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Unbloated Network - Provider-Router ersetzen mit OpenWRT: Projektüberblick (Teil 1)

Provider-Router vs. OpenWRT-Netzwerk
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Provider-Router vs. OpenWRT-Netzwerk
Provider-Router sind bequem – und genau das ist ihr größtes Problem. Schlechte WLAN-Abdeckung, eingeschränkte Kontrolle, fragwürdige Privatsphäre und technische Limits gehören für viele Nutzer zum Alltag. In dieser neuen Artikelserie ersetze ich das All-in-One-Gerät meines Providers (Vodafone Station) Schritt für Schritt durch eine modulare Lösung aus OpenWRT-Router, Access Point und Switch. In Teil 1 erkläre ich, warum ich diesen Weg gehe und wie das Projekt aufgebaut ist.

Warum ich meinen Provider-Router ersetzen will

Lange habe ich das Problem ignoriert, jetzt gehe ich es an! Seit jeher nervt mich zum Beispiel, dass das WLAN-Netz des Routers nicht einmal durch zwei Wände bis in meine Küche reicht, selbst das angrenzende Zimmer hat Empfangsprobleme, das Netz ist extrem schwach. Durch die langjährige Verwendung ist die Wi-Fi-Technik des Gerätes auch veraltet (Wi-Fi 5).

Meine alte Vodafone-Station
Meine alte Vodafone-Station

Weitere Schwächen von Provider-All-in-One-Geräten

Der Vodafone-Router ist eine „Blackbox“ für mich. Ich weiß nicht wie oft der Provider die Box aus der Ferne mit Updates versorgt, welche offenen Dienste für die Fernwartung potentielle Einfallstore öffnen (Sicherheit), oder welche genauen Firewall regeln gelten (Zensur?). Zudem kann Vodafone meine Surfhistorie loggen/tracken (Privatsphäre). Bei einem Reboot ist zudem alles tot, inklusive Telefon (Single Point of Failure).

Das Ziel: Modem, Router und WLAN sauber trennen

Mein langjähriger Vodafone-Router ist halt alles in einem: Modem, Router und WLAN-AP (Access Point). Die Idee ist nun, die einzelnen Funktionbereiche der Box auf mehrere Geräte aufzuteilen. Dabei soll die Vodafone-Box nur noch als dummes Modem dienen, Router- und WLAN-Funktionen sollen deaktiviert werden. Als neuer Router soll ein sparsamer Mini-PC dienen, als Wi-Fi-Gerät ein stromsparender AP. Dazwischen wird noch ein kleiner Switch für LAN-Geräte (z.B. PC per LAN-Kabel, AC Receiver, Homeserver etc.) platziert. Das Ganze soll schematisch etwa so aussehen:

Ist das technisch sinnvoll?

Moment, das sind gleich drei neue Geräte, statt eine Vodafone-all-in-one-Lösung soll ich auf Vodafone-Modem, Router, Switch und AP umsteigen, ist das überhaupt sinnvoll?
Dass eine Provider-Blackbox viele Nachteile hat, habe ich weiter oben schon erörtert. Technisch ist eine Trennung aus folgenden Gründen sinnvoll:

  • Bessere Netzwerk­sicherheit & Segmentierung
  • Strom- und Ressourceneffizienz
  • Bessere Fehlersuche & Stabilität
  • Weniger Überforderung für einzelne Geräte

Ein All-in-One-Router stößt schnell an Grenzen, vor allem wenn man später vielleicht noch viele Dienste, VMs und Netzwerksegmente plant.

Warum eine Trennung auch ökologisch Sinn ergeben kann

Ok, mal ehrlich: 1 Gerät in insgesamt 4 Geräte aufzuteilen, klingt hinsichtlich des Verbrauchs alles andere als sinnvoll. Die Verbrauchsrechnung gestaltet sich aber nicht ganz so eindeutig wie gedacht, wobei die Rechnung natürlich stark von der verwendeten Hardware abhängt. Ich empfehle bei der Hardwarewahl besonders auf sparsame Geräte zu achten. Hier mal eine Auflistung der geschätzten Verbrauchswerte der einzelnen Geräte:

Der Vodafone Router verbraucht realistisch ~12–15 W dauerhaft, vielleicht sogar mehr, da DOCSIS ständig aktiv ist, das WLAN permanent funkt und der interne SoC + Switch immer laufen. Im neuen Setup sieht es etwa so aus:

Komponente Verbrauch
Vodafone Router alleine mit DOCSIS und WLAN 12 - 15 W
Vodafone Router (nur Modem) 7 - 9 W
Router (Zimaboard 1) 4 - 6 W
Switch (5-Port) 3 - 5 W
Access Point 4 - 7 W
Gesamt neu 18 - 27 W

Ja, 6 - 12 W mehr als vorher sind womöglich der Preis. Ein einzelnes Kombigerät ist minimal sparsamer. Aber die zusätzlichen Stromkosten sind dabei beinahe zu vernachlässigen (bei 30 Cent/kWh ca. 25 € mehr pro Jahr), zumal man in der Nacht z.B. den AP abschalten könnte. Dafür bekommt man:

  • Mehr Sicherheit (aktuellere Hard- und Software, bessere Firewallregeln)
  • Bessere Ausfallsicherheit (bspw. bei einem Homeserver, kein Single Point of Failure)
  • Mehr Privatsphäre (kein Logging durch den Provider)
  • Besseres und technisch aktuelleres Wi-Fi, mehr Zukunftssicherheit
  • Bessere Flexibilität, z.B. beim Provider-Wechsel
  • Zum Teil höhere Lebensdauer der einzelnen Geräte

Vor allem aber, und das dürfte mein persönlicher Hauptgrund für das Projekt sein: Man lernt viel über Netzwerktechnik und -konfiguration und nimmt die Gestaltung des Heimnetzes in die eigenen Hände.

Ausblick: Hardware-Auswahl im nächsten Teil

Im nächsten Teil geht es um die Hardware: Welche Optionen haben wir, was muss ein Gerät mitbringen, um via der Open-Source-Firmware OpenWRT zum Router zu werden, geht da jeder PC oder gar ein SBC oder Raspberry Pie?

Überblick

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-02 > Unbloated Network - Provider-Router ersetzen mit OpenWRT: Projektüberblick (Teil 1)
Autor: Christian Hintze, 13.02.2026 (Update: 13.02.2026)