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Die neue Mercedes S-Klasse zwischen Vision und Bürokratie – Autonomes fahren nicht für Privatkunden

Die neue S Klasse Stuttgart 2026 Hightechsilber metallic AMG Line
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Die neue S Klasse Stuttgart 2026 Hightechsilber metallic AMG Line
Mercedes-Benz hat zum 140. Jubiläum des Automobils die neue S-Klasse enthüllt. Dank einer Partnerschaft mit Nvidia ist die Limousine in der Lage, komplett autonom nach Level 4 zu fahren. Die Gesetzeslage in Deutschland und Europa bremst den Traum vom autonomen Privatfahrzeug aber aus.

Die Präsentation von Mercedes-Benz mit Nvidia-CEO Jensen Huang ließ keinen Zweifel an den technischen Ambitionen der Stuttgarter. Die neue S-Klasse kommt mit der Nvidia-Plattform Hyperion, die speziell für hochautomatisiertes Fahren entwickelt wurde. Das Fahrzeug verfügt damit über die notwendige Rechenpower und, was noch wichtiger ist, über vollständige Redundanz bei kritischen Systemen wie Lenkung, Bremsen und Energieversorgung. Diese sogenannte "Failsafe Operation" ist die technische Grundvoraussetzung, damit ein Computer die volle Kontrolle übernehmen darf. Rein technisch könnte die S-Klasse also komplexe Verkehrssituationen autonom bewältigen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss, auch wenn ein Teil der Rechenhardware ausfällt. Die neue S-Klasse ist Level 4 ready. Das Auto kann komplett ohne Fahrer durch den Verkehr.

In der Realität deutscher Straßen sieht die Sache jedoch anders aus. Zwar hat Deutschland mit dem Gesetz zum autonomen Fahren bereits 2021 einen rechtlichen Rahmen geschaffen, dieser ist aber extrem eng gesteckt. Level 4 ist hierzulande aktuell nur in streng definierten Betriebsbereichen (ODD) erlaubt und erfordert meist eine technische Aufsicht, die von außen eingreifen kann. Das Szenario, dass sich ein Privatkunde in seine S-Klasse setzt und sich schlafend von München nach Berlin fahren lässt, ist rechtlich auf absehbare Zeit nicht vorgesehen. Die Hürden für eine flächendeckende Zulassung ohne Geofencing sind in Europa nach wie vor enorm hoch.

Mercedes-Benz ist sich dieser Diskrepanz bewusst und positioniert die S-Klasse daher strategisch zweigleisig. Für den Privatkunden bleiben vorerst die bekannten Level-2-Assistenzsysteme und das bereits zugelassene Level-3-System "Drive Pilot", das aber nur unter bestimmten Bedingungen wie Stau auf der Autobahn genutzt werden darf. Die volle Level-4-Fähigkeit wird dagegen primär über Flottenlösungen ausgespielt. Die angekündigte Partnerschaft mit Uber zielt genau darauf ab: Robotaxi-Dienste in definierten Zonen anzubieten, wo Genehmigungen leichter zu erhalten sind.

Der technologische Vorsprung muss sich also zunächst ein neues Spielfeld suchen. Während die Testflotten noch in diesem Jahr in Abu Dhabi starten sollen, wo die Regulierungen flexibler sind, bleibt die neue S-Klasse in Deutschland vorerst ein technischer Riese in rechtlichen Fesseln. Das Auto ist bereit für die Zukunft, die europäische Bürokratie arbeitet noch daran.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-01 > Die neue Mercedes S-Klasse zwischen Vision und Bürokratie – Autonomes fahren nicht für Privatkunden
Autor: Marc Herter, 31.01.2026 (Update: 31.01.2026)