Instagram: Metas KI löscht Konten, der Widerspruch läuft ins Leere

Camille Hanson wurde im März mitten in der Nacht von einer Benachrichtigung geweckt. Ihre Facebook- und Instagram-Konten, über die sie mit ihrem Mann Nichtmuttersprachlern Englisch beibringt, waren zur Löschung markiert. Knapp eine Million Follower. Als Begründung nannte Meta einen Verstoß gegen die Richtlinien zu Betrug und Täuschung. Welchen Beitrag das betraf, stand nirgends.
Hansons Fall ist einer von mehreren, die die New York Times am 21. Juli zusammengetragen hat. Sie legte Widerspruch ein. Eine Woche später kam die Antwort: abgelehnt, alle Daten würden endgültig gelöscht, eine weitere Prüfung sei nicht möglich.
Ein Influencer mit über 500.000 Instagram-Followern verlor sein Konto im vergangenen Jahr. Athenia Rodney, die mit JuneteenthNY seit 17 Jahren an das Ende der Sklaverei in den USA erinnert, wurde mit dem Vorwurf gesperrt, sie habe Missbrauchsdarstellungen von Kindern verbreitet.
Meta verspricht genau das Gegenteil
Der Abgleich mit Metas eigenen Angaben lohnt sich. Am 19. März kündigte das Unternehmen an, die Inhaltsprüfung über die nächsten Jahre auf deutlich leistungsfähigere KI-Systeme umzustellen und weniger auf externe Dienstleister zu setzen. Im selben Beitrag steht aber, Menschen behielten bei den kritischsten Entscheidungen die Hauptrolle. Als Beispiel nennt Meta ausdrücklich Widersprüche gegen Kontosperrungen.
Die Betroffenen berichten etwas anderes. Ablehnung nach Tagen, ohne dass ein konkreter Beitrag benannt wird, ohne Möglichkeit einer weiteren Prüfung.
Metas eigenes Aufsichtsgremium kam am 4. Juni zu einem ähnlichen Befund. Das Oversight Board sprach von systemischen menschenrechtlichen Bedenken und einem Mangel an Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Auch das kostenpflichtige Meta Verified bekam sein Fett weg: Es verspricht Support rund um die Uhr, liefert Gesperrten aber keine brauchbare Hilfe. Bindend sind die Empfehlungen des Gremiums nicht.
Auch in Deutschland der häufigste Beschwerdegrund
Ein reines US-Thema ist das nicht. Der Digital Services Coordinator bei der Bundesnetzagentur hat am 30. April seinen Tätigkeitsbericht für 2025 vorgelegt. Über 2.000 Beschwerden gingen über das Portal ein, und der häufigste Inhalt war eine nicht ausreichende Begründung, wenn Konten, Inhalte oder Dienste beschränkt werden. Genau der Punkt also, an dem sich die Meta-Fälle aufhängen. Die Behörde hat 26 nationale Verwaltungsverfahren eingeleitet, unter anderem zur Begründungspflicht und zum internen Beschwerdemanagement.
Für dich heißt das: Wenn Metas interner Widerspruch nichts bringt, ist damit nicht Schluss. Artikel 21 des Digital Services Act gibt dir das Recht, eine zertifizierte außergerichtliche Streitbeilegungsstelle einzuschalten. In Deutschland sind zwei zugelassen, die User Rights GmbH in Berlin und Platform Control. Die Kosten trägt die Plattform, für dich fällt nur eine geringe Schutzgebühr an. Meta muss auf den Weg hinweisen und mitarbeiten. Die Entscheidung der Stelle bindet die Plattform allerdings nicht, und der Gang vor Gericht bleibt daneben offen.
Solange dein Konto noch läuft, lohnt Vorsorge. Lade deine Daten herunter und sammle geschäftlich wichtige Kontakte auf einem zweiten Kanal. Wie du außerdem deine Instagram-Fotos vor Metas KI schützt, haben wir bereits erklärt. Wer sein Einkommen an einem einzigen Konto hängt, hat kein Konto, sondern ein Risiko.





