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Interview: Intel zum „Cougar-Point“-Chipsatzfehler

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Notebookcheck hat Intels Pressereferent Thomas Kaminski zu den aktuellen Ereignissen um die von Intel kommunizierten möglichen Ausfälle seiner „Cougar-Point“-Chipsätze befragt.

Intels Bekenntnis, dass es bei ihrer neuen Sandy-Bridge-Plattform möglicherweise defekte Chipsätze gebe, sorgte weltweit kurzzeitig für eine Art Schockstarre. Denn immerhin geht es bei Intel um den weltweit größten Chiphersteller und bei den betroffenen Produkten um eine Stückzahl von rund 8 Millionen Einheiten, die im schlimmsten Fall komplett durch neue Chargen ersetzt werden müssen.

Klar, dass in so einem Fall sowohl die Anleger und Börsen, als auch Händler und Hersteller sowie natürlich die Endkunden für kurze Zeit den Atem anhalten. Es ist nicht zuletzt der offenen Informationspolitik von Intel zu verdanken, dass sich die Aufregung vergleichsweise rasch wieder beruhigt. Intel hat sofort reagiert und Informationen zur möglichen Fehlerursache und weiteren Verfahrensweisen zur Lösung des Problems kommuniziert.

Es bleiben aber Fragen offen und Notebookcheck hatte die Möglichkeit an Intels Pressereferent Thomas Kaminski ein paar Fragen zu den aktuellen Ereignissen um die von Intel kommunizierten möglichen Ausfälle seiner „Cougar-Point“-Chipsätze zu stellen. Hier die Fragen und Antworten:

Frage: Storage, NAS, Backup, Datenspeicherung, Datenarchivierung: Kann es im schlimmsten Fall zu einer tatsächlichen, eventuell schleichenden, „Datenkorruption“ kommen oder funktioniert bei einem möglichen Ausfall schlicht AB diesem Zeitpunkt die SATA-Schnittstelle nicht mehr?

Antwort: Intel geht davon aus, dass das Problem nicht zu Datenkorruption führen wird.

Frage: Schadensbegrenzung, Zeitraum: Macht oder beabsichtigt Intel für die Chipsätze einen „Vorabaustausch“ oder wartet Intel auf die Returns (RMA) von den Mainboard- und PC-Herstellern? Da die Chipsätze nicht gesockelt sind, wie sieht das in der Praxis aus?

Antwort: Wir werden genauere Pläne zu gegebener Zeit bekannt geben.

Frage: Notebooks: Muss der Kunde sein Notebook an den Hersteller senden oder übernimmt das Intel? Wie lange müssen Kunden voraussichtlich auf einen Austausch warten? Oder erfolgt ein Austausch erst im Falle eines Defekts?

Antwort: Intel hat bereits begonnen, und wird in den nächsten Tagen noch mehr Details zum genauen Ablauf mit den Herstellern besprechen. Konkrete Austauschmaßnahmen können von Hersteller zu Hersteller variieren. Kunden, die ein betroffenes Notebook mit Intel 6 Series Express Chipset gekauft haben sollten sich aber direkt an den Hersteller ihres PCs wenden. Dieser wird über weitere Details informieren.

Frage: Genereller Zeitraum: Ab wann wird es dann Notebooks mit „neuen“ Chipsätzen geben?

Antwort: Intel hat unmittelbar Änderungen am Chipsatz vorgenommen (z.B. neues Stepping). Intel hat bereits mit der Produktion dieser neuen Chipsätze begonnen und wir erwarten, dass wir die ersten Examplare Ende Februar an Computer Hersteller ausliefern können. Die ursprünglich geplanten Volumina werden wir etwa im April liefern können.

Frage: Generelle Problematik: Warum konnte dieser Fehler konkret, trotz ausgeklügelter Prüfszenarien, dennoch passieren? Liegt das am Fertigungsprozess, Controlling, am eigentlichen Chipsatzdesign selbst, mit zu geringen Vorgabewerten?

Antwort: Dies konnte Intel's intensive Tests dennoch passieren, weil der Chipsatz an sich funktional und logisch fehlerfrei ist. Der Fehler tritt nur durch Altern des Chipsatzes auf. Dies könnte durch untypische Dauerbeanspruchung beschleunigt werden. Wir wissen außerdem, dass das Problem bei erhöhter Temperatur schneller auftreten kann. Wenn wir die Situation zum Beispiel aus der Sicht üblichen Notebook Nutzer Verhaltens betrachten, ist unsere Schätzung für einen Ausfall eine einstellige Prozentzahl innerhalb einer Betriebszeit von 3 Jahren. Die Beste konkrete Zahl, die wir angeben können wäre ca. 5% Ausfallwahrscheinlichkeit in 3 Jahren bei typischem Notebook Nutzer Verhalten. Nach diesem 3 Jahreszeitraum ist eine häufigere Ausfallrate wahrscheinlich.

Frage: „Fehler können immer passieren“, aber das kostet Intel ja richtig viel Geld; wie kann/will man sich künftig vor solchen Pannen schützen?

Antwort: Intel erwartet einen um 300 Millionen USD geringeren Umsatz im ersten Quartal 2011 durch diese Chipsatz Anomalie. Der Umsatz für das gesamte Jahr 2011 wird nicht davon betroffen sein. Die Gesamtkosten für Reparatur und Ersatz von betroffenen Produkten und Systemen im Markt wird auf 700 Millionen USD geschätzt.

Wir bedanken uns bei Herrn Kaminski für die Beantwortung der Fragen. Die Fragen stellte Ronald Tiefenthäler für Notebookcheck.com.

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Autor: Ronald Tiefenthäler,  2.02.2011 (Update:  9.07.2012)