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Kurztest | Die Realme Buds Air Pro bieten ANC und einige Probleme zum Spitzenpreis

Dei Realme Buds Air Pro bieten viele spannende Features zum fairen Preis, der Klang kann aber nicht immer überzeugen. (Bild: Notebookcheck)
Dei Realme Buds Air Pro bieten viele spannende Features zum fairen Preis, der Klang kann aber nicht immer überzeugen. (Bild: Notebookcheck)
Bei den Realme Buds Air Pro handelt es sich um spannende, komplett drahtlose Ohrhörer, denn trotz des Preises von unter 100 Euro bieten die In-Ears eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC), zusammen mit einer Vielzahl praktischer Features. Unser Test zeigt, ob neben dem Preis auch die Qualität überzeugen kann.
Hannes Brecher,

Viele Features zum fairen Preis

Die Realme Buds Air Pro kosten rund 90 Euro – ein echter Kampfpreis im Hinblick darauf, dass sogar eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) geboten wird, die Umgebungsgeräusche um beachtliche 35 dB reduzieren soll. Auch der Rest der Ausstattung kann sich sehen lassen, denn Realme verspricht eine Akkulaufzeit von fünf Stunden, die Hülle kann die Ohrhörer viermal komplett aufladen, geladen wird über USB-C.

Dazu bieten die Ohrhörer Bluetooth 5.0, allerdings ohne Unterstützung für LDAC oder aptX. Eine IPX4-Zertifizierung attestiert einen gewissen Schutz gegen Spritzwasser, Schweiß und Regen, die Latenz soll bei gerade einmal 94 ms liegen. Über die Realme Link App lassen sich viele Einstellungen anpassen. Die Verarbeitung ist sauber, die Ohrhörer liegen allerdings etwas wackelig in der Ladehülle, das Scharnier der Hülle ist ebenfalls nicht sonderlich robust – dadurch ergibt sich insgesamt ein etwas weniger hochwertiger Eindruck als etwa bei den Apple AirPods.

Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert, ist aber nicht marktführend

Die Realme Buds Air Pro bieten eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) – ein Feature, das in der Preisklasse unter 100 Euro nach wie vor eine Seltenheit ist. Der Hersteller verspricht, dass Umgebungsgeräusche um beachtliche 35 dB gedämpft werden sollen. 

Im Test zeigt sich, dass die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert – Umgebungsgeräusche werden deutlich gedämpft, sodass etwa beim Sitzen im Auto oder im Zug eine geringere Wiedergabelautstärke ausreicht, um anständig Musik hören zu können. Ein Vergleich mit teureren Modellen wie den AirPods Pro zeigt, dass dennoch Opfer gebracht werden mussten, um den Preis zu erzielen.

Wie bei fast allen Modellen funktioniert die aktive Geräuschunterdrückung bei tiefen Geräuschen besser, allerdings können die Buds Air Pro nur besonders tiefe Geräusche ausblenden, während die AirPods Pro auch vergleichsweise deutlich höhere Frequenzen dämpfen können. Effektiv sind Verkehrsgeräusche damit deutlich lauter zu hören – die versprochenen "bis zu 35 dB" mögen zwar erreicht werden, aber eben nur über einen recht kleinen Frequenzbereich.

Berührt man einen Ohrhörer für etwa zwei Sekunden mit einem Finger, so wird zwischen der Geräuschunterdrückung und dem Transparenzmodus gewechselt, der Umgebungsgeräusche verstärkt, um sich beispielsweise unterhalten zu können oder auch um eine Straße überqueren zu können, ohne die Ohrhörer herausnehmen zu müssen. Das klappt wie versprochen, wenn auch nicht mit derselben Klarheit, die man von teureren Modellen erwarten würde.

Klang: Hi-Fi zum Hammerpreis?

Die Realme Buds Air Pro können auf dem Papier definitiv mit einem ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen, doch wie sieht es beim Klang aus? Nach dem Anhören von hunderten Songs über rund zwei Wochen und diverse Vergleiche mit anderen drahtlosen Ohrhörern, inklusive den beliebten Apple AirPods Pro, ist klar: Hi-Fi geht anders. Die Buds Air Pro bieten eine ordentliche Lautstärke, eine breite Klangbühne und einen durchaus detailreichen und dennoch nicht zu hellen Klang. Allerdings gibt es massive Schwächen in einigen Disziplinen, die in den folgenden Songs besonders klar werden.

Die Stimme in Agnes Obels "Fuel to Fire" wird sauber und detailreich wiedergegeben, an den Höhen gibt es nichts zu beanstanden. Aktiviert man allerdings die aktive Geräuschunterdrückung, so haben die Realme Buds Air Pro massive Probleme damit, zeitgleich mit der kräftigen Stimme der Sängerin die tiefen Bässe wiederzugeben, die etwa ab Minute 03:50 gespielt werden. Statt dem gewohnten Klang der Bassgitarre ertönt lediglich ein blechernes Scheppern, welches dem Hörvergnügen einen gewaltigen Dämpfer verpasst.

Realme spricht von einem "10 mm Bass Boost Treiber", also vielleicht eignen sich die Buds Air Pro besser für Kompositionen mit weniger anspruchsvollen Höhen? Bei Kodalines neuestem Album "One Day at a Time" können die Ohrhörer mit einer breiten Klangbühne und einer klaren Wiedergabe der Stimme von Steve Garrigan überzeugen, und auch wenn einzelne Sequenzen etwas blechern klingen liefern die Buds Air Pro größtenteils ein recht ausgewogenes Klangbild.

Die Wiedergabe von tieferen Bässen lässt bei aktiver Geräuschunterdrückung leider zu wünschen übrig, wie "bad guy" von Billie Eilish erschreckend klar macht. Der Beat des Songs wird nicht wie gewohnt präzise und sauber wiedergegeben, sondern mit einem Rauschen, das es fast unmöglich macht, den Song anzuhören, ohne sich zu wünschen, andere Ohrhörer zu nutzen. Deaktiviert man allerdings ANC, so verbessert sich der Klang deutlich.

Bei den genannten Titeln handelt es sich um Extremfälle, viele Alben werden einwandfrei wiedergegeben. In diesen Fällen geht der Sound durchaus in Ordnung für komplett drahtlose Ohrhörer in dieser Preisklasse. Gerade mit aktivem ANC gibt es aber massive Probleme bei der Wiedergabe einiger Songs.

Fazit: Günstige Ohrhörer mit guter Ausstattung und Sound-Problemen

Die Realme Buds Air Pro bieten eine spannende Ausstattung, großteils funktionieren die Ohrhörer wie beworben. Die Bedienung über die berührungsempfindliche Oberfläche ist praktisch und reaktionsschnell, die Akkulaufzeit ist vielen teureren Konkurrenten ebenbürtig.

Der Transparenzmodus funktioniert gut genug, auch wenn die Umgebungsgeräusche nicht ganz so klar wiedergegeben werden wie bei vielen teureren Konkurrenten. Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert – allerdings werden nur sehr tiefe Geräusche effektiv ausgeblendet, insgesamt ergibt sich so eine nur mäßig effektive Geräuschunterdrückung.

Das wohl größte Problem aber ist der Klang: Während mit deaktivierter Geräuschunterdrückung eine detailreiche, teilweise etwas blecherne Wiedergabe mit großer Klangbühne möglich ist, so werden Bässe bei aktivem ANC deutlich verzerrt, sodass viele Alben schlicht nicht akzeptabel klingen. 

Für Ohrhörer, die vor allem eine aktive Geräuschunterdrückung zum Spitzenpreis bieten wollen, ist dieses Manko ein echtes K.O.-Kriterium, sodass die Realme Buds Air Pro nur schwer zu empfehlen sind. Die Realme Buds Air Pro sind über die Webseite des Herstellers für 89,99 Euro erhältlich.

Disclaimer: Die getesteten Realme Buds Air Pro wurden uns von Realme kostenlos zur Verfügung gestellt, daran waren aber keinerlei Bedingungen geknüpft, die Resultate des Tests wurden davon nicht beeinflusst.

Quelle(n)

Eigene

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Autor: Hannes Brecher, 20.12.2020 (Update: 20.12.2020)
Hannes Brecher
Hannes Brecher - News Editor - @HannesBrecher - 4909 Artikel auf Notebookcheck veröffentlicht seit 2018
Seit ich als Kind einen Game Boy Color mit Pokemon Rot geschenkt bekam, war ich fasziniert davon, wie man ganze Welten mithilfe von so einfachen Grafiken und Texten erschaffen kann. Das hat nicht nur mein Interesse an Hard- und Software geweckt, sondern auch meine Leidenschaft für Design und für’s Schreiben, die ich nun als Grafikdesigner und Redakteur ausleben darf.