Ist KI ein Arbeitsplatzkiller oder eine Chance für Fortschritt? Auf der Liste der Kontroversen-Debatten dürfte dieses Thema aktuell ganz weit oben stehen. Eine neue Meinungsstudie der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA) in Kooperation mit dem Diplomatic Council (DC) kam zu besorgniserregenden Ergebnissen: Bis zum Jahr 2040 könnte die Hälfte aller heutigen Arbeitsplätze in Deutschland durch Künstliche Intelligenz und Robotik ersetzt werden. Das geht aus einer gemeinsamen Untersuchung hervor, die auf dem 8. Ordentlichen Gewerkschaftskongress der IGBCE vom 19. bis 24. Oktober in Hannover vorgestellt werden soll.
Unter der Leitung von Harald Müller, Geschäftsführer der BWA und Co-Chair des Real-World AI Forums im Diplomatic Council, wurden 150 Führungskräfte aus Groß- und Mittelstandsunternehmen sowie Gewerkschaftsfunktionäre befragt. Ziel: Die Chancen, Risiken und Zeithorizonte des technologischen Wandels durch KI und humanoide Roboter zu erfassen.
69 Prozent der Befragten rechnen damit, dass Künstliche Intelligenz in Büros spätestens 2027 so selbstverständlich sein wird wie heute Microsoft Office. In der Produktion erwarten 35 Prozent den breiten KI-Einsatz ab 2030, 55 Prozent erst nach 2040. Besonders vorsichtig sind die Einschätzungen beim Thema humanoide Roboter: Nur 18 Prozent glauben an deren Verbreitung bis 2030, während 40 Prozent sie erst um 2040 erwarten. Fast die Hälfte (46 Prozent) hält einen flächendeckenden Einsatz vor 2050 für unrealistisch.
Jeder zweite Job in Gefahr
77 Prozent der Befragten befürchten, dass bis 2040 durch Automatisierungen bis zur Hälfte aller Arbeitsplätze wegfallen könnten. Besonders betroffen seien einfache Tätigkeiten in Produktion, Logistik und Verwaltung. Immerhin 45 Prozent sehen in der Entwicklung aber auch Chancen – etwa durch Entlastung bei körperlich belastenden oder monotonen Arbeiten. 64 Prozent der Arbeitgeber erwarten durch KI und Robotik klare Produktivitätsvorteile und sinkende Kosten.
Auf der anderen Seite gibt es auch Studien, laut denen KI kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hätte. Immerhin ist davon auszugehen, dass durch KI und Robotik wieder neue Tätigkeiten und Berufsfelder entstehen, die den Wegfall klassischer Jobs langfristig ausgleichen könnten. Die Frage ist jedoch, ob dieser Wandel schnell genug erfolgt, um die absehbaren Umbrüche aufzufangen.


















