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Streit um Gesetz aus dem Kalten Krieg – Anthropic soll dem Pentagon waffenfähige KI liefern und wehrt sich

U.S. Secretary of Defense Pete Hegseth
ⓘ Public domain via Wikimedia Commons
U.S. Secretary of Defense Pete Hegseth
Ein Treffen zwischen dem US-Kriegsminister und dem Anthropic-Chef gipfelt in einem harten Ultimatum. Das auf Sicherheit bedachte KI-Unternehmen soll Beschränkungen für militärische Nutzungen aufheben, andernfalls drohen durch die US-Regierung existenzgefährdende Konsequenzen.

Anthropic wurde größtenteils von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet, die das Unternehmen verließen, um sich stärker auf die Sicherheit von Nutzern und Daten zu fokussieren. Von Beginn an verfolgt das Startup den Ansatz, KI möglichst sicher zu gestalten, wofür teilweise sogar neue Funktionen zurückgehalten werden. In der schnelllebigen KI-Branche ist diese Vorsicht eher unüblich. Die Nutzungsbedingungen von Anthropic schließen den Einsatz der Technologie für KI-gesteuerte Waffen sowie für die massenhafte Überwachung von US-Bürgern im Inland strikt aus. Der Grund dafür ist das bekannte Problem der Halluzinationen bei generativer KI. Die Modelle können überzeugend formulierte, aber inhaltlich falsche Antworten liefern. Im militärischen Kontext oder gar bei der Waffensteuerung hätten solche Fehler potenziell verheerende Konsequenzen.

Dieser strikte Kurs stößt nun auf massiven Widerstand der US-Regierung. Ein Treffen zwischen US-Kriegsminister Pete Hegseth und Anthropic-Vorstandschef Dario Amodei endete mit einer klaren Forderung. Bis Freitagabend soll das Unternehmen seine bisherigen Restriktionen für den Einsatz seiner KI-Modelle lockern. Sollte Anthropic sich weigern, droht Hegseth damit, das Unternehmen als Lieferkettenrisiko einzustufen. Dies hätte zur Folge, dass sämtliche Firmen, die für das Pentagon arbeiten, bescheinigen müssten, keine Produkte oder Dienstleistungen von Anthropic zu nutzen. Ein solches Vorgehen traf in der Vergangenheit beispielsweise bereits den chinesischen Konzern Huawei. Zusätzlich steht eine Aktivierung des Defense Production Act im Raum. Dieses US-Bundesgesetz aus dem Jahr 1950, das anlässlich des Koreakrieges verabschiedet und zuletzt in der Corona-Pandemie angewendet wurde, bevollmächtigt den Präsidenten, Industriebetriebe zur Produktion bestimmter Güter zu verpflichten.

Für Anthropic ist diese weitreichende Forderung existenzbedrohend und gleicht der Wahl zwischen Pest und Cholera. Zwar hat das Unternehmen in den letzten Monaten seine eigenen Sicherheitsrichtlinien bereits etwas aufgeweicht, da einseitige Verpflichtungen in einem Markt, in dem die Konkurrenz ohne solche Einschränkungen voranprescht, einen schweren Wettbewerbsnachteil darstellen. Doch der enorme Druck des Pentagons zwingt das KI-Startup nun jedoch zu einer weitreichenden Entscheidung, die den ursprünglichen Fokus auf absolute Sicherheit endgültig kippen könnte.

Hinweis: Im Artikel wird der Begriff Kriegsminister verwendet, da das Pentagon und die US-Regierung unter Donald Trump die historische Bezeichnung Secretary of War seit dem 5. September 2025 wieder als offizielle Zweitbezeichnung für den Secretary of Defense eingeführt haben.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-02 > Streit um Gesetz aus dem Kalten Krieg – Anthropic soll dem Pentagon waffenfähige KI liefern und wehrt sich
Autor: Marc Herter, 26.02.2026 (Update: 26.02.2026)