Google Gemini Spark: Weltstart, aber nicht in Deutschland

Google hat am Freitag die Juli-Ausgabe der Gemini Drops veröffentlicht, die monatliche Übersicht der Neuerungen in der Gemini-App. Darin steht ein Satz, der für deutsche Leser nicht stimmt: Gemini Spark sei jetzt weltweit verfügbar. Die Fußnote direkt darunter nimmt die Aussage wieder zurück. Spark läuft nicht im Europäischen Wirtschaftsraum, nicht in Großbritannien, nicht in der Schweiz und nicht in Nigeria.
Was Gemini Spark überhaupt macht
Spark ist Googles persönlicher KI-Agent. Er beantwortet nicht nur einzelne Fragen, sondern arbeitet Aufgaben über längere Zeit ab und verwaltet dafür einen eigenen Zeitplan. Google nennt als Beispiele einen aufgeräumten Posteingang, das Zusammenfassen von Newslettern, das Abmelden von E-Mail-Listen und Recherchen mit Quellenangaben. Der Agent arbeitet weiter, wenn der Laptop zugeklappt ist. Dafür zieht er Informationen aus verbundenen Apps, aus Chatverläufen, aus Websites, bei denen der Nutzer angemeldet ist, und aus Standortdaten.
In Chrome darf der Agent an die gespeicherten Passwörter
Einen Tag vor dem Drop hat Google Spark mit Chrome verbunden. Die Funktion heißt Chrome auto browse. Laut Google kann Spark mit Erlaubnis des Nutzers dessen eingeloggte Konten und gespeicherte Passwörter verwenden, um lästige Erledigungen im Netz zu übernehmen. Als Beispiele nennt der Konzern Besichtigungstermine für gemerkte Wohnungen und die Recherche von Flügen samt Start des Buchungsvorgangs.
Google verspricht zwei Schutzmechanismen. Der Agent soll gegen Prompt Injection abgesichert sein, also gegen versteckte Anweisungen auf Webseiten, die einen KI-Agenten übernehmen können. Und bei heiklen Schritten wie Zahlungen gibt Spark die Aufgabe an den Nutzer zurück. Die Chrome-Anbindung startet vorerst allein in den USA, weitere Regionen sollen folgen.
In der deutschen Hilfe steht es unmissverständlich
Wer wissen will, ob Spark bei ihm läuft, findet die Antwort in Googles eigener Hilfe. Dort heißt es, Spark sei verfügbar, "überall dort, wo Gemini-Apps unterstützt werden, mit Ausnahme des Europäischen Wirtschaftsraums, Nigerias, der Schweiz und des Vereinigten Königreichs". Einen Grund nennt Google nicht. Der Konzern streitet derzeit mit Brüssel über die Vorgaben des Digital Markets Act, des EU-Gesetzes für große Plattformen. Wir haben berichtet, dass Google Android für konkurrierende KI-Assistenten öffnen muss, und wie sich Google und Apple gegen die europäischen Auflagen wehren.
Voraussetzungen und Preis
Wo Spark läuft, ist er nicht gratis. In den USA genügt ein Abo für Google AI Pro oder Google AI Ultra. In allen anderen Ländern verlangt Google in seiner englischsprachigen Hilfe bislang das teurere Ultra-Abo. Den Zugang für Pro-Abonnenten in über 160 weiteren Ländern hat Google am 30. Juli angekündigt, in der eigenen Dokumentation ist er noch nicht angekommen. Dazu kommen weitere Bedingungen: mindestens 18 Jahre, ein privates Google-Konto, denn ein Arbeits- oder Bildungskonto reicht nicht, und der Aktivitätsverlauf muss eingeschaltet sein. Nutzbar ist Spark in der mobilen Gemini-App, in der Gemini-App für macOS und im Browser unter gemini.google.com.
Google rät selbst zur Zurückhaltung. Nutzer sollen vorsichtig sein, was sie direkt in einen Aufgaben-Thread eingeben, und keine Aufgaben planen, die sie als vertraulich einstufen.
Das kommt auch hier an
Der Rest des Juli-Drops ist nicht gesperrt. Gemini lässt sich auf macOS jetzt per Sprache in jedem aktiven Fenster nutzen, um Text zu diktieren, markierte Passagen umzuschreiben oder Bilder erzeugen zu lassen. Die neuen Modelle Gemini 3.6 Flash und Gemini 3.5 Flash-Lite sind verfügbar und sollen schneller antworten und besser schlussfolgern. Neu sind außerdem ein Avatar, mit dem sich Nutzer ohne erneuten Bild-Upload in beliebige Bilder einfügen, sowie Anbindungen an Dropbox, Zillow Rentals und Viator. Die besonders stark personalisierte Bildgenerierung bleibt vorerst auf die USA beschränkt.





