Für alle, die in den letzten zwanzig Jahren darauf gewartet haben, dass endlich wieder ein Spiel wie Parasite Eve erscheint, könnte das Warten jetzt ein Ende haben. Solo-Entwickler Ryan von Dead Right Games hat am 23. Januar Wicked Seed veröffentlicht – eine ungewöhnliche Mischung aus dem klassischem Resident Evil-Explorationsstil und einem taktischem RPG-Kampfsystem. Spieler schlüpfen in die Rolle der Privatdetektivin Ella, die in einem trostlosen Wald in Maine nach ihrem Bruder sucht. Dabei geht es aber nicht nur ums Ballern. Im Gegenteil: Das Spiel will praktisch, dass man in Zeitlupe die Flugbahn seiner Schrotflinte berechnest.
Der Kampf in Wicked Seed ist alles andere als klassisches, rundenbasiertes Standardprogramm. Stattdessen kommt ein „Hybrid“-System zum Einsatz: Man bewegt sich, weicht aus und pariert in Echtzeit – ähnlich wie in Clair Obscur: Expedition 33. Doch sobald man das Befehlsmenü öffnet, verlangsamt sich die Welt. Angriffe kosten Ausdauer, die sich mit der Zeit wieder auflädt. Die taktische Tiefe entsteht durch das „Bestiary“-System: Jeder Gegner besitzt eine spezifische Schwachstelle. Wer diese oft genug ausnutzt, schaltet dauerhafte Werteboni für Ella frei. Damit wird der klassische Survival-Horror-Reflex „weglaufen“ durch eine Art „Bonusjagd“-Ansatz ersetzt.
Ein Großteil des frühen Lobs richtet an die schiere Menge an Inhalten. Wicked Seed bietet über 50 freischaltbare Outfits (alle erspielbar, nicht kaufbar) sowie ein tiefgreifendes Waffenmodding-System. Aus einer einfachen Pistole lässt sich mit gefundenen Teilen eine wahre Kampfmaschine bauen. Zum Release bringt das Spiel außerdem einen integrierten Randomizer und einen New-Game-Plus-Modus mit. Nach dem rund 13-stündigen Story-Durchlauf lassen sich damit Items und Gegner neu durchmischen – ideal für einen frischen Run.
Trotz des bewusst im Retro-Stil gehaltenen Designs sind die Systemanforderungen von Wicked Seed überraschend hoch. Schon zum Starten werden 16 GB RAM benötigt. Wenn man alle Einstellungen aufdrehen möchte, werden sogar 32 GB empfohlen. Auf dem Steam Deck (derzeit rund 550 Euro auf Amazon) gilt das Spiel als „Playable“, allerdings sollte man keine 60 FPS erwarten. Wer sich ohne Framedrops durch die großen Waldgebiete bewegen möchte, muss die Auflösung auf 900 × 600 senken und die Bildrate auf 45 Hz begrenzen. Für ein Solo-Projekt ist das Spiel nicht perfekt optimiert, doch die „Sehr positiv“-Bewertung von 93 % zeigt deutlich: Die meisten Spieler verzeihen diese Schwächen zugunsten des Gameplays und allem, was Wicked Seed sonst noch bietet.
Mehr Infos gibt es auf Wicked Seed’s Steam‑Seite, wo das Spiel derzeit mit 20 %‑Launch‑Rabatt für 15,19 Euro erhältlich ist.





















