Claude: Auch ältere Modelle markieren deine Texte jetzt unsichtbar

Wer mit Claude schreibt, bekommt einen Text mit eingebauter Herkunftsangabe zurück. Seit dem 2. August tragen alle neu erschienenen Claude-Modelle ein unsichtbares Wasserzeichen, nun zieht Anthropic die älteren nach. Seit dem 3. November markieren laut einer E-Mail an API-Kunden, über die The Decoder berichtet, auch Claude Mythos 5, Opus 4.7 und Sonnet 4.6 ihre Antworten. In der Modelltabelle auf Anthropics Hilfeseite stehen alle drei bereits als markiert. Opus 4.6 war ebenfalls für den 3. November vorgesehen, Anthropic hat es ohne Begründung auf den 16. November verschoben. Am selben Tag folgen Opus 4.5, Sonnet 4.5 und Haiku 4.5. Bei Amazon Bedrock dauert die Umstellung ein paar Tage länger.
Die EU-Kennzeichnungspflicht steckt dahinter
Anlass ist der EU AI Act. Anthropic hat den Verhaltenskodex zu Artikel 50 unterschrieben, der maschinenlesbare Markierungen für KI-Inhalte verlangt, und begründet das Nachrüsten laut The Decoder mit einer Frist im Dezember. Für dich als Nutzer hatten wir die Kennzeichnungspflicht der KI-Verordnung schon im August eingeordnet. Die Markierung gilt weltweit und in jedem Produkt, also in der Claude-App, in Claude Code, in Cowork und über die API. Weil sie im Modell selbst entsteht, steckt sie auch in Texten, die über AWS, Google Cloud oder Microsoft Foundry erzeugt werden. Abschalten können Kunden sie laut The Decoder nicht.
Was das Wasserzeichen über dich verrät
Technisch verschiebt Claude die Wortwahl minimal und erzeugt so ein statistisches Muster, das man beim Lesen nicht bemerkt. Laut The Decoder nutzt Anthropic dafür eine Abwandlung von Googles SynthID, das auch in Apples KI-Bildern unter iOS 27.2 steckt. Persönliche Daten trägt das Muster nicht. In der E-Mail an API-Kunden schreibt Anthropic, es enthalte keine Informationen über dich, deine Organisation oder deine Unterhaltungen. Das Muster wandert mit, wenn du den Text kopierst, und kann laut Hilfeseite manche Überarbeitung überstehen. Stark umgeschriebene, übersetzte oder sehr kurze Passagen tragen oft kein erkennbares Signal mehr.
Prüfen kann das Wasserzeichen bisher kaum jemand. Die Erkennung läuft als geschlossene Vorschau für Behörden, Medien, Faktenchecker, Forschung, Bildungseinrichtungen und Unternehmen mit eigenen Pflichten aus dem Gesetz, Zugang gibt es per Antrag. Für Dateien wie PNG oder JPEG nutzt Claude zusätzlich Content Credentials nach dem Standard C2PA, die jeder mit dem kostenlosen Claude Content Checker auslesen kann. Ein Treffer beweist laut Anthropic übrigens keine Autorschaft. Wer Claude nur zum Korrekturlesen oder Übersetzen nutzt, bekommt ebenfalls markierten Text zurück.
Eine Lücke betrifft vor allem Entwickler
Bei Sonnet 4.6 und Opus 4.6 greift die Markierung nur, wenn die Parameter temperature, top_p und top_k auf ihren Standardwerten stehen. Laut The Decoder gilt dieselbe Einschränkung für alle vier Modelle der zweiten Welle. Wer über die API einen dieser Werte ändert, erzeugt also Text, der nicht zuverlässig erkannt wird. In der Claude-App lassen sich diese Werte nicht verstellen. OpenAI geht einen anderen Weg. Dessen Wasserzeichen ist laut The Decoder seit Oktober nur für Nutzer von ChatGPT und Codex in der EU ab Werk aktiv, API-Kunden schalten es selbst ein.





