Antarktischer Eisschild verliert an Stabilität, laut neuer Studie

Seit mehr als 30 Jahren beobachten Satelliten die Antarktis aus der Ferne. Basierend auf den in dieser Zeit gesammelten Daten hat ein Forscherteam, das vornehmlich von der University of California stammt, eine Studie durchgeführt und die Ergebnisse in den „Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS) veröffentlicht.
Die Studie zeigt, dass sich die sogenannten Aufsetzlinien in einigen Regionen der Antarktis dramatisch zurückgezogen haben. Aufsetzlinien sind die Punkte, an denen das Eis nicht mehr auf dem Festland aufliegt, sondern beginnt, auf dem Ozean zu schwimmen. In Teilen der Westantarktis entlang des Amundsen-Meeres hat sich das Eis seit den 1990er-Jahren um bis zu 42 Kilometer zurückgezogen. Insgesamt verlor der Kontinent zwischen 1996 und 2025 etwa 12.800 Quadratkilometer an fest aufliegendem Eis, was fast der halben Fläche Belgiens entspricht.
Wissenschaftler machen vor allem wärmeres Ozeanwasser für diese Entwicklung verantwortlich. Eine Strömung, die als Zirkumpolares Tiefenwasser bekannt ist, fließt unter die schwimmenden Schelfeise und schmilzt diese von unten herab. Wenn das Eis dünner wird, verliert es den Halt auf dem Felsuntergrund. In diesem Fall verschiebt sich die Aufsetzlinie landeinwärts, was ein Zeichen für die Instabilität des Eisschilds ist.
Die Studie offenbart jedoch auch, dass über 77 % der Küstenlinie der Antarktis stabil geblieben sind. Dennoch könnten sich zurückziehende Aufsetzlinien den Eisverlust beschleunigen und zum Anstieg des globalen Meeresspiegels beitragen, sollte sich dieser Rückzug fortsetzen. Um die in dieser Studie beobachteten Veränderungen zu verfolgen, stützten sich die Forscher maßgeblich auf Daten der Copernicus-Sentinel-1-Mission, die von der ESA betrieben wird. Diese Satelliten nutzen Radar, das durch Wolken und Dunkelheit blicken kann. Dies macht sie ideal für die ganzjährige Überwachung der Polarregionen.








