Diesel-ICE-L startet erst mal mit zwei statt vier Verbindungen nach Sylt

Seit dem 1. Mai fährt die Deutsche Bahn planmäßig mit einem per Diesellok gezogenen ICE L nach Sylt. Zwar gab es seit einigen Wochen schon einen ICE-L-Sylt-Vorlaufbetrieb mit Fahrgästen, doch das war eher als Testbetrieb statt als großer Start geplant.
Der fand jetzt stattdessen am 1. Mai statt, wenn auch nicht in dem Umfang wie angekündigt. Die Deutsche Bahn versprach nämlich bis zu vier tägliche Verbindungen ab dem 1. Mai nach Sylt. Die Züge sollten aus Hamburg, NRW, Frankfurt (M) und Berlin kommen. Im Gegenzug sollten die Kurswagen verschwinden, weil die ICE L im regulären Betrieb nicht geteilt werden können. Nur die Lok kann getauscht werden. Deswegen kann eine Hybrid-Lok (Siemens Vectron Dual Mode), die sowohl per Oberleitung als auch per Dieselgenerator mit Strom versorgt wird, den Zug über die Marschbahn ziehen.
Aktuell sind es aber nur zwei Verbindungen gen Sylt, die so betrieben werden: der ICE 2374, der bereits als Vorläufer unterwegs war, und neu der ICE 2310. Beide starten jedoch in Hamburg. Es gibt also keine Direktverbindungen zu anderen Regionen. Berlin ist derzeit nicht möglich, da die Deutsche Bahn sich bei der Generalsanierung der Hamburger Bahn darauf verlassen hat, dass kein winterliches Wetter die Bauarbeiten verzögert. Zwar war der Winter trotzdem recht milde, es kommt aber trotzdem zu wochenlangen Verzögerungen bis Mitte Juni.
In der aktuellen Powerpoint-Netzspinne der Deutschen Bahn (PDF) sind die Verbindungen noch nicht eingezeichnet. Die schwer lesbare Netzspinne nimmt es mit den Verbindungen allerdings ohnehin nicht sehr genau und beinhaltet viele inhaltliche Fehler. Alternativ gibt es eine spezielle ICE-L-Netzspinne (PDF). Demnach sollen die noch fehlenden ICE-L-Verbindungen im Juli starten.
ICE L als Meilenstein
Technisch ist der ICE L nach Sylt ein wichtiger Meilenstein für die Deutsche Bahn. Erstmals seit dem Ende des mit Diesel betriebenen ICE TD kann die Deutsche Bahn Leistungen in der höchsten Komfort- und Preiskategorie ohne Oberleitungen anbieten. Allerdings musste die Geschwindigkeit von 200 km/h auf 160 km/h gesenkt werden. Im Unterschied zum regulären ICE L, der aktuell in der Spitze 200 km/h fahren kann, ist die Dieselvariante kein Hochgeschwindigkeitszug mehr. Wobei sich die Definitionen von Land zu Land unterscheiden. Technisch braucht die von einer Diesellok gezogene ICE-L-Garnitur aber beispielsweise nicht das Linienzugbeeinflussungsystem (LZB) das oberhalb von 160 km/h verwendet wird.
Dank der neuen Lok-Waggon-Kombination könnte die Deutsche Bahn in Zukunft auch flexibler agieren. Im Zuge der Generalsanierungen werden nämlich vor allem elektrifizierte Strecken gesperrt. Der ICE L könnte technisch Umleiterverkehre übernehmen, ähnlich wie das im Güterverkehr gehandhabt wird. Im Zuge der Sanierungen müssten also nicht mehr so viele Züge und Verbindungen gestrichen werden. Ob die Deutsche Bahn diese neue Möglichkeit auch nutzt, ist aber offen. Konkrete Ankündigungen gibt es noch nicht.
Der ICE L ist außerdem in Deutschland für einen niedrigen Einstieg bekannt. Da der Zug keine hohen Drehgestelle hat, sondern einzelne Radaufhängungen, müssen Fahrgäste keine Stufen oder Rampen im Zug überwinden. Ein Waggon (PRM) hat außerdem eine ausfahrbare Spaltüberbrückung, da die Waggons recht weit weg vom Bahnsteig weg sind. Bei den restlichen Waggons hat die Deutsche Bahn auf eine derartige Lösung aber verzichtet. Trotzdem vereinfacht das den Zustieg, insbesondere mit Gepäck. Man muss nur ein wenig aufpassen.
Quelle(n)
DB-Fahrplandaten





