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Ausprobiert: Smartwatch Fitbit Versa 2 - Wie kann ein Fitness-Tracker ohne GPS nur so gut sein?

Auf ein Wort. Die jüngste Smartwatch von Fitbit spricht mit Alexa, und das ohne uns permanent zu belauschen – so verspricht es zumindest der Hersteller. Äußerlich nah an der Apple Watch, bleibt die hübsche Uhr im Herzen ein Fitness-Tracker. Erstaunlich nur, dass der Nachfolger der erfolgreichen ersten Versa immer noch kein eigenes GPS besitzt. Ob das Training auch ohne gut läuft, klärt unser Test.

Fitbit Versa 2

Spezifikationen Fitbit Versa 2

  • Sensoren: Dreiachsiger Beschleunigungsmesser, optischer Herzfrequenzmesser, Höhenmesser, Relativer SpO2-Sensor, Umgebungslichtsensor
  • Weitere Komponenten:Vibrationsmotor, NFC-Chip, WLAN-Antenne (802.11 b/g/n), Mikrofon, Bluetooth 4.0
  • Display: AMOLED
  • Akkutyp: Lithium-Polymer
  • Lieferumfang: Smartwatch Fitbit Versa 2, Armband in zwei Größen, Ladekabel
  • Sonstiges: wasserabweisend bis 50 m, maximale Betriebshöhe: 8.535 m, Musiksteuerung auf Android-Geräten über Bluetooth Classic, auf iOS-Geräten über Bluetooth LE
  • Preis: ab rund 199 Euro, etwa bei Amazon

Inbetriebnahme

Das mitgelieferte Ladedock mit Standard-USB-Anschluss hält die Versa 2 mit einer Klemmspange verrutschungsfrei fest. Weder für die Einrichtung noch für die Nutzung einer Versa 2 braucht man zwingend ein Smartphone: Über die Website fitbit.com bekommt man auch Desktop-Apps für Mac und Windows-PCs, hier reicht sogar ein alter XP-Rechner. Dementsprechend klappt die Verbindung auch mit Windows-10-Smartphones oder eben mit Android ab Version 7 oder einem iPhone mit mindestens iOS 11. Zum Laden größerer Datenmengen wie Updates oder Musik vom Desktop verbindet sich die Versa 2 außerdem mit dem WLAN. 

Was man dann noch braucht, ist ein Fitbit-Konto. Ohne geht es nicht. Daten wie Größe Alter und Gewicht muss man nicht angeben; aber es macht Sinn, wie bei anderen Fitness-Trackern und -Apps auch: Erst in Verbindung mit Alter, Größe und Gewicht können Analysen zu Fitness und Gesundheit erstellt werden.

Packungsinhalt
Packungsinhalt
Packungsinhalt
Packungsinhalt
Versa 2 im Ladedock
Versa 2 im Ladedock
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen
Fitbit Versa 2, verschiedene Gehäuse- und Bandoptionen

Gehäuse und Ausstattung

Eine Uhr, zwei Bandlängen – so passt die Versa 2 an jedes Handgelenk von 14 bis 25 cm Umfang. Das Gehäuse ist aus Aluminium, misst 40 x 40 x 12 mm und wiegt inklusive Band je nach Länge 41 respektive 43 g. Die flexiblen Bänder laufen leicht angeschrägt vom Gehäuse weg, wodurch sie angenehm anliegen. Bei Material und Farbe hat man bereits beim Kauf verschiedene Möglichkeiten. Für mehr Abwechslung kann man Bänder dazu kaufen oder bereits vorhandene der Vorgängerin Versa weiter nutzen. Einen IP-Standard nennt Fitbit nicht, gibt aber an, dass sie bis 50 m Tiefe wasserabweisend ist und sowohl unter der Dusche als auch im Schwimmbad getragen werden kann.

Das AMOLED-Touch-Display misst 25m² und ist auch bei Sonne lesbar. Beim Wechsel von draußen nach drinnen wird es automatisch auf eine angenehme Helligkeit gedimmt. Ist der optionale Always-On-Modus deaktiviert, schaltet man das Display wahlweise per Knopfdruck ein oder automatisch durch Anheben des Handgelenks. 

Sitz am Handgelenk
Sitz am Handgelenk
Always-On-Display draußen bei bewölktem Himmel ...
Always-On-Display draußen bei bewölktem Himmel ...
... und bei heller Sonne
... und bei heller Sonne

Bedienung und Software

Die Bedienung des Touch-Displays ist einfach: Benachrichtigungen, Statistiken und die App-Übersicht öffnen sich durch intuitive Wischgesten; Tippen öffnet Apps und Menüs, ein Knopf an der linken Seite übernimmt die Zurück-Funktion. 

Der einzige Hardware-Schalter kann außerdem eine von zwei Funktionen starten: Fitbit Pay oder Amazon Alexa. Fitbit Pay wird in Deutschland bislang erst von wenigen Banken unterstützt, die bekannteste von ihnen ist die BW-Bank. Alternativ kann man für sein vorhandenes Konto eine Fitbit Visa-Card bestellen. 

Der Aufruf von Alexa erfordert natürlich ein Amazon-Konto. Er funktioniert, ohne dass die Alexa-App auf dem Smartphone installiert ist und nur auf Knopfdruck. Damit will Fitbit gewährleisten, dass über die anschließend formulierte Anforderung hinaus kein einziges Wort nach außen dringt. Rückmeldungen kommen in stiller Form über das Display.

Im Smart-Home gab sich Alexa im Test erstmal zickig: Jede Anweisung wurde mit der Meldung quittiert, dass die Anfrage auf diesem Gerät nicht unterstützt würde – dann aber umgehend brav ausgeführt. Zudem verlangt die Versa 2 eine durchaus beherzte Ansprache – eine weniger laute weibliche Stimme muss sich da schon ins Zeug legen.

Homescreen
Homescreen
Benachrichtigungen
Benachrichtigungen
Messenger Nachricht
Messenger Nachricht
Statistiken
Apps
Apps
Trainingsauswahl: Schwimmen
Schwimmtraining, Einstellungen
Alexa

Fitness-Tracking – GPS nur übers Smartphone

Wer Sport treibt, sollte sich vor dem ersten Training ausgiebig mit der Fitbit-Connect-App beschäftigen: Hier finden sich nicht nur im Nachhinein die Protokolle und Analysen, sondern vorab zahlreiche Einstellungen wie die Auswahl von bis zu 6 Sportarten. Details wie die Bahnlänge für das Schwimmtraining können dann anschließend auf der Uhr selbst eingerichtet werden.

Dass Fitbit der Versa 2 kein ungebundenes GPS spendiert hat, ist bei allem sonstigen Komfort schon ein Wermutstropfen. Immerhin: Schon nach wenigen Läufen hatte die Versa 2 das Laufverhalten ausreichend analysiert, um die zurückgelegte Distanz auch ohne mitgeführtes Smartphone zu bestimmen: Beim Laufen ohne Smartphone vibrierten das Kilometersignal der Versa 2 und einer GPS-gestützten Apple-Watch nahezu zeitgleich.

Teilen kann man seinen Erfolg am Ende des Trainings nicht nur innerhalb der Fitbit-Community: Die Strava-App und einige mehr kann man über die Smartwatch-App herunterladen und auf die Uhr übertragen. 

Laufprotokoll auf fünf Bildschirmen mit Strecke, Herzfrequenz und anderen Informationen
Laufprotokoll auf fünf Bildschirmen mit Strecke, Herzfrequenz und anderen Informationen
Anpassbares Tagesprotokoll
Wöchentliche Zusammenfassung per E-Mail
Sechs dieser Sportarten können als Trainingstyp auf die Versa 2 übertragen werden
Optionen für ein Lauftraining
Optionale zusätzliche Apps
Alternative Ziffernblätter

Musik hören ohne Smartphone

Musik an und los. Verzichtet man auf das GPS-Tracking, kann das Smartphone beim Training in der Tasche oder zu Hause bleiben. Etwa 2,5 GB Speicher stehen nach der Einrichtung der Uhr für eigene Daten zur Verfügung. Das können z. B. Hörbücher oder Musiktitel sein, die über ein direkt mit der Versa 2 verbundenes Bluetooth-Headset ausgegeben werden. Spotify, neu im Fitbit-App-Sortiment, bleibt dabei außen vor: Die Versa 2 übernimmt zwar die Steuerung, gespielt werden die Titel aber über das Smartphone, und das auch nur im Premium-Abo. Besser läuft sich´s da augenblicklich mit Deezer: Hier braucht man zwar ebenfalls ein Abo, die Playlisten können aber direkt auf die Uhr herunter geladen werden. 

Health-Funktionen - gestärkt durch künstliche Intelligenz

Die Algorythmen, mit denen aus dem individuellen Laufverhalten die Strecke ermittelt wird, belegen, dass Artificial Intelligence, ein aktuell gern gebrauchtes Schlagwort der Smartphone-Hersteller, längst auch die Smartwatch erreicht hat. Dazu gehört auch die selbständige Trainingserkennung für bestimmte Sportarten und ab einer bestimmten Trainingsdauer. Die hat im Test auch angeschlagen. Verlässt man sich darauf, muss man vor dem Radfahren, Laufen oder Schwimmen eigentlich nicht mal mehr einen Knopf drücken, sondern kann einfach loslegen. Im Test zumindest hat das tatsächlich funktioniert.

Mit einem kommenden Update soll die Versa 2 auch das Aufwachen erleichtern: Innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters soll das Wecksignal dann während einer Leichtschlafphase erfolgen und nicht in einer Tiefschlafphase. Bereits jetzt kann man allmorgendlich ein Schlafprotokoll einsehen – vorausgesetzt, man trägt die Uhr auch nachts. Der nebenstehende Screenshot zeigt ein solches Protokoll. Dabei werden die rot gezeichneten Wachphasen nicht zwingend bewusst erlebt. REM steht für "Rapid Eye Movement" und bezeichnet Schlafphasen mit mehr oder weniger lebhaften Träumen.

Zu den Health-Funktionen der Versa 2 gehört bei Fitbit erstmals auch ein SpO2-Sensor, der potentielle Veränderungen des Sauerstoffgehaltes im Blut feststellen soll. Im Testzeitraum bot die App aber noch keine entsprechende Analyse. Schon lange kann man dagegen innerhalb der Fitbit-App auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme protokollieren. Geben und Nehmen auch hier: Man füttert die Datenbank und erfährt im Gegenzug Unterstützung bei der Selbstkontrolle. Mit einem kostenpflichtigen Service will Fitbit dieses Angebot noch erweitern und individuelle, auf die persönliche Analyse abgestimmte Hilfen anbieten, um beispielsweise den Schlaf zu verbessern.

Schlafanalyse
Schlafanalyse
Automatische Trainingserkennung
Automatische Trainingserkennung

Akku und Laufzeit

Wer sein Szenario kennt und auf das Always-On-Display zumindest temporär verzichten kann, kann das Ladedock für einen Wochenend-Tripp durchaus zu Hause lassen. Die von Fitbit angegebene maximale Laufzeit von fünf Tagen erreicht man aber allenfalls, wenn man die Versa 2 als reines Mode-Accessoir betrachtet. Im Test haben wir das Always-On-Display aktiviert, gelegentlich Alexa befragt und regelmäßig Läufe aufgezeichnet und dabei Musik von der Uhr gehört. In diesem Szenario hielt der Akku zwei Tage und zwei Nächte, in denen sie für die Schlafanalyse am Handgelenk blieb. Wer sie 24/7 trägt fährt gut damit, sie täglich während dem Duschen und vielleicht noch dem ersten Kaffee aufzuladen. Das reichte im Test vollkommen, um die seit dem Vortag verbrauchte Energie wieder nachzutanken.

Fazit - Auspacken und los geht's!

Im Test: Fitbit Versa 2
Im Test: Fitbit Versa 2

Die Fitbit Versa 2 ist eine gut verarbeitete, optisch ansprechende, und vor allem intelligente Uhr: Sie lernt aus dem Trainingsverhalten ihres Besitzers, erkennt und protokolliert Trainingseinheiten auf Wunsch völlig selbständig, und ermittelt die Distanz auch ohne GPS.

Mit der Fitbit Versa 2 kann man einfach loslaufen, ohne sich um irgendetwas kümmern zu müssen.

Dennoch bleibt der fehlende GPS-Empfänger ein Manko: Wer zu seinen Runden auch die Route aufzeichnen will, kommt bei der Versa 2 nicht ohne Smartphone aus. Immer weniger Fitnessuhren verzichten noch auf GPS, immer mehr dagegen messen den Puls inzwischen ebenfalls rund um die Uhr. Der neue SpO2-Sensor könnte der Versa 2 einen Vorteil verschaffen, doch zum Testzeitpunkt machte sich der noch nicht bemerkbar. 

Die langjährige Erfahrung des Unternehmens steckt auch in der zugehörigen App, die inzwischen so reich an Funktionen und Analysen ist, dass sie fast unübersichtlich wird. Doch das Einarbeiten lohnt sich ebenso wie ein anstrengendes Workout. Auch das Angebot an zusätzlichen Apps ist ordentlich für eine Fitnessuhr mit proprietären Betriebssystem. Je nach Interesse lässt sich der Nutzen der Fitbit-Uhr dadurch noch steigern. 

Betrachtet man das Gesamtpaket, rechtfertigt sich auch der Preis von rund 199 Euro (etwa bei Amazon), den Fitbit gegenüber dem Vorgängermodell nicht erhöht hat. Damit liegt die Versa 2 deutlich unter der Apple Watch, aber immer noch in einer höheren Preisklasse als die wachsende Konkurrenz an günstigen Uhren, die derzeit auf den Markt strömen. Die Amazfit Verge Lite beispielsweise, die wir ebenfalls gerade testen, kostet unter 100 Euro - inklusive GPS.

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Autor: Inge Schwabe, 24.09.2019 (Update: 11.10.2019)
Inge Schwabe
Anders als viele Techies fand ich nicht durch einen C64 oder dergleichen zur Technik; mich hat vielmehr der letzte Meter Kupferdraht fasziniert, über den ein Freund am anderen Ende der Leitung so glasklar zu hören war. Ich studierte Informatik und verfolgte danach über viele Jahre begeistert die Entwicklung des Telefons zum Smartphone. Aktuell werden Innovationen weniger, ihnen auf den Grund zu gehen aber bleibt spannend und interessant.