China will Roboterhunde auf dem Mond Eis abbauen und Unterkünfte errichten lassen

Chinesische Ingenieure haben vorgeschlagen, Roboterhunde dauerhaft auf künftigen Mondbasen zu stationieren. Dort könnten die Maschinen Astronauten bei der Erkundung der Oberfläche, der Gewinnung von Ressourcen und dem Bau von Schutzunterkünften unterstützen sowie während langer Phasen der Isolation als Begleiter dienen.
Das Konzept stammt aus einer neuen Studie von Forschern der China Academy of Space Technology und deren Pekinger Abteilung für Raumfahrtsystemtechnik, die in der Fachzeitschrift Chinese Space Science and Technology veröffentlicht worden ist. Anders als viele frühere Vorschläge zum Einsatz von Robotern auf dem Mond betrachten die Wissenschaftler die Maschinen nicht nur als Werkzeuge für körperliche Arbeiten. Sie sollen auch mit Astronauten kommunizieren und dazu beitragen können, die psychische Belastung durch eine lange Isolation zu verringern.
Nach Einschätzung der Forscher machen die geringe Schwerkraft, die intensive Strahlung, extreme Temperaturschwankungen, der abrasive Mondstaub und die Verzögerungen bei der Kommunikation mit der Erde langfristige Missionen, die ausschließlich von Menschen bewältigt werden, besonders schwierig und riskant. Daher sollen sich Astronauten und autonome Maschinen die Aufgaben teilen: Menschen würden komplexe Entscheidungen, präzise Arbeiten und unerwartete Probleme übernehmen, während Roboter schwere, repetitive und gefährliche Tätigkeiten erledigen.
Ein vorgeschlagenes Szenario sieht eine Expedition vor, bei der drei Astronauten von zwei Roboterhunden begleitet werden. Ein Besatzungsmitglied würde die vierbeinigen Maschinen steuern, die vor der Gruppe das Gelände erkunden und mögliche Gefahrenstellen identifizieren. Ein zweiter Astronaut würde direkt auf der Mondoberfläche Gesteinsproben sammeln und präzise Arbeiten ausführen. Der dritte bliebe in einem mobilen Druckmodul, um die Expedition zu koordinieren und bei Bedarf weitere Roboter zu übernehmen.
Vierbeinige Plattformen gelten als besonders geeignet für schwieriges Mondterrain, da sie Felsen, Geländestufen sowie unebenen oder lockeren Untergrund überwinden können.
Die Aufgaben der Roboter würden weit über die Erkundung hinausgehen. Die Forscher unterteilen den Betrieb einer künftigen Mondstation in vier Bereiche: die Versorgung der Besatzung im Alltag, wissenschaftliche Experimente, die Nutzung lokaler Ressourcen und die Instandhaltung der Infrastruktur.
Maschinen könnten Wassereis aufspüren und fördern, mineralische Rohstoffe verarbeiten, Bauwerke aus vor Ort verfügbaren Materialien errichten und Lavaröhren auf dem Mond als natürlich geschützte Lebensräume vorbereiten. In den Wohnbereichen könnten Roboter Luftqualität und Temperatur überwachen, Geräte kontrollieren, Räume reinigen, Pflanzen pflegen und sogar Mahlzeiten zubereiten.
Die Forscher sehen für die Maschinen außerdem eine soziale Funktion vor. Roboter könnten sich mit den Besatzungsmitgliedern unterhalten und ihnen ein gewisses Maß an emotionaler Unterstützung bieten, um die psychische Belastung durch die lange Isolation fernab der Erde zu mindern.
Zur Koordination dieser gemischten Belegschaft aus Menschen und Robotern schlagen die Forscher eine vierstufige Architektur vor, die Umgebungswahrnehmung, Entscheidungsfindung, Handlungsplanung und direkte Ausführung umfasst. Zugleich soll das System vier Stufen menschlicher Beteiligung ermöglichen, von der direkten Steuerung bis hin zu einem weitgehend autonomen Betrieb, bei dem ein Roboter nur in Ausnahmesituationen einen Menschen kontaktiert.
Das Konzept ist Teil des umfassenderen chinesischen Programms für die Internationale Mondforschungsstation (ILRS). Nach den veröffentlichten Plänen soll bis 2035 eine erste Station nahe dem Südpol des Mondes entstehen. In einer weiteren Phase bis 2045 ist eine deutlich größere Mondinfrastruktur vorgesehen, deren Zentrum eine Raumstation im Mondorbit bilden soll.
Quelle(n)
Chinese Space Science and Technology via SCMP










