„Die Welt ist in Gefahr“ – KI-Sicherheitschef von Anthropic tritt zurück, kann Tätigkeit nicht länger mit Werten vereinbaren

Mrinank Sharma, Leiter des Safeguards Research Teams bei OpenAI-Konkurrent Anthropic, hat das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. In seinem auf X veröffentlichten Abschiedsbrief, der über 10 Millionen Mal angezeigt und tausendfach kommentiert wurde, bedankt er sich für die Zeit im Unternehmen und die Möglichkeit, zur Sicherheit von KI beizutragen. Allerdings sind bestimmte Handlungen aufgrund des wachsenden wirtschaftlichen Drucks nicht mehr mit seinen Werten zu vereinbaren, so der KI-Sicherheitsexperte.
In seinem Abschiedsbrief erläutert Sharma nicht nur die Gründe seines Weggangs, sondern spricht auch eine klare Warnung aus: „Die Welt ist in Gefahr“. Wie der ehemalige Anthropic-Mitarbeiter schildert, befinde sich die Welt in einer „Polykrise“, in der mehrere miteinander verflochtene Krisen ineinandergreifen – und das passiert laut Sharma genau jetzt. Dabei spricht er nicht nur von Künstlicher Intelligenz und Biowaffen, sondern von einer ganzen Reihe miteinander verflochtener globaler Krisen – etwa geopolitischen Spannungen.
Sharma betont, wie schwierig es sei, Werte im Arbeitsalltag konsequent umzusetzen. Organisationen – selbst solche mit hohen Idealen – stünden unter permanentem Druck, Prioritäten zu verschieben oder pragmatische Kompromisse einzugehen. Anthropic positioniert sich als sicherheits- und werteorientierte Alternative zu anderen großen KI-Anbietern , womit Sharmas Kritik besonders schwer wiegt.
Sharma will jetzt Philosophie studieren, Community reagiert respektvoll
Bemerkenswert ist, dass Mrinank Sharma plant, sich vollständig aus der Tech-Branche zurückzuziehen und ein Philsophiestudium zu beginnen. Insgesamt reagiert die Community auf X mit Respekt und Verständnis auf Sharmas Rückzug. Viele zollen ihm Anerkennung für seinen Beitrag zur KI-Sicherheit und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft. Kritische Stimmen äußern den Einwand, dass ein Verbleib im Unternehmen möglicherweise mehr Einfluss ermöglicht hätte. Dazu sagt Sharma, von außen sei er freier in dem, was er sagen könne. Das könnte bedeuten, dass er die Geschehnisse in der Tech-Welt zumindest weiter beobachten und kommentieren wird.
Neben seinen krisenpolitischen Ausführungen enthält Sharmas Abschiedsbrief auch Verweise, die für Stirnrunzeln sorgen. In den Fußnoten nennt er ein Werk zum sogenannten „CosmoErotic Humanism“, das unter dem Pseudonym David J Temple veröffentlicht wurde. Hinter diesem Namen soll unter anderem Marc Gafni stehen – ein spiritueller Lehrer, der in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Vorwürfen sexueller Ausbeutung kritisiert wurde. Kritik gibt es daran zwar nicht, es wirft aber dennoch Fragen nach dem weltanschaulichen Hintergrund von Sharmas Rücktritt auf.
Welche Auswirkungen Sharmas Unternehmensaustritt auf die Zukunft von Anthropic haben wird, bleibt abzuwarten. Da sich das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude aktuell in einer großangelegten Werbephase befindet, die den KI-Assistenten als werbefreie Alternative bewirbt, ist der Zeitpunkt wohl eher ungünstig.
Quelle(n)
MrinankSharma via X (ehemals Twitter)
Bildquelle: PIRO4D/Pixabay















