank, wenn es welche gab, reflektierte das Schlafprotokoll wahrheitsgemäß. Die Informationen zum Schlaf liegen allerdings nur in der App vor; zumindest im Testzeitraum konnte man sie nicht auf der Uhr abrufen.  

Aktionsziele
Herzfrequenz mit Verlauf
PAI

Sport

Gemessen an anderen Fitness-Trackern ist das Workout-Angebot mehr als überschaubar: Zur Wahl stehen Gehen, Laufen (draußen/Laufband/Trail), Klettern, Radfahren (draußen, Indoor),  Schwimmen, Cross-Trainier, Freistil und Skifahren.

Wer beim Training im Freien eine Route aufzeichnen will, muss das Smartphone mitnehmen, damit die Huami-Smartwatch dessen GPS nutzen kann. Der Wasserschutz beschränkt sich auf 5 ATM; bereits für das Schnorcheln empfiehlt sich ein Wasserschutz bis 10 ATM.

Akkulaufzeit

Bei aktiver Nutzung soll der 188-mAh-Akku etwa 7 Tage halten. Unter einer aktiven Nutzung versteht Huami das permanente Tracken von Herzfrequenz und Schlaf, drei halbstündige Lauf-Trainings pro Woche, sowie täglich zweimaliges Messen der Blutsauerstoffsättigung, 180 Display-Aktivierungen und 5 Minuten für die Nutzung anderer Uhr-Funktionen.

Mit ziemlich genau 3 Tagen liegt unser Praxisergebnis deutlich darunter. Die Nutzung ist im Test naturgemäß intensiv, aber wir schauen auch nicht 24/7 auf das Display oder drücken Tasten. Der gemessene Zeitraum umfasst einen 37-minütigen Lauf (A-GPS), 10 Messungen der Blutsauerstoffsättigung, das permanente Tracken von Herzfrequenz und Tagesaktivitäten sowie das Schlafprotokoll mit Überwachung der Atmungsqualität. Die Anzeige von Benachrichtigungen, Always-On-Display und das automatische Aktivieren durch Anheben des Handgelenks waren per Zeitwahl in der Nacht für 7 Stunden deaktiviert.

Der Grund für die Abweichung liegt vermutlich in der nächtlichen Überwachen der Atmungsqualität: Sie fordert den Akku erheblich mehr als das reguläre Schlafprotokoll. Der Nutzer erfährt dies durch einen Hinweis, sobald er die Funktion aktiviert.

Das Laden über den magnetischen Adapter und die Pins auf der Rückseite verlief dagegen deutlich flotter als angegeben. Etwa zwei Stunden soll der Akku für eine vollständige Ladung brauchen, im Test benötigte er nichtmal eineinhalb Stunden.

 

 

Fazit

Testgerät zur Verfügung gestellt von Huami
Testgerät zur Verfügung gestellt von Huami

Dank Huamis Erfahrung und Entwicklung für seine Amazfit-Uhren ist auch Zepp mit einer guten Software am Start. 

Die Feinheiten bei der Steuerung der Always-On-Anzeige sind in der Praxis von hohem Wert, ebenso wie die Möglichkeit, Apps in der App-Liste auszublenden und vor allem ihre Reihenfolge zu bestimmen; Huawei beispielsweise erlaubt hierbei keine Einflussnahme, häufiges Scrollen ist die Folge.

Preislich startet Zepp mit seiner Smartwatch in der Oberklasse. Funktional rangiert sie trotz vieler positiver Aspekte nur in der Mittelklasse.   

Für eine Smartwatch ohne NFC und eigenes GPS ist der ausgerufene UVP von 249 Euro aber sehr hoch gegriffen. Mikrofon und Lautsprecher für Bluetooth-Telefonie oder einen Sprachassistenten darf man in dieser Preislage ebenfalls bereits erwarten.

Preisvergleich

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Autor: Inge Schwabe, 28.09.2020 (Update: 16.10.2020)
Inge Schwabe
Anders als viele Techies fand ich nicht durch einen C64 oder dergleichen zur Technik; mich hat vielmehr der letzte Meter Kupferdraht fasziniert, über den ein Freund am anderen Ende der Leitung so glasklar zu hören war. Ich studierte Informatik und verfolgte danach über viele Jahre begeistert die Entwicklung des Telefons zum Smartphone. Aktuell werden Innovationen weniger, ihnen auf den Grund zu gehen aber bleibt spannend und interessant.