Google und Apple gegen die EU: Machtkampf um den KI-Assistenten

Auf deinem Handy läuft künftig vielleicht nicht mehr automatisch der KI-Assistent des Herstellers, sondern der, den du selbst wählst. Um genau diese Frage ist ein offener Machtkampf entbrannt. Die EU-Kommission hat Mitte Juli verbindlich festgelegt, dass Google sein Android für fremde KI-Assistenten öffnen und Suchdaten mit Konkurrenten teilen muss. Jetzt wehren sich Google und Apple, und beide führen dasselbe Argument ins Feld: deine Sicherheit.
Google nennt die Auflagen ein Sicherheitsrisiko
Googles Chefjurist Kent Walker schreibt im Firmenblog, die Entscheidungen gefährdeten wichtige Datenschutz- und Sicherheitsleitplanken für Millionen Europäer. Fremde Apps bekämen sensible und mächtige Geräteberechtigungen, geteilte Suchdaten landeten ohne ausreichende Anonymisierung bei Firmen, die der Nutzer nicht kennt. Android-Chef Sameer Samat legte am Freitag auf X nach: Die Kommission sei auf dem falschen Weg. Wer einen anderen Assistenten wolle, könne den Standard schon heute in den Android-Einstellungen wechseln.
Apple lässt Siri AI in Europa vorerst weg
Apple ist einen Schritt weiter gegangen. Das neue Siri AI kommt mit iOS 27 und iPadOS 27 nicht in die EU, auch auf der Apple Watch fehlt es. Nur Mac und Vision Pro bekommen es hierzulande. Software-Chef Craig Federighi nennt das eine tiefe Enttäuschung. Nach Apples Lesart müsste der Konzern jedem Assistenten direkten Zugriff auf private Daten und die Kontrolle über andere Apps geben. Den vorgeschlagenen Mittelweg, eine abgesicherte Schnittstelle namens Trusted System Agent, lehnte die Kommission ab. Einen Zeitplan für Siri AI auf iPhone und iPad in der EU gibt es nicht.
Die EU verweist auf eingebaute Schutzmaßnahmen
Die Kommission hält dagegen: Die Suchdaten sollen über ein mehrschichtiges Verfahren anonymisiert werden, das mit Datenschutzfachleuten entwickelt wurde, und Google darf vor jeder Weitergabe prüfen, ob ein Empfänger ein Sicherheitsrisiko darstellt. Ein Sprecher sagte gegenüber CNN, die Konzerne könnten angemessene Schutzvorkehrungen selbst einbauen. Die Juristin Calli Schroeder vom Electronic Privacy Information Center rät dort, die Privacy-Argumente der Unternehmen mit Vorsicht zu genießen, laut geworden seien sie erst, als eine Entscheidung sie selbst traf. Kurzfristig ändert sich für dich nichts: Android-Nutzer wechseln ihren Assistenten schon heute in den Einstellungen, iPhone-Nutzer in der EU warten auf Siri AI. Wie viel deine KI dabei ohnehin über dich sammelt und wie du das begrenzt, zeigt unser Ratgeber. Und dass es beim Streit um echte Marktmacht geht, zeigt eine Zahl des Analysehauses Omdia: ChatGPT ist bereits auf rund 30 Prozent der EU-Smartphones installiert.





