Der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland erreicht neue Höchststände, doch die fiskalischen Folgen dieser Transformation werden nun deutlich sichtbar. Laut der EY-Studie „Kosten der Elektrifizierung“ (zur Studie) führt der Erfolg der Stromer zu einem „stillen Preis“ für den Fiskus. Das System der staatlichen Förderung und steuerlichen Privilegierung steht vor einer Zerreißprobe, da die Gegenfinanzierung durch schrumpfende Einnahmen aus fossilen Brennstoffen zunehmend wegbricht.
Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:
- Bis 2030 belasten Steuer- und Einnahmeausfälle den Staat mit über 39 Milliarden Euro.
- Die Einnahmen aus Benzin- und Dieselsteuern sinken bis 2030 voraussichtlich um 30 Milliarden Euro.
- Die privilegierte Versteuerung von E-Dienstwagen kostet den Fiskus rund 11 Milliarden Euro.
- Im Jahr 2025 erreichte der Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen bereits rund 19 Prozent.
Steuerprivilegien befeuern den Absatz
Ein wesentlicher Treiber für den aktuellen Boom ist laut Ernst & Young das Geflecht aus indirekten Subventionen. Vor allem die reduzierte Dienstwagenbesteuerung (0,25 Prozent beziehungsweise 0,5 Prozent-Regelung statt der 1-Prozent-Regelung) sorgt für hohe Zulassungszahlen im Flottenmarkt. Allein im Jahr 2025 summierten sich die Mindereinnahmen aus dieser Regelung auf etwa 0,8 Milliarden Euro – ein Betrag, der bis 2030 auf jährlich 3,2 Milliarden Euro ansteigen soll.
Die Bilanz im Detail:
- Energiesteuer-Verlust: -30 Mrd. Euro (kumuliert bis 2030)
- Dienstwagen-Privileg: -11 Mrd. Euro (kumuliert bis 2030)
- Kfz-Steuerbefreiung: Zusätzliche Belastung in Milliardenhöhe
Die Erosion der Infrastrukturfinanzierung
Das klassische Modell der Straßenfinanzierung basierte jahrzehntelang auf der Kopplung von Fahrleistung und Kraftstoffverbrauch über die Energiesteuer. Mit dem Umstieg auf den elektrischen Antrieb entfällt dieses Instrument fast vollständig, da Ladestrom deutlich geringer besteuert wird als fossile Kraftstoffe. Da der Bestand an E-Autos jährlich um rund 600.000 Fahrzeuge wächst, entsteht eine dauerhafte Finanzierungslücke, für die bisher kein adäquater Ersatz im Steuersystem verankert ist.
Die EY-Prognose verdeutlicht, dass der E-Auto-Boom ohne die massiven staatlichen Eingriffe derzeit kaum tragfähig wäre. Während die Automobilindustrie die Elektrifizierung als Erfolg feiert, steht die Politik vor der Herausforderung, die entstehenden Milliardenlöcher zu stopfen. Ohne eine grundlegende Reform der Verkehrsfinanzierung droht der „stille Preis“ der Mobilitätswende zu einer dauerhaften Belastung für den Bundeshaushalt zu werden.











