Was deine KI heimlich über dich speichert, und wie du es abstellst

Dein KI-Assistent kennt dich inzwischen ziemlich gut. Er merkt sich, wie du schreibst, woran du arbeitest, was dir wichtig ist. Praktisch. Aber diese Erinnerungen liegen auf fremden Servern, und ob damit trainiert wird, wie lange sie bleiben und wer sie sonst noch sieht, das steht nicht auf der Startseite. Die gute Nachricht: Ein paar Schalter und etwas Wissen reichen, um die Kontrolle zurückzuholen. Hier steht, worauf es ankommt.
Gedächtnis und Training sind zwei getrennte Schalter
Der wichtigste Satz zuerst, weil ihn fast alle verwechseln. Ob die KI sich Dinge über dich merkt, also Memory, und ob sie aus deinen Eingaben lernt, also Training, sind zwei verschiedene Einstellungen. Memory an heißt nicht Training an. Und schaltest du das Training ab, hört das Speichern deiner Erinnerungen trotzdem nicht auf. Beide Schalter musst du getrennt anschauen, sonst hältst du dich für geschützt und bist es nicht.
Der häufigste Irrtum: Chat weg heißt nicht Erinnerung weg
Viele löschen eine Unterhaltung und denken, damit sei auch das Gemerkte verschwunden. Bei ChatGPT stimmt das nicht. Die gespeicherten Erinnerungen liegen getrennt vom Chatverlauf und bleiben, bis du sie einzeln in den Memory-Einstellungen löschst. Bei Claude und Gemini ist es umgekehrt, dort räumt das Löschen der Chats das Gemerkte gleich mit weg. Wer bei ChatGPT wirklich aufräumen will, muss also an zwei Stellen ran.
Wie lange deine Daten bleiben
Das ist je Anbieter verschieden. Bei ChatGPT bleiben Chats, bis du sie löschst, danach sind sie regulär binnen 30 Tagen weg, temporäre Chats ohnehin. Bei Claude verschwinden gelöschte Chats binnen 30 Tagen, erlaubst du aber das Training, darf Claude die Daten anonymisiert bis zu fünf Jahre behalten. Bei Gemini wird deine Aktivität standardmäßig nach 18 Monaten gelöscht, einstellbar auf 3 oder 36 Monate. Ein Haken bei Gemini: Chats, die ein menschlicher Prüfer gesehen hat, sind vom Konto abgekoppelt und bleiben bis zu drei Jahre, auch wenn du alles löschst.
Und dass solche Zusagen nicht in Stein gemeißelt sind, zeigte 2025 ein US-Rechtsstreit, der OpenAI zeitweise zwang, sogar gelöschte Chats aufzubewahren. Für Nutzer aus der EU galt das nicht, und die Auflage ist inzwischen wieder aufgehoben. Ein guter Merksatz bleibt es trotzdem: Was heute gelöscht wird, kann ein Gericht morgen anders sehen.

Wo du das Training abstellst
Wenn du nicht willst, dass deine Eingaben das Modell trainieren, findest du den Schalter hier. Bei ChatGPT unter Einstellungen, Data Controls, dort „Improve the model for everyone“ ausschalten. Bei Claude unter Einstellungen, Privacy, dort „Help Improve Claude“ ausschalten. Bei Gemini gibt es keinen eigenen Trainings-Schalter. Dort hängt alles am Punkt Gemini-Aktivität: schaltest du die aus, wird auch nicht mehr trainiert, dafür speichert Gemini dann aber auch deine Chats nicht mehr. Ein Kompromiss, den du kennen solltest.
Wer GitHub Copilot in der Gratis- oder Pro-Version nutzt, sollte besonders hinschauen. Seit April 2026 ist die Auswertung der Eingaben fürs Training dort standardmäßig aktiv, betroffen ist sogar Code aus privaten Repositories, während du aktiv damit arbeitest. Ausschalten lässt es sich in den Copilot-Kontoeinstellungen.
Wenn du mit Kundendaten arbeitest
Für private Notizen reicht ein sauber eingestellter Account. Sobald aber echte Kundendaten ins Spiel kommen, wird es ernst, und die Consumer-Apps sind dafür nicht gemacht. Datenschutzkonform wird es erst mit einem Geschäfts- oder Enterprise-Tarif oder der API, jeweils mit unterschriebenem Auftragsverarbeitungsvertrag. Dass die Daten in der EU verarbeitet werden, ist außerdem kein Automatismus, das musst du aktiv einstellen, und in den Chat-Apps geht es gar nicht. Und wirklich keine Speicherung, also Zero Data Retention, gibt es praktisch nur auf API-Ebene, nicht in ChatGPT, Claude oder Gemini als App. Wer vertrauliche Mandanten- oder Patientendaten in einen normalen Chatbot tippt, hat ein Problem, egal wie viele Schalter aus sind.
Deine Aufräum-Checkliste
Kurz und praktisch. Beide Schalter prüfen, Memory und Training. Für heikle Themen den temporären oder Inkognito-Modus nutzen. Passwörter und komplette Kundendaten gehören nie in einen Consumer-Chat. Das Gedächtnis ab und zu durchgehen und ausmisten. Und auf gemeinsam genutzten Geräten jeder mit eigenem Login. Das kostet fünf Minuten und erspart dir später Ärger.
Ein KI-Assistent, der dich kennt, ist ein Gewinn. Du solltest nur wissen, was er behält, wie lange, und an welchen zwei Schaltern du drehst, wenn dir etwas nicht geheuer ist.






