Es ist beinahe schon eine bittere Erkenntnis, die Polens Verteidigungsministerium ereilt hat: Elektrofahrzeuge aus China könnten zu Spionagezwecken missbraucht werden. Ausgestattet mit Kameras, Lidar, Mikrofonen und anderen Sensoren, können die Fahrzeuge ihre Umgebung ganz genau erfassen. Auch der Innenraum moderner Fahrzeuge ist nicht weniger exponiert. Gespräche, biometrische Daten und Fahrverhalten könnten aufgezeichnet werden. Chinesische Hersteller sind laut dem chinesischen Nationalen Aufklärungsgesetz (2017) gesetzlich verpflichtet, mit den staatlichen Nachrichtendiensten zu kooperieren und Daten herauszugeben, wenn dies verlangt wird. Es besteht also die Gefahr, dass die von chinesischen Autos in Europa gesammelten Daten (Standorte, Videos, Töne) an chinesische Behörden weitergeleitet werden könnten.
Die Fahrzeuge eignen sich zum Mapping, also der Erstellung hochauflösender Karten von kritischer Infrastruktur oder militärischen Einrichtungen. Sie eignen sich auch zum Tracking von wichtigen Personen. Entweder, weil sie als Insassen im Fahrzeug sitzen, oder weil ein ganzes Netzwerk aus Fahrzeugen Kennzeichen überwacht.
Als Konsequenz hat Polen kürzlich begonnen, chinesischen Elektroautos (und teilweise auch Teslas) die Zufahrt zu militärischen Stützpunkten und sensiblen Arealen zu untersagen. In besonders sensiblen Bereichen dürfen solche Fahrzeuge auch nicht mehr gepart werden. China selbst beschränkt seit Jahren den Zugang von ausländischen "Smart Cars" (wie Tesla) zu seinen eigenen Regierungs- und Militärkomplexen aus genau denselben Sicherheitsbedenken. Zudem dürfen Diensthandys nicht mehr mit chinesischen Fahrzeugen verbunden werden. Die Maßnahmen entsprechen den Forderungen von Paulina Uznańska die mit ihrem Bericht „Smartfony na kółkach” für Aufsehen gesorgt hat.
Wie umfangreich die Daten sind, welche von vernetzten Elektroautos gesammelt werden, hat Ende 2024 der CCC offengelegt. Beim 38. Chaos Communication Congress wurde eine Sicherheitslücke beim Volkswagenkonzern gezeigt, die eine vierstellige Zahl von Polizisten, Geheimdienstmitarbeitern und Soldaten exponiert hatte. Rund 800.000 Fahrzeuge waren insgesamt betroffen. Je nachdem, wie der elektronische Zugang zu europäischen Fahrzeugen gesichert ist, müsste man also auch darüber nachdenken, diese für entsprechende Gebiete zu sperren. Am besten wäre es, wenn Fahrzeuge erst gar nicht dauerhaft mit Netzwerken verbunden wären und keine Datensammelwut an den Tag legten.







