Notebookcheck

Zweimal Nicken bitte: TicPods 2 Pro von Mobvoi angetestet

Mobvoi, ein chinesisches Unternehmen, am Markt bekannt für Wearables, wie die Smartwatch-Serie “Ticwatch” oder die drahtlosen TicPods-Ohrhörern, läutet Anfang Januar mit den “TicPods 2” und “TicPods 2 Pro” die zweite Generation der TicPods ein. Wir haben ein Exemplar der TicPods 2 Pro zum Testen erhalten und werden hier unsere Eindrücke schildern.

Klein und federleicht

Der Lieferumfang der TicPods 2 Pro umfasst eine Ladebox, die zwei Ohrhörer, ein kurzes USB-Type-C-Kabel und eine Kurzanleitung. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Größe der Ladebox um 42 Prozent geschrumpft und wirkt mit den Abmessungen von 24 x 32 x 71 Millimeter somit weitaus kompakter. Drei Farben stehen dabei zur Auswahl: Blau, Weiss und Pink. Die Oberfläche der Ladestation ist gerillt und an der Vorderseite sind zwei kleine Status-LEDs angebracht. Innen befindet sich ein Knopf, mit dem ein Hardware-Reset oder auch ein Trennen der Bluetooth-Verbindung durchgeführt werden kann. 

Der Lieferumfang
Der Lieferumfang

Die magnetische Ladestation selbst besitzt einen 390 mAh großen Polymer-Lithium-Ionen-Akku, während in den Ohrhörern 30 mAh eingesetzt wurden. Mobvoi gibt die reine Akkulaufzeit der In-Ears alleine mit vier Stunden an, die Ladebox liefert dann Energie für weitere 20 Stunden. Wem trotzdem mal der Akku ausgegangen ist, kann sich über die Schnellladefähigkeit der TicPods freuen. Nach nur fünf Minuten Aufladevorgang sind die In-Ears wieder für eine Stunde Wiedergabe bereit. Diese Werte entsprechen großteils auch der Praxis.

Die Ohrhörer selbst sind mit 4,4 Gramm pro Stück sehr leicht und IPX4 zertifizert, dürfen also auch bei Schlechtwetter verwendet werden.

Die Pros beherrschen TicMotion und TicHear

Zwischen den normalen TicPods 2 und den TicPods 2 Pro gibt es sowohl bei der Funktionalität, als auch bei den technischen Daten, Unterschiede. In der Pro-Variante sitzt ein Qualcomm QCC5121 Chipsatz, ein Doppelmikrofon und ein Beschleunigungsmesser und Gyroskop für die Steuerbefehle über Nick- und Gierbewegung des Kopfes. Dieser beherrscht außerdem integriertes Digital Active Noise Cancelling (ANC) und besitzt zwei, statt nur einem Digital Signal Processor (DSP). Die Basic-Linie der TicPods 2 wird hingegen von einem Qualcomm QCC3026 angetrieben und unterstützt nur ein Einzelmikrofon mit Geräuschunterdrückung. Dafür spendiert der Akku in der Ladestation den normalen TicPods eine drei Stunden längere Betriebszeit.

Viel Technik auf engstem Raum
Viel Technik auf engstem Raum
Firmware-Update ganz einfach über die App
Firmware-Update ganz einfach über die App

Wir testen die TicPods 2 Pro

Nach dem Auspacken klappte der Verbindungsaufbau über Bluetooth 5.0 mit dem Android-Smartphone reibungslos. Der Hersteller stellt eine Mobvoi-App im Playstore zur Verfügung, in der weitere Einstellungen für die In-Ears, aber gleichzeitig auch für andere Geräte von Mobvoi getroffen werden können, wie beispielsweise für unsere TicWatch Pro 4G/LTE. Auch iOS-User finden im Apple-Store die Mobvoi-App.

Über diese App lässt sich ein OTA-Firmware-Update für die TicPods 2 Pro initiieren, der Vorgang dauert nur wenige Minuten. In unserem Fall wurde die Firmware-Version v1131 installiert, die folgende neue Features mit sich bringt:

  • Live-Übersetzung über die In-Ears
  • Bessere Musikqualität durch Optimierung von Bass, Alto und Treble 
  • Verbesserung der Gesprächsqualität

Leider hat aber in unseren Tests die interessant klingende “Session Translation” nicht geklappt. Wir erhielten wiederholt die Fehlermeldung, dass unser WiFi-Empfang schlecht sei, obwohl wir sowohl über ein stabiles 4G-Netzwerk, als auch direkt am Router verbunden waren.

Zum Tragekomfort kann gesagt werden, dass sich die TicPods 2 Pro äußerst leicht anfühlen, aber gleichzeitig kommt keine Sorge auf, diese zu verlieren. Sie sitzen gut im Ohr, auch längere Gespräche über Stunden sind möglich, ohne dass diese unangenehm auffallen. Kopfschütteln alleine reicht nicht aus, dass sie aus dem Ohr fallen.

Kommen wir nun zu einem weiteren wichtigen Kriterium für Ohrhörer, nämlich der Soundqualität beim Hören von Musik. Aufgrund der fehlenden Silikonstöpsel findet keine vollständige Abdichtung mit dem Gehörgang statt. Einerseits sind die Ohrstöpsel laut genug, dass es beispielsweise beim Tidal-Musikstreaming-Dienst kaum notwendig war, über 60 Prozent der Lautstärke zu gehen, aber besonders bei zunehmender Lautstärke fiel uns die eher flache Soundkurve auf. Dagegen helfen auch nicht die neun vordefinierten Equalizer in der Mobvoi-App von Classic über Hip-Hop und Jazz bis hin zu Mega-Bass. Hier muss man aber sagen, dass das unserer Meinung nach nicht an den hervorragenden 13mm-Treibern liegt, sondern an der Bauform und der fehlenden Abdichtung. Die Ticpods 2 Pro sind somit dafür geeignet, um mal zwischendurch unterwegs Musik zu hören, aber nicht die erste Wahl für High-Resolution-Musik in den eigenen vier Wänden. 

Die Gesprächsqualität beim Telefonieren ist einwandfrei, sowohl für uns selbst, als auch für die Gesprächspartner. Diese waren in vielen Situationen, ob im Auto oder auf der Strasse immer laut und klar zu verstehen. Der Gesprächspartner konnte keinen großen Unterschied ausmachen zwischen den Ticpods und dem Telefonieren mit dem Handy am Ohr.

Die Touch-Steuerung ist wie auch bei anderen kabellosen Modellen etwas gewöhnungsbedürftig. Eine Eingewöhnungsphase ist notwendig, aber danach funktioniert die Touch-Steuerung mit dem Finger auf den Ohrhörern recht gut. Beispielsweise kann die Lautstärke durch Hinauf- und Hinunterstreichen direkt am In-Ear doch sehr präzise gesteuert werden. Da haben wir schon weniger kooperative In-Ears getestet. Das Annehmen oder Ablehnen von Anrufen durch Kopfnicken, wie Mobvoi mit dem sogenannten "TicMotion" es vorsieht, klappt ebenfalls - aber auch nicht immer. Die Erkennung, ob sich die TicPods im Ohr befinden, funktioniert aber einwandfrei. Wird bei laufender Musik zum Beispiel ein Ohrhörer entfernt, stoppt die Wiedergabe und wird automatisch fortgesetzt, sobald der eine Ohrhörer wieder im Ohr sitzt. Diese Einstellung kann in der App geändert werden.

Neben der Touch-Steuerung besteht aber auch die Möglichkeit über Sprachbefehle, dem sogenannten "TicHear", und zwar ohne die Verwendung eines Aktivierungworts, Musik abzuspielen ("Play music"), zum nächsten Lied ("Next track") überzugehen oder die Wiedergabe zu stoppen ("Pause music").

Und mit dem Zauberwort "Hey Tico" nehmen die TicPods 2 Pro jederzeit verlässlich Sprachbefehle für Google Assistant an, jedoch wird nur die englische Sprache unterstützt. 

Fazit

Die TicPods 2 Pro von Mobvoi sind vollgepackt mit intelligenten Gesten- und Sprachfunktionen, sowie mit zahlreichen nützlichen, durchdachten Ideen. Manchen wird die Variante ohne den Silikonstöpseln mehr zusagen, denn sie halten ebenfalls sehr gut im Ohr und sind auch laut genug, um im Strassenlärm dagegenzuhalten. Der Tragekomfort stimmt, wie auch die angegebene Akkulaufzeit, die übrigens nur knapp unter den Apple Airpods Pro liegt. Preislich sind die TicPods 2 Pro um 140 Euro auf Amazon.de zu finden. Die normalen TicPods 2, die ohne die KI-Funktionen und notwendigen Sensoren für TicHear, TicMotion und dem Dual-Mic auskommen müssen, gibt es ebenfalls auf Amazon bereits um 99 Euro.

static version load dynamic
Loading Comments
Diesen Artikel kommentieren / Antworten
Teilen Sie diesen Artikel um uns zu unterstützen. Jeder Link hilft!
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2020-03 > Zweimal Nicken bitte: TicPods 2 Pro von Mobvoi angetestet
Autor: Daniel Puschina,  5.04.2020 (Update:  5.04.2020)
Daniel Puschina
Daniel Puschina - Editor
Ich bin die Generation, die in den 90er Jahren auf einem 386er mit der 20MHz Turbotaste die ersten Computer-Erfahrungen gesammelt hat. Es war eine Gratwanderung zwischen der Leistungsgrenze meines Rechners und dem knappen Taschengeld, umso größer war aber dadurch die Motivation, das letzte Stück Leistung hier noch rauszuholen. Das Herauskitzeln eines einzelnen Kilobytes in der config.sys Datei war bei 2MB RAM absolut bestimmend über „Spiel startet“ oder „Spiel startet nicht“. Ab diesem Zeitpunkt habe ich auch damit begonnen, mich hardwareseitig immer eingehender mit Benchmarktests, Leistungsvergleiche und Tuning der Komponenten zu beschäftigen, was mich in den letzten Jahren zum Dauerbesucher der Notebookcheck-Seite machte. Es ist mir somit eine große Freude, hier nun selbst aktiv für diese Seite schreiben und testen zu können.