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Sony „konnte sie bestrafen“ – Ex-Xbox-Manager über Japans Spieleindustrie zur PS2-Zeit

Ein Screenshot des Fehlerbildschirms von Sonys PlayStation 2 beim Lesen einer Disc.
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Ein Screenshot des Fehlerbildschirms von Sonys PlayStation 2 beim Lesen einer Disc.
Laut Ed Fries, ehemaligem Publishing-Manager bei Microsoft, traf Xbox’ Vorstoß in den japanischen Markt Anfang der 2000er Jahre auf eine vorsichtige Spieleindustrie der PlayStation 2-Ära. Viele Publisher zögerten demnach, Microsoft öffentlich zu unterstützen, obwohl es hinter den Kulissen durchaus Interesse und Verhandlungen über große Franchises gab. Fries behauptet, dass Sonys Marktmacht es dem Unternehmen ermöglicht habe, Partner zu „bestrafen“ (wenn man das wollte) – etwa durch verzögerte Entwicklerkits oder reduzierte Marketingunterstützung. Einige Firmen wie Tecmo hätten hingegen auf Xbox-Exklusivtitel gesetzt, um das zu begrenzen, was sie als eine Art Monopol wahrnahmen.

In einem kürzlichen Interview anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von Xbox sprach der ehemalige Microsoft-Manager Ed Fries über seine Schwierigkeiten, Anfang der 2000er Jahre im japanischen Markt Fuß zu fassen. Fries, der zur Hochphase der ersten Xbox als VP für Game Publishing tätig war, wollte japanische Studios und Entwickler auf die Plattform holen. Er erklärt, dass er große Franchises wie Final Fantasy für Xbox sichern wollte und sogar Gespräche mit Führungskräften von Square Enix führte, Sony den japanischen Videospielmarkt aber weiterhin fest im Griff behielt.

Im Interview erinnert sich Fries, wie er damals mit Square und anderen japanischen Publishern in Gesprächen war, um Deals abzuschließen, die Microsoft einen Einstieg in den japanischen Markt ermöglichen sollten.

Einige japanische Studios zeigten echtes Interesse daran, ihre Spiele für Xbox zu veröffentlichen, doch viele Gespräche blieben vage und eher unverbindlich. Sony hatte sich bereits als dominierende Kraft im japanischen Videospielmarkt etabliert. Viele Publisher gingen entsprechend vorsichtig vor, um nicht von der äußerst erfolgreichen PlayStation-Plattform ausgeschlossen zu werden.

Eine risikoscheue Publishing-Branche

Im Interview mit Expansion Pass sagt Ed Fries: „Mit einigen konnten wir Deals abschließen, mit anderen nicht. Sie (Xbox) konnten nach meinem Weggang noch einige Vereinbarungen mit Square Enix treffen. Die Diskussionen waren aber stets schwierig, weil sie zwar wollten, dass Sony Konkurrenz bekommt, ihre Unterstützung für Xbox aber nicht offen zeigen konnte. Es durfte nicht zu offensichtlich sein, dass sie Xbox unterstützen.“

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die PlayStation 2 war in ihrer Hochphase ein Gigant im Konsolenmarkt und festigte ihren Status als meistverkaufte Spielkonsole aller Zeiten – mit weltweit über 160 Millionen ausgelieferten Einheiten.

Die PS2 und die Marke PlayStation insgesamt waren in Japan praktisch die unangefochtenen Könige des Videospielmarkts. Viele japanische Studios und Publisher fürchteten, dass ein Ausscheren aus der Reihe ernsthafte Konsequenzen seitens Sony nach sich ziehen könnte.

Fries erklärt: „Sony konnte sie bestrafen, wenn sie es wollten“. Das Unternehmen konnte etwa Entwicklerkits verzögert bereitstellen oder Marketingmaßnahmen und Unterstützung für ihre Spiele zurückfahren, sie der ehemalige Microsoft-Manager.

Einige japanische Publisher gingen dieses Risiko jedoch ein. Tecmo brachte beispielsweise Dead or Alive 3 und Dead or Alive 4 bewusst exklusiv für Xbox heraus.

Fries kommentierte dazu: „Sie haben das teilweise getan, um Sony zu schwächen, weil sie wollten, dass es Konkurrenz gibt. Andernfalls entsteht ein Monopol – und Monopole machen bekanntlich einfach, was sie wollen.“

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-04 > Sony „konnte sie bestrafen“ – Ex-Xbox-Manager über Japans Spieleindustrie zur PS2-Zeit
Autor: Rahim Amir Noorali, 14.04.2026 (Update: 14.04.2026)