Neues Elektromotorrad Flying Flea C6: Royal Enfield setzt auf geschmiedete Aluminium-Trapezgabel – Retro-Design trifft auf Snapdragon-Chip

Mit der Einführung der Flying Flea C6, dem "fliegenden Floh", positioniert der indische Hersteller Royal Enfield seine neue, gleichnamige Submarke Flying Flea dezidiert im Segment der Premium-Elektromotorräder. Die Marke, die im Rahmen der EICMA in Mailand erstmals vorgestellt wurde, reanimiert das Erbe des legendären, leichten Motorrads RE 125 "Flying Flea" aus den 1940er Jahren, das im Zweiten Weltkrieg per Fallschirm abgeworfen wurde. Ziel von Royal Enfield ist es, laut Hersteller, ein wendiges, leichtgewichtiges und nachhaltiges Zweirad für den sogenannten "City+"-Einsatz zu schaffen, das sich durch Authentizität und fortschrittliche Technologie vom Wettbewerb abheben soll.
Retro-Chassis als konstruktives Merkmal
Die technische Architektur der Flying Flea C6 demonstriert eine beabsichtigte Synthese aus Tradition und Ingenieurskunst der Gegenwart. Das augenfälligste konstruktive Element ist die Frontaufhängung, die eine Hommage an die Vorkriegszeit darstellt: eine geschmiedete Aluminium-Trapezgabel (Girder Fork) mit einem eleganten Design, das das ursprüngliche "Rubber Band"-Federungsschema zitiert. Diese Entscheidung für eine aufwendige Trapezgabel anstelle einer konventionellen Teleskopgabel dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern unterstreicht auch den Leichtbau-Ansatz. Dieser wird durch einen geschmiedeten Aluminiumrahmen und ein Magnesium-Batteriegehäuse konsequent fortgesetzt. Letzteres dient neben der Gewichtsersparnis gleichzeitig zur passiven Kühlung des Akkupakets.
Software-Defined Vehicle (SDV) im Zentrum
Die digitale Architektur des Motorrades stellt eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte dar. Kernstück ist die zentrale Fahrzeugsteuereinheit (VCU), die sämtliche physischen und digitalen Schnittstellen integriert. Angetrieben wird diese Einheit von einem speziell entwickelten Snapdragon QWM2290 SoC (System-on-Chip). Dieses Detail etabliert die Flying Flea C6 als ein Software-Defined Vehicle (SDV).
Diese komplexe Systemintegration ermöglicht laut dem Hersteller nicht nur Over-The-Air (OTA)-Updates, sondern auch eine beispiellose Feinjustierung des Fahrerlebnisses. Über die VCU können Tausende von möglichen Fahrmodi-Kombinationen konfiguriert werden, die individuell auf Parameter wie Ökonomie, Komfort oder gesteigerten Fahrspaß abgestimmt sind. Die VCU soll auch die Fernüberwachung des Bikes ermöglichen, eine Funktion, die im urbanen Raum einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn bieten könnte.
Offene Fragen zur Performance und Verfügbarkeit
Die Markteinführung der Flying Flea C6 wird für das erste Quartal 2026 erwartet. Trotz der detaillierten Angaben zur Chassis- und Elektronikarchitektur bleiben die exakten technischen Daten zur Batteriekapazität und der daraus resultierenden Reichweite noch unveröffentlicht. Schätzungen legen nahe, dass die Performance des E-Antriebs in etwa dem Niveau eines Verbrennermotorrades der 125- bis 150-Kubikzentimeter-Klasse entsprechen dürfte. Das Motorrad ist somit primär für das genannte "City+"-Umfeld konzipiert.
Zur Sicherheitsausstattung zählen ein TFT-Runddisplay zur Datenanzeige sowie moderne Assistenzsysteme wie Kurven-ABS und eine Traktionskontrolle. Die geplante Ergänzung der Modellpalette durch die S6 Scrambler, eine geländetauglichere Version der C6, deutet auf einen langfristigen Aufbau der E-Marke hin. Angesichts der Premium-Ausstattung und der aufwendigen Konstruktionselemente wie der geschmiedeten Trapezgabel ist eine Platzierung im oberen Preissegment zu erwarten. Die tatsächliche Akzeptanz des Modells wird maßgeblich davon abhängen, ob die finale, noch zu publizierende elektrische Reichweite die Erwartungen an ein "City+"-Fahrzeug erfüllen kann.













