
Flashforge Creator 5 Pro im Test: Für wen lohnt sich der Toolchanger?
Vierköpfig.
Der Flashforge Creator 5 Pro verspricht dank vier modularer Druckköpfe schnelle und präzise Mehrfarben- sowie Multi-Material-Drucke. Unser Test zeigt, wie gut der Toolchanger druckt, wo seine Grenzen liegen und für wen sich der 3D-Drucker lohnt.Silvio Werner Veröffentlicht am
Der Creator 5 Pro ist für Mehrfarben-Freunde eine gute Wahl
Der Flashforge Creator 5 Pro ist ein sehr guter Drucker - insbesondere, aber nicht nur für die Anfertigung anspruchsvoller 3D-Drucke mit mehreren Farben oder Filamenten. Die vier modularen Druckköpfe machen je nach konkretem Modell bestimmte Drucke überhaupt erst sinnvoll möglich. Konzeptionell sorgt die Nutzung von vier Druckköpfen für signifikante Vorteile und kurze Wege, ohne zusätzliche Mechanik durch ein externes Filamentzuführungssystem. Gleichwohl sind Nutzer auf maximal vier Filamente beschränkt. Zudem gibt es noch keine offizielle Lösung zur Filamenttrocknung - nahezu beliebige Filamenttrockner von Drittanbietern lassen sich jedoch problemlos nutzen.
Die Druckqualität ist auch bei der Nutzung mehrerer Druckdüsen sehr gut, sowohl bei größeren Drucken als auch bei Projekten, bei denen es auf Details ankommt. Vor dem Kauf sollten Nutzer aber gut abwägen, ob es denn wirklich ein Toolchanger sein muss – beim Creator 5 Pro handelt es sich um ein spezialisiertes System. Beispielsweise dürfte der Bambu Lab X2D mit zwei nicht gleichwertigen Druckdüsen für viele Privatnutzer ebenfalls eine starke Option darstellen. Am Creator 5 Pro selbst gibt es nur wenige echte Schwächen: Die lange Startprozedur ist ebenso verschmerzbar wie das manuelle Filamenthandling oder das Fehlen einer herstellereigenen Trocknungslösung. Dass der Drucker in den Druckraum spült, ist eher ambivalent zu bewerten. Eine mögliche Alternative wäre der Snapmaker U1, welcher aber schon ohne Abdeckung und damit offenem Bauraum preisintensiver ist.
Pro
Contra
Preis und Verfügbarkeit
Der Flashforge Creator 5 Pro ist sowohl beim Hersteller als auch bei Dritthändlern erhältlich. Aufgerufen wird derzeit ein Preis von 829 Euro. Die Basisversion ist auch etwa über Amazon erhältlich.
Der Flashforge Creator 5 Pro ist ein geschlossener 3D-Drucker mit einem Werkzeugkopf, in welchem einer von vier Druckköpfen eingespannt wird.
Spezifikationen
| Flashforge Creator 5 Pro | 3D-Drucker |
| Technologie | FDM |
| Bauvolumen | 256 x 256 x 256 mm |
| Größe | 520 x 443 x 710 mm |
| Aufstellfläche | 600 x 700 x 800 mm, unsere Empfehlung (passt auf eine 500 x 500 Platte) |
| Gewicht | 18 Kilogramm |
| Bewegungssystem | CoreXY |
| Extruder | Direct Drive |
| Genutztes Druckbett | magnetische, flexible Textured PEI Plate |
| Temperaturen | Druckdüse 320°C, Heizbett 120°C, Bauraum 60°C |
| Anschlüsse | WiFi, USB (Herstellerangabe) |
| Steuerung | Touch-Bildschirm, Desktop- und Smartphone-App |
| Besonderheiten | Tool-Changer mit vier Druckköpfen |
Wer braucht einen Toolchanger?
Der Flashforge Creator 5 Pro ist ein 3D-Drucker mit einem Werkzeugkopf und vier modularen Druckköpfen. Bevor wir über das Gerät selbst sprechen, ist es wichtig, dieses und Alternativen wie den Snapmaker U1 in der Welt des 3D-Drucks einzuordnen – das ist für die Kaufentscheidung nämlich sehr relevant. Faktisch arbeitet man hier bereits einen Entscheidungsbaum ab. Der Flashforge Creator 5 Pro ist ein zum Multi-Filament-Druck fähiger 3D-Drucker. Das bedeutet, dass sich ohne manuelle Eingriffe mit mehreren Farben oder Filamentarten drucken lässt. Der Creator 5 Pro nutzt dabei vier Druckköpfe, in denen jeweils ein Filament installiert wird. Das Filament muss händisch geladen werden. Durch die vier Druckköpfe lässt sich in einem Druckdurchgang aber mit vier Filamenten arbeiten.
Andere Drucker gehen einen anderen Weg: Hier wird das Filament für eine (oder mehrere) Düsen während des Drucks über ein Zuführungssystem samt Filamentschneider gewechselt. Ein entsprechendes Filamentzuführungssystem vorausgesetzt, lässt sich mit Druckern mit nur einer Druckdüse so auch mit einer zweistelligen Anzahl an Filamenten arbeiten. Das bedeutet: Wer mehr als vier Filamente in einem Druck verarbeiten will, wird mit dem Creator 5 Pro zumindest aktuell nicht glücklich. Gleichwohl handelt es sich dabei eher um Ausnahmefälle. Dass vier einzelne Druckdüsen zum Einsatz kommen, bietet jedoch massive Vorteile. So entfällt das zeit- und materialintensive Durchspülen der Düse beim Farbwechsel komplett – geprimt werden muss vor dem Einsatz eines Kopfes prinzipbedingt aber weiterhin (auf das Thema Priming und Abfall kommen wir später noch zu sprechen). Für den Farbwechsel muss der Werkzeugkopf lediglich einen anderen Druckkopf aufnehmen.
Konzeptionell gibt es einen weiteren Vorteil: Es handelt sich beim Flashforge Creator 5 Pro um einen 3D-Drucker „der kurzen" und „direkten Wege". Das Filament wird direkt von der Rolle durch den Extruder gezogen und geht nicht erst durch die Zahnräder eines externen Multi-Material-Systems. Das sorgt für weniger potenzielle Fehlerquellen, wenngleich wir die Filamentzuführungssysteme des Bambu Lab X2D, des Creality K2 Combo und des Bambu Lab A2L in der Praxis ebenfalls als sehr zuverlässig erlebt haben. Beim Flashforge Creator 5 Pro ergibt sich zudem je nach Position des Druckkopfes – und immer in der Aufbewahrungsposition – ein geringer Krümmungsradius des Filaments. Zu Problemen führte das im Test jedoch nicht. Ebenfalls in die Kategorie Spezialanwendung fällt ein weiterer Vorteil, etwa im Vergleich zum Bambu Lab X2D: Alle vier Druckköpfe sind identisch aufgebaut, was beim Multi-Filament-Druck mit flexiblen Materialien wie TPU Vorteile bieten kann.
Aufbau und Hardware
Geliefert wird der Flashforge Creator 5 Pro in einem einzelnen Paket. Als geschlossener 3D-Drucker ist eine Montage im eigentlichen Sinne nicht nötig. Zu montieren ist gleichwohl das Modul, welches bereits alle vier Druckköpfe enthält. Anzubringen sind zudem die vier Filamenthalter und der Bildschirm, Transportsicherungen müssen entfernt werden. Zusammengebaut werden muss noch das Top-Cover, welches aus Kunststoff besteht. Der Zusammenbau funktioniert einfach. An die Installation schließen sich wie üblich Kalibrierungen an; ich habe den Flashforge Creator 5 Pro über Wi-Fi angebunden. Mit 73 Zentimetern fällt der Flashforge Creator 5 Pro recht hoch aus, was vor allem durch die gekrümmten PTFE-Schläuche bedingt ist. Die obere Abdeckung lässt sich einfach abnehmen, wodurch der Bauraum nicht nur von vorne, sondern auch von oben sehr gut zugänglich ist. In der Breite sollten – damit Filamentspulen bequem aufgehängt werden können – mindestens 60 Zentimeter bereitstehen, in der Tiefe rund 70 Zentimeter.
Bei der Hardware selbst gibt es keine Kritikpunkte: Die Verarbeitungsqualität stimmt und der Touchscreen ist gut ablesbar. Die verbaute Kamera bietet eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln und ist gut brauchbar. Die Bauraumbeleuchtung wird über eine LED-Leiste realisiert. Eine bemerkenswerte Auffälligkeit gibt es jedoch: Der Creator 5 Pro extrudiert beim Spülen direkt in den Bauraum. Normalerweise wird Purge-Abfall nach außen geworfen oder in einen externen Behälter abgeleitet. Das wirkt nicht besonders elegant, der Abfall landet aber nicht auf der Druckplatte. Funktional gibt es daran nichts zu meckern – zumindest seit dem Firmware-Update, denn davor konnte der Spülabfall noch in einem der Lüfter landen. Da sich aus dem Purgen im Gehäuseinneren auch ein praktischer Vorteil ergibt – nämlich eine kleinere effektive Stellfläche –, führt dies zu keiner direkten Abwertung. Eine echte, automatische Reinigung für die Druckdüsen bietet der Creator 5 Pro allerdings nicht. Zwar gibt es eine Abluftfilterung samt Aktivkohlematte, eine gewisse Geruchsentwicklung beim Drucken bleibt jedoch trotzdem wahrnehmbar.
Alltagserfahrungen
Bei der alltäglichen Nutzung gibt es im Prinzip wenig Überraschendes zu vermelden: Der genutzte OrcaSlicer-Fork FlashPrint Studio läuft problemlos. Interessanterweise fehlt der Software eine Anzeige für die Anzahl der Werkzeugwechsel – eine Information, die im regulären OrcaSlicer wohlgemerkt zu finden ist. Im Test wurde primär FlashPrint Studio und nicht die Smartphone-App genutzt. Ein Online-Modellkatalog ist zwar vorhanden, fällt (aber noch) recht überschaubar aus.
Beim Laden des Filaments gibt es eine kleine Besonderheit: Das Filament wird zunächst eingeschoben, am entsprechenden Druckkopf muss dann jedoch ein kleiner Hebel manuell betätigt werden. Das Laden von flexiblem A95-TPU gelang dadurch nicht auf Anhieb. Hier musste der PTFE-Schlauch am Druckkopf gelöst und das Material direkt von oben eingeführt werden. Ein Drama ist das in der Praxis allerdings nicht.
Bereits beim ersten Start fällt auf: Der Flashforge Creator 5 Pro nimmt sich vor dem eigentlichen Druckbeginn recht viel Zeit. Bei einem Druck mit allen vier Filamenten haben wir eine Vorbereitungszeit von 28 Minuten gemessen, was unter anderem am sehr gründlichen Bed-Leveling und der automatischen Flusskalibrierung liegt. Wer auf demselben Druckbett und mit demselben Material folgedruckt, kann Leveling und Flusskalibrierung jedoch bedenkenlos deaktivieren – dadurch sinkt die Vorbereitungszeit auf rund 10 Minuten.
Allgemeine Druckqualität
Bei der Druckqualität gibt es wenig zu meckern: Im Bereich des Einzelfilamentdrucks wurde unser NBC-Testmodell problemlos und auch im Bereich der Übergänge sauber gedruckt. Feine Details wurden mit PLA präzise übernommen und der Druck erfolgte ohne nennenswertes Stringing. Die Standardeinstellungen lieferten dabei im Gesamtergebnis die besten Resultate: Eine verringerte Geschwindigkeit und geringere Schichtdicke führten zwar zu einer noch besseren Ablesbarkeit von Zahlen und Texten, brachten an feinen Übergängen jedoch leichte Unsauberkeiten mit sich.
Ein vasenförmiges, größeres Objekt ließ sich ebenfalls problemlos fertigen – das PLA Burnt Titanium von Flashforge sorgte hier nicht nur für eine hohe Druckqualität, sondern auch für eine hervorragende Optik. Sogar ein sehr kleines, anatomisches Modell eines Herzens gelang mit reduzierter Schichthöhe und angepasster Geschwindigkeit mit beeindruckender Detailtreue.
Gedruckt wurde auch ungetrocknetes TPU – mit entsprechend schlechtem Resultat, was dem Drucker selbstverständlich nicht anzulasten ist. Mit getrocknetem Material und in den Standardeinstellungen gelang der TPU-Druck grundsätzlich brauchbar. Empfehlenswert ist hier jedoch der Druck mit verringerter Geschwindigkeit: In der Praxis reicht dafür bereits das Umschalten am Drucker in den Silent Mode (50 %).
In seinem Element: Multifilament-Drucke
Besonders intensiv haben wir den Druck mit mehreren Filamenten evaluiert. Grundsätzlich gilt: Multi-Material-Druck funktioniert selbst bei extrem anspruchsvollen Modellen problemlos – also bei Objekten, bei denen in einer einzigen Druckschicht alle vier Filamente zum Einsatz kommen (diesem Thema haben wir uns schon einmal vergleichend genähert). Auffällig ist jedoch, dass der Priming-Tower in den Standardeinstellungen sehr groß bemessen ist, was zu einem hohen Materialverlust führt. Bei einem 4-Farben-Benchy ergaben sich ab Werk für ein nur 16 Gramm schweres Modell satte 36 Gramm Verwurf. Ohne sichtbaren Verlust an Druckqualität war es bei diesem spezifischen Modell jedoch möglich, den Abfall in zwei Optimierungsschritten erst auf 15 und schließlich auf nur 8 Gramm zu reduzieren. Das ist für ein komplexes 4-Farben-Modell auf einem Toolchanger ein sehr guter Wert – und für Multi-Material-3D-Drucker insgesamt hervorragend. Solche Drucke - in diesem Fall mit über 700 Werkzeugwechseln - lassen sich mit Eindüsen-Druckern nur unter erheblichem Zeit- und Materialaufwand realisieren. Bambu Lab berechnet für dieses Modell mit nur einer Druckdüse eine Druckzeit von über 18 Stunden; der Creator 5 Pro hat den Druck mit optimierten Einstellungen in gerade einmal 3 Stunden und 41 Minuten abgespult. Prinzipiell lässt sich beim Creator 5 Pro sogar komplett auf den Prime-Turm verzichten – das setzt allerdings voraus, dass das Modell genügend Infill bietet, um die Düse innerhalb der Objektfüllung zu reinigen. Beim Rumpf des Benchys war das problemlos möglich, weiter oben im Kajütenbereich dagegen nicht mehr.
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller unentgeltlich zu Testzwecken überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.

































