Ein Erbeben der Stärke 8,8 erschütterte am 29. Juli die russische Halbinsel Kamtschatka. Dieses Erdbeben löste einen Tsunami aus, den das sogenannte Guardian-System der NASA frühzeitig erkennen konnte. Guardian (GNSS Upper Atmospheric Real-time Disaster Information and Alert Network) ist eine experimentelle Technologie, die am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA entwickelt wird. Sie funktioniert, indem sie Daten von den über 350 GNSS-Bodenstationen (Globales Navigationssatellitensystem) weltweit analysiert.
Nähert sich ein Tsunami, drückt die Meeresoberfläche gegen die darüberliegende Luft. Diese Luft steigt bis in die Ionosphäre auf und verursacht dort eine Störung. Wird die Ionosphäre gestört, werden die Signale des GNSS verzerrt. Genau diese Verzerrung erkennt Guardian. Interessanterweise kann Guardian Anzeichen eines sich bildenden Tsunamis potenziell bis zu 1.200 Kilometer von einer GNSS-Station entfernt erkennen. Guardian kann die entsprechenden Daten innerhalb von etwa zehn Minuten verarbeiten. Die schnelle Reaktion gibt den Experten ausreichend Zeit, um unnötigen Verlust von Menschenleben und Eigentum zu verhindern.
Bei diesem jüngsten Tsunami bestätigte Guardian die Anzeichen 30 bis 40 Minuten, bevor die Wellen Hawaii und andere Pazifikküsten tatsächlich erreichten. Dem Guardian-System wurden vor dem Tag des Tsunamis ein KI-System (Künstliche Intelligenz) und ein Prototyp eines Nachrichtensystems hinzugefügt.
Während das KI-System dabei half, nach Tsunami-Mustern zu scannen, sendete das Nachrichtensystem Warnungen an Experten. Bill Fry, der Vorsitzende des technischen Gremiums der Vereinten Nationen, das das zirkumpazifische Tsunami-Überwachungssystem bewertet, bezeichnete Guardian als Teil eines „Paradigmenwechsels“. Guardian soll bestehende Frühwarnsysteme ergänzen und die Tsunami-Vorhersage verbessern.
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Bildquelle: Markus Kammermann














