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FiiO M3 Pro im Hands-On: Der kleine Riese, der seine Klasse überflügelt

FiiO M3 Pro: ein großartiger DAP/USB-DAC für den Einsteigerbereich (Quelle: Eigene)
FiiO M3 Pro: ein großartiger DAP/USB-DAC für den Einsteigerbereich (Quelle: Eigene)
Obwohl mittlerweile Smartphones zum großen Teil die Funktion digitaler Audio- und Mediaplayer übernommen haben, gibt es noch immer einen Markt für derart spezialisierte Geräte. FiiO ist eine der relevanten Marken in dem Bereich und der M3 Pro ist ein digitaler Audioplayer, welcher knapp unter 100 Euro kostet und ein paar Tricks auf Lager hat, wie unser Hands-On zeigen wird.
Codrut Nistor (übersetzt von Christian Hintze), 🇺🇸 🇳🇱 ...

For etwa 10 Jahren hatte jeder namenhafte Hersteller, wie Apple, SanDisk, Sony und Creative, noch jeweils mindestens eine gute Mediaplayer-Serie im Angebot. Heutzutage haben sich Creative und Apple aus diesem Markt verabschiedet, während SanDisk nun zu Western Digital gehört und seine Mediaplayer längst Geschichte sind. Immerhin Sony bringt immernoch sehr gute, aber auch sehr teure Produkte der Walkman-Familie heraus. Die besten Deals kommen heutzutage aber offensichtlich von den kleineren Marken. FiiO ist - neben ein paar anderen chinesischen Unternehmen - eine davon und schafft es regelmäßig Geräte auf den Markt zu bringen, welche in Sachen Audioqualität, Funktionen und Verarbeitungsqualität einiges zu bieten haben, während der Preis gleichzeitig in erträglichen Regionen bleibt. 

Der FiiO M3 Pro ist das große Geschwisterkind des M5, welcher eher Smartwatchausmaße besitzt. Beide sind als Einstiegs-Audioplayer des Herstellers konzipiert und sollen Geschmack auf potentere und teurere Hardware von FiiO machen. Der brandneue M3 Pro erbt die meisten Vorteile seines Vorgängers M3K, weshalb Besitzer des M3K lieber bei ihrem Gerät bleiben oder gleich zu einem Mittelklasse- oder gar High-End-DAP greifen. 

Smartphone-Besitzer hingegen, die gerne ihre Audioerfahrung verbessern aber gleichzeitig nicht zuviel ausgeben wollen, sollten unbedingt ein Auge auf den FiiO M3 Pro werfen. Das Gerät ist zwar nicht perfekt, aber es bewältigt viele Aufgaben - vielleicht zu viele, wie wir gleich noch sehen werden - zu einem ausgezeichneten Preis.

Verpackung und Design

Der FiiO M3 Pro kommt in einer recht simplen Verpackung daher, aber das Plastikfutter mit seiner halbwegs dicken Kartonummantelung hält schon einiges aus. Dadurch sollte das Gerät eigentlich heil ankommen, selbst wenn man in chinesischen Shops kauft und die Bestellung anschließend durch eine Vielzahl von Händen gereicht oder von eher raueren Versandfahrern durch die Gegend gepoltert wird. Das Verpackungsdesign geht in Ordnung, obwohl ich mir einige Veränderungen beim Inhalt gewünscht hätte, auch wenn diese den Preis noch einmal um 20 Euro nach oben getrieben hätten. 

Denn die Box lässt zumindest eine in meinen Augen Must-Have-Komponente für derartige Geräte vermissen: eine Schutzhülle. Dafür würde ich notfalls auch gerne auf das beigelegte USB-C-Kabel verzichten. Neben dem Kabel und dem Gerät selbst enthält die Verpackung noch den üblichen Papierkram, den der durchschnittliche Nutzer wohl sowieso niemals lesen wird: Einen Quick-Start-Guide (fünf Seiten in einer ganzen Reihe von Sprachen, darunter chinesisch, englisch, italienisch, russisch, deutsch, französisch und ein paar andere), eine Garantiekarte sowie ein Dokument über die von FiiO verwendete Open-Source-Lizenz für die Software. 

Ein Alleinstellungsmerkmal von FiiO ist nämlich auch, dass der Quellcode auf Nachfrage von jedem einsehbar ist, sogar noch drei Jahre nach dem Erhalt des Gerätes. Leider gibt es noch keinen RockBox-Support, das gilt für jedweden FiiO-Player oder -DAC, hier kann man nur auf die Zukunft hoffen und warten.  Das heisst aber keinesfalls, dass die Software des Herstellers schlecht wäre, das letzte Update macht den M3 Pro nahezu perfekt, auch wenn es noch ein wenig Raum für Verbesserungen gibt.

Screen-Protektoren sind bereits auf beiden Seiten angebracht, sodass man dies nicht mehr selbst tun muss. Das mag sich nicht nach einer großen Sache anfühlen, aber beim FiiO X3 II musste ich dies noch selbst tun und habe mich in etlichen Versuchen doch immer wieder mit einer Blase unter dem Schutzfilm herumärgern müssen. Das Gleiche passierte mir auch bei meinem - nach mehr als 10 Jahren immer noch funktionierenden - SanDisk Sansa e250.

Bevor es weitergeht noch ein Wort zum Design des FiiO M3 Pro. Obwohl es als Einstiegsgerät konzipiert und vielleicht eines der preiswertesten DAP/USB-DAC-Kombos am Markt ist, sieht es alles andere als billig aus. Das Äußere besteht aus einem schraubenlosen, CNC-gefrästen Metallgehäuse mit einem langen Touchscreen darauf, welcher die komplette Frontoberfläche einnimmt. Die Rückseite ist von einer edlen Glasfläche bedeckt, welche ein goldenes Hi-Res-Audio-Logo ziert, daneben gibt es ein FiiO-Logo und einige technischen Details, beide in elegantem Grau gedruckt. Das Mikrofon, die 3,5-mm-Buchse (unsymmetrischer Audioausgang) und der USB-C-Anschluss befinden sich auf der Unterseite. Alle Bedienelemente und der microSD-Slot befinden sich auf der linken Seite. Von oben nach unten finden sich hier folgende Knöpfe: Power-Schalter, Volume Up, Pause/Play und Volume Down.

 

Specs und Features

Auch wenn es hier eigentlich einiges zu sagen gäbe, so fasst es ein Satz eigentlich passend zusammen: Der FiiO M3 Pro nutzt den gleichen DAC-Chipsatz wie das LG V20, nämlich den ESS ES9218P. Dieses Stück Hardware kann theoretisch Audio bis zu 32-Bit bei 384 kHz wiedergeben und hat eine Ausgangsleistung von 75 mW bei 32 Ohm, mehr als dreimal so viel wie die 23 mW Ausgangsleistung des FiiO M3K. USB-Audio-Support ist ebenfalls mit an Bord und die allermeisten USB-C-Kopfhörer funktionieren auch am FiiO M3 Pro, allerdings wollten die Creative SXFI TRIO einfach nicht mit dem Player zusammenarbeiten - ich wäre aber nicht überrascht, wenn das Problem mit dem nächsten Firmware-Update behoben wäre (Update für das TRIO, nicht für das M3 Pro).

Zusätzlich gibt es noch eine Custom-Firmware (glücklicherweise basiert diese nicht auf einer kompletten Android-ROM) mit vielen nützlichen Gimmicks, worüber sich einige Nutzer sicher freuen werden, der Großteil aber ignorieren wird (Bildgallerie, Taschenrechner, E-Book-Reader, welcher aber nur einfache Textdokumente unterstützt). Die Software hat über die letzten zwei Monate zwei ausgezeichnete Updates erhalten, sodass es nicht überraschen würde, wenn der FiiO M3 Pro in Zukunft nochmals besser wird. Der Ingenic X1000/E SoC unterstützt das Dekodieren der gängigsten verlustfreien Audio-Formate, das 3,5 Zoll große IPS-Display mit 800 x 340 Pixel ist ebenfalls ausgezeichnet und nutzt kein PWM — nicht dass dies für den Großteil aller Nutzer relevant wäre, wer aber auch mal ein Buch auf dem FiiO M3 Pro liest, wird dankbar dafür sein. MicroSD-Karten werden bis zu einer Größe von 2 TB unterstützt, die Akkulaufzeit kann bis zu 15 Stunden betragen.

 

Normale und weniger normale Nutzungsszenarien: Digitaler Musikplayer, USB DAC, Taschenrechner, E-Book-Reader, Sound-Rekorder, Bildbetrachter

Nach der Herausnahme aus der Verpackung und dem ersten Anschließen an meine Kopfhörer, den Creative SXFI GAMER (Test kommt bald) und weiteren, stellte ich fest, dass der Player wirklich LAUT ist (verglichen mit dem X3 II auf Low Gain bei 50 und 75 Prozent Lautstärke). Ich konnte den FiiO M3 Pro gut mit dem FiiO X3 II vergleichen, weil ich einfach die microSD-Karte herausnehmen, in das andere Gerät stecken und dann die exakt gleichen Tracks spielen konnte, um so die Unterschiede festzustellen. Allerdings stellte ich auch fest, dass der Sound beim M3 Pro deutlich weniger definiert war. Erst als ich den EQ auf Metal eingestellt hatte, wurde der Sound klarer. Glücklicherweise hat sich der Sound nach ein bis zwei Wochen "eingebrannt", sodass ich den EQ abschalten und sodann den M3 Pro in seinem vollen Spektrum genießen konnte, so wie ich es beim X3 II (oder jedem anderen USB DAC, den ich teste) auch gerne tue, das Ergebnis war nun deutlich besser.

Der M3 Pro hört sich generell toll an und sorgt dafür, dass auch Low-End- und Mittelklasse-Kopfhörer glänzen können, selbst meine billigen Xiaomi Mi Piston Basic oder die BrainWavz Audio Delta IEM. der Sound ist warm und bietet eine Flut an Details und wenn es beim ersten Hören mal nicht definiert genug klingt, gibt man dem M3 Pro einfach ein oder zwei Wochen, um in Stimmung zu kommen. Da ich keine 600-Ohm-Hörer in audiophiler Qualität zur Verfügung habe, kann ich nicht sagen, ob der DAP in der Lage ist, solche Kopfhörer richtig zu betreiben, allerdings dürften deren Besitzer ohnehin keine Audioquelle für unter 100 Euro in Betracht ziehen. 

Auch als USB-DAC macht das M3 Pro eine gute Figur. Um ehrlich zu sein, scheint das Pink-Noise-Level im USB-DAC-Modus spürbar höher zu sein als beim X3 II, allerdings gibt es zwei Dinge, welche man hierbei beachten sollte: Erstens handelt es sich beim X3 II — auch wenn es schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat — um ein DAP/DAC der Mittelklasse und zweitens würde niemand auf die Idee kommen mit eine derartige Soundquelle Audio direkt an seine Studiomonitore zu senden (Fluid Audio FX8, in meinem Fall) — jedenfalls nicht, ohne den USB-Output vorher durch einen ordentlichen Filter zu jagen (mein Mainboard und der externe USB-3.0-Hub scheinen leider nur einen sehr instabilen USB-Daten- und Power-Output zu haben).

Andere Funktionen wie der Rechner, der E-Book-Reader oder der Bildbetrachter sind zwar nützlich, allzu viele Nutzer dürften ihnen aber wohl nicht hinterherweinen, sollten sie in einem kommenden Update verschwinden. Die Möglichkeit die Software nach den eigenen Vorstellungen anpassen zu können ist ein weiterer Punkt auf der "das will ich auch"-Liste. Während Rechner & Co tadellos funktionieren, kann der Bildbetrachter nur Dateien bis zu einer Größe von 7 oder 8 MB öffnen. Wenig überraschend schlug ein Ladeversuch von 14-15 MB großen JPEG-Dateien fehl. Das Problem ist allerdings, dass man nicht in die Bilder hineinzoomen kann. Das führt dazu, dass FullHD-Bilder in Thumbnail-großen 340 Pixeln dargestellt werden, vor allem, weil man Bilder auch nicht im Landschaftsmodus, also horizontal betrachten kann. Das ist definitiv einer jener Punkte, bei denen die Software durch zukünftige Updates noch verbessert werden kann.

Noch ein Wort zur allgemeinen Software-Erfahrung: Die Nutzung des FiiO M3 Pro ist sehr einfach und meine 10-jährige Tochter konnte sich ohne Hilfe eine erste, eigene Playlist erstellen. Der M3 Pro wurde mit der Firmware 1.0.8 angeliefert, durch die das Interface noch sehr langsam reagierte. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass es kaum nutzbar war. Das nächste Update verbesserte die Leistung etwas, aber es war noch immer eine Qual vor- oder zurück zu wischen. Die aktuellste Firmware-Version 1.1.0 verbesserte schließlich alles und fügte zudem noch ein paar neue Funktionen, wie Low-Pass-Audiofilter, In-Vehicle-Modus, SQ/HR/DSD und andere Identifikatoren zur Audioqualität ins Wiedergabe-Interface hinzu. Zudem gibt es nun individuelle Einstellungen für die Lautstärketasten - eine willkommene Änderung, welche schon viel früher in die Firmware hätte einziehen müssen.

Abhängig von der Lautstärke und dem notwendigen Encoding der abgespielten Dateien kommt man womöglich nicht auf die vollen 15 Stunden Akkulaufzeit. Allerdings hält der Player die Akkuladung ausgezeichnet im Idle-Modus ohne ausgeschaltet zu werden - mehr als 30 Tage im Standby/Sleep-Modus, glaubt man dem offiziellen Datenblatt. Der 1.000 mAh fassende Akku ist in weniger als zwei Stunden wieder bei 100 Prozent, hierfür genügt eines der massenhaft erhältlichen Netzteile mit 5 V und 2A (oder ein USB-Port am PC).

Fazit

Für mich gibt es drei ausschlaggebende Gründe, um jemanden den Kauf eines FiiO M3 Pro zu empfehlen: die Verarbeitung/Design, den ausgezeichneten Sound für den Preis und die USB-DAC-Funktion. Ein weiterer Punkt geht an den vorzüglichen Firmware-Support des M3 Pro durch den Hersteller.

Manch einer vermisst Bluetooth-Support im M3 Pro, aber ich hätte lieber eine Schutzhülle und ein Paar Earbuds - nichts Teures, nur damit DAP-Einsteiger gleich durchstarten können. Ein guter Tausch wäre für mich auch das USB-Kabel gegen eine Schutzhülle. Das Interface sieht toll aus, trotzdem würde ich mir mehr Themes wünschen - oder wenigstens die Möglichkeit eigene Hintergrundbilder hinzuzufügen, nach Custom-Icon-Paketen zu fragen wäre wohl zuviel des Guten? Einige Textpassagen sind noch immer auf Chinesisch, obwohl Englisch als Sprache ausgewählt ist. Kein großes Ding, das nächste Update könnte sich dem aber dennoch gerne annehmen. Zu guter Letzt wünsche ich mir weitere Verbesserungen bei der Geschwindigkeit von Touchaktionen auf dem Bildschirm und der Bildbetrachter sollte endlich das Zoom-In beherrschen.

Trotz der kleineren Unzulänglichkeiten gehe ich soweit zu sagen, dass FiiO mit dem M3 Pro auf Gold getroffen hat. Dieses 70 Gramm leichte Gerät ist ein ausgezeichnetes DAP, ein sehr gutes USB-DAC und zudem ein simpler E-Book-Reader, Taschenrechner und etwas sinnloser Bildviewer. Ist es das beste DAP/USB-DAC für unter 200 Euro? Wenig überraschend ist die Antwort hier negativ. Ist es seine 99 Euro wert (abhängig vom Händler, womöglich bekommt man sogar die FiiO F1 Earbuds dazu)? Ohne jeden Anflug von Zweifel, JA!

Disclaimer: Der Autor dieses Hands-On hat das FiiO M3 Pro kostenlos von FiiO zum Zwecke der Testung bekommen.

Quelle

FiiO (offizielle Produktseite)

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Autor: Codrut Nistor,  6.11.2020 (Update:  6.11.2020)
Codrut Nistor
Editor of the original article: Codrut Nistor - News Editor
Obwohl ich seit fast einem Jahrzehnt über neue Software und Hardware schreibe, betrachte ich mich selbst als Anhänger der alten Schule. Ich höre noch immer gern Musik auf CD oder Kassette statt digitaler Dateien und verweigere mich weiterhin der Debatte Touchscreen vs. physische Tasten. Ich bin seit 2013 Mitglied der Notebookcheck-Crew.
Christian Hintze
Translator: Christian Hintze - Editor
Aus Interesse an Computer-Spielen habe ich ein Informatikstudium begonnen, bin dann doch Diplom-Psychologe geworden, aber den Spielen und der Hardware treu geblieben. Z.B. beim Auslandsjahr in London als Spieletester bei Sega. In meiner Freizeit finde ich neben PC-Spielen Ausgleich beim Sport (mittlerweile vorwiegend Hallenfußball und meinem Kleinkind hinterher laufen), Gitarre spielen und Bambusräder bauen (na gut, bisher nur ein einziges unter Anleitung).