Der erste Diesel-ICE-L ist mit bis zu 160 km/h nach Sylt unterwegs

Der ICE L mit Dieselantrieb ist unterwegs. Am 19. April 2026 fuhr der Zug als ICE 2374 erstmals mit Fahrgästen von Hamburg nach Sylt, wie unter anderem aus einigen Social-Media-Postings sowie aus dem Wagenreihungsplan von vagonweb.cz hervorgeht. Der zeigt auch den zukünftigen Einsatz. Erstmal fährt der ICE L nämlich nur zwischen Hamburg und Sylt. Ab Juli ist dann der Einsatz ab Frankfurt am Main vorgesehen. Interessanterweise soll die Lok dann in Itzehoe gewechselt werden.
Zwischen Frankfurt und Itzehoe ist dann eine rein elektrische Siemens Vectron der Baureihe 193 vorgesehen, um in Itzehoe durch eine Baureihe 248, der Vectron Dual Mode mit Stromabnehmer und Dieselgenerator, ausgetauscht zu werden. Dafür ist in Itzehoe ein Aufenthalt von 17 Minuten vorgesehen.
Es bleibt aber abzuwarten, ob dies in der Praxis tatsächlich so gehandhabt wird. Wir können aktuell nicht nachvollziehen, ob bereits zur Premiere die Lok unterwegs getauscht wurde. Eventuell macht man das bereits, um erstmal zu üben.
Sinnvoll wäre der Einsatz einer anderen Lok südlich von Hamburg auf jeden Fall, denn dort ist mehr als 160 km/h möglich. Das ist das Maximum der Vectron Dual Mode. Die reguläre Vectron im ICE-L-Verbund schafft 200 km/h. Der ICE L selbst wird, wenn die passende spanische Lok von Talgo der Baureihe 105 zugelassen wird, 230 km/h in der Spitze fahren. Diesbezüglich kommuniziert die Bahn allerdings kaum. Sie vermeidet es, tatsächliche Geschwindigkeiten zu nennen, und beantwortete in der Vergangenheit dazu auch keine Fragen.
Bezüglich des Starts des ICE L nach Sylt gab es nach unserem Wissen zudem keine Pressemitteilung. Das ist durchaus interessant, denn seit dem aufgegebenen ICE TD gab es planmäßig keine ICE mit Dieselantrieb mehr. Der 19. April war also eine wichtige technische Premiere für die Deutsche Bahn.
Die ICE-L-Strecke nach Sylt
Der ICE L nach Sylt fährt nicht als Hochgeschwindigkeitszug, sondern eher als langsamer Intercity. Bis Elmshorn kann der ICE L unter Fahrdraht immerhin noch mit 160 km/h fahren. Danach muss er laut Openrailwaymap etwas langsamer fahren und kommt mit Tempo 120 noch nach Itzehoe. Dort könnte dann die große Neuerung zum Einsatz kommen. Die Vectron Dual Mode von Siemens zieht ihren Stromabnehmer ein und wirft den Dieselgenerator an, um Strom zu erzeugen. Ein zeitaufwendiger Loktausch könnte entfallen, auch wenn der Fahrplan diesen derzeit anscheinend noch vorsieht.
An der Spitzengeschwindigkeit ändert sich nichts, aber die Leistung reduziert sich etwas. Am Rad sind dann nur noch 2.000 statt 2.400 kW möglich. Der restliche Laufweg des ICE L wird überwiegend mit 140 km/h gefahren. Das letzte Stück über den berühmten Hindenburgdamm geht es dann mit Tempo 100 weiter.
Formal fährt der dieselelektrische ICE L übrigens mit Ökostrom, da er dem Fernverkehr zugeordnet wird. Das geschieht aber durch Umherschieben von Zahlen, wie der Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks 2021 schon dargelegt hat. Dass die Abgase des Dieselgenerators nicht gerade gesund sind, sollte einleuchten, auch wenn mathematisch aus dem Auspuff nur saubere Luft kommt.
In Zukunft wäre durchaus ein sauberer Betrieb möglich. Siemens hat kürzlich eine Dual-Mode-Vectron mit großem 2-MWh-Akku angekündigt, statt des Dieselgenerators. Bis die Lok zum Einsatz kommt, dauert es aber noch etwas und bisher ist nur eine Bestellung des Leasinggebers Akiem bekannt.
Alles Weitere zum ICE L mit Dieselantrieb findet sich in unserem Hintergrundartikel: DB: Die Rückkehr des Diesel-ICE – mit 160 km/h.

Quelle(n)
Eigene Recherchen










