Tschüss Google: EU-Parlament macht Qwant zur Standard-Suchmaschine

Ab diesem Donnerstag erhalten EU-Abgeordnete, die eine Suchanfrage in die Adressleiste von Firefox oder Edge eingeben, keine Google-Ergebnisse mehr. Das Europäische Parlament stellt seine Standard-Suchmaschine auf Qwant um, einen französischen Konkurrenten, der laut einer internen E-Mail, über die Euractiv berichtet hat, verspricht, Nutzer nicht zu tracken und keine personenbezogenen Daten zu sammeln.
Der Schritt wirkt klein, hat aber hohe Symbolkraft. Google kontrolliert rund 90 Prozent des europäischen Suchmarkts, und EU-Institutionen nutzen in großem Umfang US-Software, Microsoft Office gehört dabei zu den wichtigsten Beispielen. Das Parlament stellt den Wechsel als Teil seines Engagements für "digitale Souveränität" dar, auch das Timing ist kein Zufall: Die Umstellung kommt einen Tag, nachdem die Europäische Kommission ein ganzes Paket an Vorschlägen vorgestellt hat, mit denen die Abhängigkeit des Blocks von US-Technologiekonzernen verringert werden soll.
Ein besonders interessanter Punkt ist Qwant selbst. Das Unternehmen hat lange auf Microsofts Bing-Index zurückgegriffen, um Suchergebnisse auszuliefern, echte Unabhängigkeit sieht anders aus. Nun entwickelt Qwant gemeinsam mit der ebenfalls europäischen Suchmaschine Ecosia einen eigenen Index namens Staan. Das dürfte erklären, warum das Parlament die Entscheidung als Wette auf eigene europäische Infrastruktur getroffen hat, statt nur auf ein umbenanntes Frontend zu setzen.
Wichtig ist, dass niemand vom Netz genommen wird. EU-Abgeordnete können ihre Standardsuche weiterhin wieder auf Google oder eine andere Suchmaschine umstellen, Qwant ist lediglich die voreingestellte Option für die 720 Abgeordneten des Parlaments und Tausende Mitarbeiter.
Zudem sind zahlreiche andere Abhängigkeiten, Windows, Office, im Ausland gebaute Smartphones und E-Mail-Clients, weiterhin fest verankert.






