Es gilt als eine der Innovationen in Deutschland. Die Deutsche Bahn hat im Jahr 2021 ein "Intelligentes LED-Leitsystem" auf einem Bahnsteig des Fern-, Regional- und S-Bahnhof Berlin-Südkreuz installiert. Genauer gesagt wurde das System auf einer Bahnsteigkante der S-Bahn stadtauswärts installiert. Ziel der Installation: Praktische Forschung an dem System und die Auswirkungen auf die Fahrgäste der S-Bahn. Seitdem war allerdings kaum noch etwas von dem Projekt zu hören. Grund genug für Notebookcheck.com nach dem Forschungsstand zu fragen.
Wie die Deutsche Bahn auf Nachfrage angab, ist das Projekt mittlerweile beendet: "Die DB hat die leuchtende Bahnsteigkante im Rahmen des Forschungsvorhabens Sicherheitsbahnhof am Bahnhof Südkreuz getestet. Der Pilot in Südkreuz ist mittlerweile abgeschlossen", so die Deutsche Bahn. Mit den Ergebnissen ist das Unternehmen auch zufrieden.
Fahrgäste sind zufrieden
"Das System hat einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit unserer Kund:innen, insbesondere die Indexwerte Aufmerksamkeit und Orientierung auf dem Bahnsteig konnten gesteigert werden", heißt es. Es fehlen aber noch weitere Daten für die Beurteilung, ob so ein System gut funktioniert. So fehlt es an Daten bezüglich der Positionierung der Bahnsteigbeleuchtung. Außerdem konnte eine "positive Beeinflussung der Fahrgastwechselzeit" nur bedingt nachgewiesen werden. Der Bahnhof Südkreuz hat nicht genug Reisende.
"Daher sind weitere Piloten in Planung", so eine Bahnsprecherin zu Notebookcheck.com. Wo und wann die Projekte starten, lässt das Unternehmen offen. Man kann aber wohl damit rechnen, dass die Deutsche Bahn nun nach Bahnhöfen mit vielen Fahrgästen sucht.
Da Notebookcheck.com ähnliche Projekte in anderen Städten kennt, haben wir die Deutsche Bahn auch dazu befragt und uns konkret auf die U-Bahn Athen (Athens Metro), die Taiwan High Speed Rail (THSR) und Installationen im Straßenraum Südkoreas bezogen. Seitens der Deutschen Bahn heißt es dazu: "Ähnliche Vorhaben sind bekannt, wurden aber nicht in die Bewertung einbezogen (andere Technik, Lichtmuster, Einsatzbedingungen usw.)."
Das verwundert ein wenig, denn in Griechenland, Taiwan und Südkorea sind die Systeme längst in der Praxis im Einsatz. Auch wenn sie "nur" blinken, sind sie offenbar den Aufwand wert, gerade in Zeiten, in denen Menschen mit ANC-Kopfhörern sich selbst Barrieren schaffen oder auch verstärkt auf Smartphones schauen. Gerade im Straßenraum Südkoreas ist das mittlerweile in Städten wie Busan und Seoul an vielen Stellen erkennbar. Freilich haben die Systeme auch für Menschen mit eingeschränktem Hör- oder Sehvermögen Vorteile. Da die Systeme ergänzend sind, schaden sie vermutlich auch nicht.
Allerdings kann die leuchtende Bahnsteigkante, die die Deutsche Bahn ausprobiert hat, tatsächlich mehr. Installiert wurden die leuchtenden Betonelemente des Start-ups Siut. In einem recht neuen, gesonderten Prospekt von 2024 stellt das Unternehmen die Möglichkeiten vor (PDF). So ist über das Leuchtsystem etwa die Auslastung erkennbar.
Auch ein Wagenstandsanzeiger ist denkbar, um etwa das Bordrestaurant oder die 1. Klasse am Boden zu markieren. Und natürlich sollen auch Einfahrten oder schnelle Durchfahrten besser markiert werden.
Zukunftsbahnhöfe kommen ohne futuristische Technik
Bis zu einem flächendeckenden Einsatz des Systems wird es wohl noch lange dauern. Auch weil die Deutsche Bahn gerade viele Bahnhöfe modernisiert. Allein für das Jahr 2025 sollen insgesamt 100 Bahnhöfe zu sogenannten Zukunftsbahnhöfen umgerüstet werden. Doch die in Deutschland noch futuristische Technik kommt nicht zum Einsatz, obwohl die Deutsche Bahn in einem alten Video aus dem Jahr 2018 noch sicher war, dass die Technik in jedem Fall etwas bringt.
Damals ging es um die leuchtende Bahnsteigkante für Stuttgart. Interessant: Die Deutsche Bahn plante ursprünglich mit einem deutlich aufwendigeren System. Bemerkenswerterweise wurde das Video einige Jahre später noch einmal angepasst, um die neuen Elemente von Siut in den Animationen aufzunehmen. Dabei musste es anscheinend eilig sein. Das merkt man daran, dass die falschen S-Bahnen in Berlin-Südkreuz einfahren. Es gibt aber auch funktionale Unterschiede zwischen den Videos und den Bahnsteigleuchtensystemen. So wurde die für Stuttgart angedachte Anzeige der Türpositionen für Berlin gestrichen.
Übrigens: Für das Jahr 2025 sollen insgesamt noch weitere 850 Stationen angepackt werden. Vermutlich werden aber nicht alle in diesem Jahr fertig. Problematisch daran: Erst mal modernisierte Bahnsteige und Bahnhöfe wird man wohl kaum nochmals aufreißen. Schon die Installation von Blindenleitstreifen wird bei der Deutschen Bahn gerne auf eine grundsätzliche Bahnsteigsanierung verschoben.
In den folgenden Bildern sind Beispiele von Installationen in Griechenland, Südkorea und Taiwan zu sehen. Da auch wir nicht alle Länder kennen, freuen wir uns auf weitere Hinweise in den Kommentaren. Ein Kommentar ist ohne Registrierung möglich.
Quelle(n)
Deutsche Bahn / Siut / Eigene Recherchen



















