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Ausprobiert: Amazfit Verge Smartwatch im Test

Wer rastet, der rostet. Smartwatches erleben zurzeit einen Aufschwung. Das ist vor allem den vermehrt auf den Markt drängenden, günstigen Alternativen zur Apple Watch zu verdanken. Bereits im Bereich um 100 Euro wird man fündig und bekommt dafür jede Menge an Features geboten. Die Amazfit Verge ist so ein Kandidat den wir uns in Folge etwas näher angesehen haben.

Die Entwicklung der Smartwatches zeigt starke Parallelen zu anderen Technikbereichen. So waren erste Produkte verschiedenster Hersteller bereits in den frühen 2000er-Jahren verfügbar, in die Aufmerksamkeit einer breiten Allgemeinheit rückten die Uhren aber erst mit der Vorstellung der ersten Smartwatch von Apple im Jahr 2014. Von da an sprangen immer mehr Marken auf den Zug auf, das Produktangebot stieg rasant an, während sich gleichzeitig die Preise konsequent nach unten entwickelten. 

Hinter der Amazfit Verge steht die auf Wearables fokusierte US-Firma Huami, die wiederum mit dem aufstrebenden chinesischen Hersteller Xiaomi (sprich “Schau-Mi”) verstrickt ist. Xiaomi selbst ist im Bereich Wearables kein Unbekannter und hat sich etwa mit seinen günstigen und funktionalen Fitnesstrackern (Mi Band) bereits einen Namen gemacht. 

Mit einem UVP von 149 Euro (aktueller Marktpreis bei rund 120 Euro) ist die Amazfit Verge erheblich günstiger zu haben als die aktuelle Apple Watch Series 4 (ab rund 430 Euro), bietet dafür aber trotzdem ein prall gefülltes Featureset.

Inbetriebnahme

Mit dem mitgelieferten Ladedock wird die Uhr per Anschluss an einem USB-Port geladen. Danach lädt man die zugehörige App (auch in deutscher Sprache verfügbar) auf sein Smartphone und erstellt dort einen neuen Account, für den dann auch persönliche Informationen, wie Alter, Gewicht, Geschlecht und Größe, abgefragt werden. Nach der Verknüpfung von Handy und Uhr per Scannen eines QR-Codes vom Display der Verge, ist die Einrichtung abgeschlossen. Will man die Uhr in all seinen Funktionen nutzen, müssen auch umfangreiche Zugriffe etwa auf Kontakte, Standort, Telefon, Kamera usw. erlaubt werden. Gegebenenfalls werden im Anschluss noch verfügbare Updates installiert, danach ist die Uhr bereit zum Einsatz.

Ob man tatsächlich einem Online Tracker mit Zugriff auf gesundheitsrelevante Daten, wie etwa Bewegungsprotokolle und zugehörige Pulsmessungen, sein Vertrauen schenken will, sollte man sich in jedem Fall VOR der Anschaffung eines solchen Gadgets wohl überlegen...  

Gehäuse und Ausstattung

Entgegen der überwiegend auf Design und Style betonten Watches von Apple, Fossil und Co. setzt die Amazfit Verge auf ein schlichtes, sportliches Outfit mit einem Gehäuse aus Kunststoff und Armbändern aus Silikon. Die Bänder sollten grundsätzlich austauschbar sein, ausprobiert haben wir das allerdings nicht. Angenehm für eine Smartwatch empfanden wir die Größe der Uhr mit einem Displaydurchmesser von ca. 35 Millimetern (gesamt ca. 45 mm) und einer Dicke von rund 13 Millimetern. Mit einem Gewicht von rund 45 Gramm ist die Amazfit Verge geringfügig schwerer als die Apple-Watch (je nach verwendetem Armband), verfügt allerdings über ein kleineres und rundes Display. Zufolge des versicherten IP-68-Standards ist die Uhr staub- und wasserdicht.

Die Akkukapazität beträgt 390 mAh, womit laut Hersteller eine Laufzeit von rund 5 Tagen ermöglicht werden soll. Die tatsächliche Betriebsdauer hängt, wie so oft, von der individuellen Nutzung der Uhr ab. Lange Displayzeiten, aber insbesondere der häufige Einsatz der GPS-basierten Tracking-Funktion für einzelne Aktivitäten kann den Akku erheblich schneller leeren. Bei überwiegender Verwendung als digitale Uhr mit Notification-Anzeige sind die Herstellerangaben durchaus zu schaffen.

Das Display verfügt über eine Auflösung von 360 x 360 Pixel. Die gebotene Bildschärfe kann als ausreichend gut beschrieben werden, mit üblichen Smartphone-Displays kann der Bildschirm aber keinesfalls mithalten. Die Helligkeit des Displays reicht aus, um auch bei Sonnenschein noch etwas erkennen zu können, dennoch wird es bei direkter Sonneneinstrahlung schon mühsam für die Augen, nicht zuletzt aufgrund der auftretenden Reflexionen am Display.

Bedienung und UI

Smartphone-User, auch ohne Smartwatch-Erfahrungen, werden sich sehr schnell auf der Amazfit Verge zurechtfinden. Mittlerweile ist das Interface auf der Uhr auch in deutscher Sprache verfügbar (wurde im Laufe des Tests per Update nachgeliefert).

Neueinsteiger freuen sich über die intuitive Anzeige der Uhrzeit: Ein Dreh mit dem Handgelenk genügt, um das Display zu aktivieren und das gewählte Watchface ablesen zu können. Will man auf die weiteren Funktionen der Uhr zugreifen, bedarf es eines Drucks auf den mechanischen Home Button am Rand des Gehäuses oder, nach entsprechender Konfiguration, eines Doppeltipps auf den Bildschirm. Danach wird am Display gewischt. Ein Wisch von oben öffnet etwa die Quick Settings mit der Möglichkeit die Displayhelligkeit zu steuern oder aber das Device in den Flugmodus zu versetzen. Ein Wisch von rechts bringt den User in das App-Menü, wo zahlreiche Funktionen bereit stehen. Hier findet man unter anderem die Anwendung zur Pulsmessung, den Überblick und Details zu den jeweiligen protokollierten Aktivitäten, Zugriff auf das verbundene Smartphone, Wetter, Alarm, Timer, Stoppuhr, Kompass usw. Netter Gimmick: Man kann auch das mit der Uhr verbundene Telefon suchen, sprich der Klingelton am Phone wird über die Uhr aktiviert und hilft so bei der Suche nach dem unauffindbar abgelegten Smartphone. Es ist auch möglich, die Uhr als Freisprecheinrichtung in Verbindung mit dem Telefon zu nutzen.

Außeneinsatz bei Sonnenschein
Außeneinsatz bei Sonnenschein
Quick Settings
Quick Settings
App-Menü
App-Menü
Wetter
Wetter
Kompass
Kompass
Pulsfrequenz
Pulsfrequenz
Notifications
Notifications
Nutzung als Freisprecheinrichtung
Nutzung als Freisprecheinrichtung

Nützlicher erscheint uns allerdings die Anzeige von Notifications, etwa Whatsapp-Nachrichten oder eingegangenen Mails auf der Amazfit Verge. Dafür müssen in der App die entsprechenden Berechtigungen gesetzt werden.

Für die Sportler unter den Usern steht eine eigene Anwendung bereit, die eine jeweilig gewählte Aktivität mitprotokolliert, sprich Strecke, Distanz, ggf. Schritte und Pulsmessungen, welche dann über die zugehörige App am Telefon ausgewertet werden kann. 

Fazit

Angetestet: Amazfit Verge Smartwatch
Angetestet: Amazfit Verge Smartwatch

Die Amazfit Verge ermöglicht einen einfachen und günstigen Einstieg in das Thema Smartwatch. Für die Verwendung stehen eine Vielzahl von Apps bereit, welche davon sich als mehr oder weniger nützlich erweisen, hängt sehr von den individuellen Bedürfnissen ab. 

In unserem Test etablierte sich die Amazfit Verge, wohl aber auch zufolge der entsprechenden Verwendung durch den Autor während einer Messe, eher als nettes Gadget, denn als professionelles Tool zur Analyse von sportlichen Aktivitäten. 

Angesichts des aktuellen Straßenpreises von rund 120 Euro liegt die Hemmschwelle mit der Amazfit Verge den Einstieg in die Welt der Smartwatches zu wagen allerdings sehr niedrig. Das dafür gebotene Leistungspaket erachten wir nach unserer kurzen Testphase als stimmig.

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Autor: J. Simon Leitner, 27.03.2019 (Update: 30.03.2019)
J. Simon Leitner
J. Simon Leitner - Founder, Editorial Director - @simleitner
Nach meinem Studium an der TU-Wien widmete ich mich als Mitbegründer vollends dem Projekt Notebookcheck. Seit Commodore C64 und Atari 1040 ST sind Computer fester Bestandteil meiner täglichen Aktivitäten. Meinen Energieausgleich finde ich vor allem bei sportlichen Aktivitäten in freier Natur.