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OnePlus 5: Erste Tests fallen durchaus widersprüchlich aus (Update)

Das OnePlus 5 spaltet die Tech-Community. Ist es wirklich so gut, wie OnePlus verspricht?
Das OnePlus 5 spaltet die Tech-Community. Ist es wirklich so gut, wie OnePlus verspricht?
(Update) Gestern hat OnePlus sein neues Flaggschiff vorgestellt und wenige Stunden danach gibt es bereits unzählige Tests und Reviews auf Basis vorab verteilter Testgeräte. Wie gut ist das Gerät tatsächlich? Erreicht es das Niveau von Galaxy S8 oder iPhone 7 Plus? Videos von Youtubern sowie ein kurzer Überblick über die Meinungen der Tester findet ihr hier zusammengefasst.

Tatsache ist, das OnePlus 5 kostet mit 500 oder 560 Euro, je nach Speicherausstattung ungleich mehr als die beiden Vorgänger, die für 400 beziehungsweise 440 Euro erhältlich waren. Damit rutscht OnePlus bereits in einen Preisbereich der von Huawei's P10 beziehungsweise dem Galaxy S7 aus dem Vorjahr dominiert wird. Auch das Galaxy S8 ist im Moment bereits um 100 Euro mehr als das voll ausgestattete OnePlus 5 zu haben, allerdings nur mit der halben RAM- und Speicherkapazität. Es macht also durchaus Sinn, zu hinterfragen ob OnePlus mit ihrem neuesten Flaggschiff tatsächlich mehr Qualität für weniger Geld bieten oder ob die namhafte Konkurrenz nicht doch Vorteile hat.

Das haben sich durch die Bank auch die ersten Tester des OnePlus 5 gefragt, und sind dabei zu recht unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Ihre Analyse basiert auf Testgeräten, die sie vorab erhalten haben. Bis Notebookcheck also mit einem ausführlichen Test zum OnePlus 5 online geht, hier ein kurzer Überblick über die ersten Meinung der Kollegen aus aller Welt. Auch JerryRigEverything hatte das OnePlus 5 bereits in seiner Folterkammer, wie gut sich die Hardware gegen Kratzer und Feuer schlägt, seht ihr unten im Video zusammen mit zwei Kameravergleichen zwischen OnePlus 5 und Galaxy S8 sowie iPhone 7 Plus, die Youtuber erstellt haben.

The Verge, USA

Beginnen wir mit dem bis dato schärfsten Kritiker des OnePlus 5, The Verge aus den USA. Obwohl Vlad Savov den neuen Reading Mode und insbesondere die Performance des OnePlus 5 im Alltag lobt - im Vergleich zum Galaxy S8 sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung gefallen, meint er - vernichtet der Test insbesondere die im Vergleich zum OnePlus 3T verbesserte Kamera des Testgeräts als "Failure" also als Niete. Im Detail kritisiert Vlad den Portrait-Modus der im Vergleich zum iPhone 7 Plus meistens nicht korrekt funktionieren und unrealistisch wirkende Bilder produzieren soll. Auch das Fehlen der optischen Bildstabilisierung und die schlechte Bildqualität in Low-Light-Situationen, insbesondere mit der 20 Megapixel-Linse mit F/2.6 Blende wird im Test verurteilt.

Zudem sei das OnePlus 5 nicht wasserdicht, biete kein Wireless Charging und unterstützte weder die Netze von Sprint noch Verizon in den USA, da CDMA nicht an Bord sei. Auch die dicken Ränder oben und unten gefallen Vlad weniger gut. Das Fazit des Testers: Wenn das OnePlus 5 nicht mehr kosten würde als das OnePlus 3 wäre es ein tolles Gerät.

Engadget, USA

Viel freundlicher dagegen die Meinung der anderen Kollegen aus den USA. Engadget-Tester Chris Velazco findet zwar ebenfalls Kritikpunkte, beispielsweise das proprietäre Dash Charge-Protokoll, das nur mit den Kabeln und Ladegeräten des Herstellers funktioniert oder die Tatsache, dass kein Micro-SD-Kartenslot zur Speichererweiterung vorhanden ist - im Großen und Ganzen konstatiert Chris aber ein gutes Preis/Leistungsverhältnis, trotz der höheren Kosten im Vergleich zu den Vorgängern. Gelobt wird am OnePlus 5 insbesondere das OxygenOS-Betriebssystem, das kaum Bloatware vorinstalliert und mit der Secure Box, dem Do-Not-Disturb-Mode für Gamer und dem Reading-Mode sinnvolle Ergänzungen zu Stock Android bietet. 

Das 5,5 Zoll Full-HD-AMOLED-Display sei gut unter direktem Sonnenlicht ablesbar, zudem habe OnePlus an der Soundqualität bei der Aufnahme gefeilt. Im Vergleich zum Vorgänger bietet das OnePlus 5 bessere Audioqualität bei Videoaufnahmen, was man durchaus auch in den verlinkten Youtube-Videos unten bemerkt. Im Gegensatz zu The Verge hat Engadget keine Probleme mit der Dual-Kamera und dem Portrait-Modus, die Kamera funktioniert "very well", also sehr gut, mein Chris in seinem Testfazit. Im Detail sei insbesondere bei Aufnahmen der 20 Megapixel Telefoto-Linse aber vermehrt Rauschen zu sehen.

Golem, Deutschland

Dieses Rauschen sieht auch Ingo Pakalski, der das OnePlus 5 bereits für Golem unter die Lupe genommen hat. Vor allem bei Innenaufnahmen gefällt dem Tester die Kamera im billigeren Vorgängermodell OnePlus 3T besser, weil es weniger Artefakte und Rauschen gäbe, die allerdings nur in der Vergrößerung wirklich stören. Im Großen und Ganzen hat Ingo mit der Dual-Cam im OnePlus 5 keine Probleme. Auch der Portrait-Modus mit seinem künstlich erzeugten Bokeh-Effekten hat im Test gut funktioniert. 

Das Display ist auch für Golem hell genug im Sonnenlicht und kann in dunklen Umgebungen auch entsprechend verdunkelt werden. Den dreistufigen Alarmschalter findet Ingo sehr praktisch. Das Betriebssystem liefert eine hohe Performance und lässt sich bis ins Detail konfigurieren, die Akkulaufzeiten fallen solide und deutlich besser als beim Sony Xperia XZ Premium aus, welches den gleichen Prozessor und gleich hohe Akkukapazität hat. Das liegt wohl am deutlich niedriger auflösenden Display im OnePlus 5. Auch für Ingo schrumpft allerdings der Preisvorteil im Vergleich zur Konkurrenz, vor allem wenn die hochpreisigen Konkurrenzmodelle billiger werden, das OnePlus 5 aber wegen des Direktvertriebs im Preis stabil bleibt.

GSMArena, Bulgarien

Die Kollegen von GSMArena haben viel Zeit damit verbracht, die unterschiedlichen Kamera-Modi insbesondere in Bezug auf Video und Bildstabilisierung auszuprobieren und verraten uns einige Details, die vor allem für Videographen interessant sein könnten. Wir wissen bereits, dass das OnePlus 5 keine optische Bildstabilisierung bietet, die elektronische Variante EIS funktioniert aber nur bis zu 1080p-Aufnahmen mit 30 fps. Darüber hinaus, also bei [email protected] oder bei 4K-Aufnahmen wirken Videoaufnahmen mit dem OnePlus 5 zwar laut GSMArena superb und detailreich, allerdings bei Bewegungen stark verwackelt. EIS selbst funktioniert bei [email protected] gut, beim Schwenken gäbe es allerdings Ruckler zwischendurch. 

Die Bildqualität der 16 Megapixel-Linse gefällt den Testern sehr gut, obwohl auch sie etwas mehr Rauschen erkennen, die 20 Megapixel Telefoto-Linse wird aber auch bei GSMArena aufgrund des nochmals erhöhten Grundrauschens kritisiert, das liegt wohl an der mit 1,0 um recht kleinen Pixelgröße des Sensors. Die fehlende Widerstandsfähigkeit gegen Wasser sowie der nicht integrierte Micro-SD-Kartenslot sind für GSMArena sehr bedauerlich. Die gute Akkulaufzeit, das rasante Stock Android mit den sinnvollen Erweiterungen und das von Apple inspirierte Design gefallen aber. Im sRGB oder DCI-P3-Modus mögen die Tester auch die Helligkeit und Farbtreue des AMOLED-Displays obwohl sie schon bessere gesehen haben, QHD-Auflösung wäre nett gewesen, sagen sie.

MobileGeeks, Taiwan

Gerade fertig wurde der Testbericht von MobileGeeks, der diesmal kurz und bündig die jeweiligen Vor- und Nachteile des OnePlus 5 je Kategorie zusammenfasst. In Punkto Design sieht Nicole von MobileGeeks vor allem Ähnlichkeiten mit dem Oppo R11, was auch uns schon im Vorfeld aufgefallen ist. Die Verarbeitung der Hardware sei hochwertig meint sie, zudem liegt das Gerät gut in der Hand. Dass der USB-C-Port allerdings wie schon beim Vorgänger nur USB 2.0-Geschwindigkeit bietet, gefällt ihr weniger. Der mit Keramikschutz überzogene Fingerabdrucksensor im Home Button ist schnell und verlässlich, schreibt MobileGeeks.

Nicht 100 prozentig zufrieden ist die Testerin mit den Kameras. Während die frontseitige 16 Megapixel-Linse uneingeschränkt für Selfies zu empfehlen ist und auch Selfie-Videos gut stabilisiert, fallen die Ergebnisse der dualen Hauptkamera je nach Szenerie unterschiedlich aus. Zum Portrait-Modus will MobileGeeks noch kein endgültiges Urteil fällen, hier bedarf es wohl noch einiger Software-Updates bis er uneingeschränkt empfohlen werden kann. Die schon von anderen Testern kritisierte 20 Megapixel-Telefoto-Linse zeigt aber auch in den Beispielfotos von MobileGeeks ihre Grenzen auf, vor allem bei schlechten Lichtbedingungen. Während Landschaftsaufnahmen bei gutem Licht hervorragend aussehen, lassen Makro-Aufnahmen in punkto Schärfe noch zu wünschen übrig. 

Voll des Lobes ist Nicole über OxygenOS, die Android-Oberfläche von OnePlus. Es gibt jede Menge sinnvoller Erweiterungen und Einstellungsmöglichkeiten, auf unnötige Bloatware wurde dagegen verzichtet. Die Ergebnisse der Akkulaufzeiten fallen etwas schlechter aus als bei den Kollegen. Während manche Tester durchaus bis zu 6 Stunden On-Screen-Time erreicht haben, war bei Nicole nach 4,5 Stunden OST Schluss. Mit dem Dash Charge-Netzteil war das Gerät nach 90 Minuten aber wieder zu 100 Prozent geladen, das schaffen allerdings auch andere Hersteller.

Youtube

Natürlich gibt es kurz nach dem Launch des OnePlus 5 auch bereits jede Menge Vergleichstests und Hands-On-Videos von Youtubern aus aller Welt. Wir haben hier drei stellvertretend verlinkt. Eines widmet sich der Widerstandsfähigkeit des Gehäuses gegenüber Kratzern, Feuer oder dem unabsichtlichen Verbiegen des Gehäuses. JerryRigEverything hat seine übliche Testprozedur auch am OnePlus 5 durchgezogen, wie man sieht hält sich das neue Gerät aus China durchaus wacker. 

Die beiden letzten Videos widmen sich der Kamera- und Videoqualität im Vergleich zu iPhone 7 Plus und Galaxy S8, die beide zwar deutlich teurer sind, mit denen sich aber auch OnePlus selbst immer wieder mehr oder weniger explizit vergleicht. Nachdem OnePlus beim neuen Flaggschiff vor allem die Kamera im Fokus hatte, ist es also nur fair, diesbezüglich ein paar Vergleiche anzustellen, wir wollen sie unkommentiert für sich stehen lassen.

Updates

21.06.2017 15:00 Test von MobileGeeks wurde noch mit aufgenommen.

Quelle(n)

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Autor: Alexander Fagot, 21.06.2017 (Update: 21.06.2017)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.