Der Markteintritt des Perplexity Comet Browsers markiert einen Paradigmenwechsel in der Landschaft der Web-Clients. Perplexity, bisher vor allem für seinen KI-gestützten Suchdienst bekannt, erweitert sein Portfolio um eine auf Chromium basierende Anwendung, die eine enge Verzahnung von Browsing und generativer Künstlicher Intelligenz (KI) anstrebt. Während die Basisversion des Comet Browsers kostenlos verfügbar ist und Funktionen wie Websiten-Zusammenfassungen via Seitenleisten-Assistent bietet, entfaltet das Produkt seine tatsächliche Leistungsfähigkeit erst mit einem Perplexity Pro Abonnement, in welchem Comet Plus integriert ist.
Comet Agent: Autonome Web-Aktion als Sicherheitsrisiko?
Die zentrale, kritisch zu bewertende Komponente ist die sogenannte agentische KI, die in der Pro-Version unter der Bezeichnung Comet Agent firmiert. Laut Herstellerangaben soll dieser Agent in der Lage sein, komplexe Prozesse im Internet selbstständig durchzuführen. Dazu zählen beispielsweise das Buchen von Flügen und Hotels, das Ausfüllen von Formularen oder sogar das Tätigen von Einkäufen. Die zugrundeliegende Technologie integriert fortschrittliche Modelle wie das hauseigene "Sonar" sowie OpenAIs GPT-5.
Diese autonome Navigationsfähigkeit, welche traditionelle Browserfunktionalitäten (Navigieren, Suchen, Kontextwechsel) in einen intelligenten Workflow überführt, erfordert weitreichende Berechtigungen und tiefe Systemintegration. Perplexity betont, dass Sicherheit und Datenschutz im Vordergrund stünden, indem Daten lokal gespeichert würden und „überlappende Sicherheitsebenen“ zum Einsatz kämen. Dennoch weisen Sicherheitsexperten wie LayerX auf erhebliche neue Angriffsvektoren hin, die sich aus der agentischen Natur des Browsers ergeben. Die Fähigkeit, auf Befehl hin sensible Aktionen auszuführen, macht Comet zu einem potenziellen Einfallstor für Prompt Injections und Phishing-Angriffe, bei denen der KI-Agent ungewollt Befehle von Dritten ausführt. Die Nutzer sind demnach aufgerufen, stets wachsam zu bleiben und die Aktionen des Agenten kritisch zu überwachen.
Comet Plus: Legaler Zugang zu Paywalls via Kooperation
Der wohl aufsehenerregendste Aspekt, der den Comet Browser von der Konkurrenz abhebt, ist die Funktion Comet Plus. Dabei handelt es sich um ein gesondertes Abo-Angebot, oder integriert in Perplexity Pro, das in Kooperation mit Verlagen den legalen Zugang zu Artikeln hinter Bezahlschranken ermöglicht. Anstatt die Paywalls zu umgehen, setzt Perplexity auf ein Lizenzierungsmodell, bei dem Verlage für die Nutzung ihrer Inhalte im Kontext des Browsers entschädigt werden. Dies stellt einen direkten Versuch dar, die traditionelle Ökonomie des digitalen Journalismus an das Zeitalter der KI anzupassen.
Zum Start umfasst die Partnerliste laut Perplexity prominente US-amerikanische und französische Medien, darunter die Washington Post, CNN, Wired und Le Monde. Deutsche Medienhäuser sind in der initialen Aufzählung aktuell nicht enthalten, was die geografische Relevanz der Funktion für den deutschsprachigen Raum derzeit noch limitiert. Angesichts der Tatsache, dass Perplexity Pro – und damit Comet Plus – derzeit in einer Kooperation mit PayPal für ein Jahr gratis angeboten wird, unternimmt das Unternehmen aggressive Schritte, um seine Nutzerbasis rasch zu skalieren.
Ausblick
Der Perplexity Comet Browser ist somit nicht nur ein neues Tool, sondern eine konzeptionelle Neudefinition des Browsing-Erlebnisses, die sich in direkten Wettbewerb mit etablierten KI-Browser-Konzepten wie Opera Neon stellt. Die Kombination aus agentischer KI und einem legalen Paywall-Zugangsmodell ist technisch ambitioniert, wirft aber zugleich komplexe Fragen hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz auf, welche die Nutzer vor der vollständigen Delegation ihrer Web-Aktivitäten an den Agenten sorgfältig abwägen müssen.














