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Xiaomi 17 Ultra im Kamera-Check: LOFIC-Sensor und mechanischer Zoom erklärt

Kamerasystem des Xiaomi 17 Ultra
ⓘ Daniel Schmidt
Kamerasystem des Xiaomi 17 Ultra
Xiaomi hat uns nach China eingeladen, um das neue Kamera-Flaggschiff Xiaomi 17 Ultra bereits vor dem globalen Marktstart aus nächster Nähe kennenzulernen. Vor Ort konnten wir nicht nur einen Blick auf das finale Design werfen, sondern vor allem die spannende Kombination aus 1‑Zoll‑LOFIC‑Sensor und dem neuartigen mechanischen Periskopzoom in ersten Foto-Sessions ausprobieren und direkt Fragen an die Ingenieure stellen.

Das Xiaomi 17 Ultra positioniert sich klar als Kamera-Smartphone für Enthusiasten, da es zwei Technologien kombiniert, die bislang in dieser Form im Mobilbereich nicht zu finden waren: einen 1‑Zoll‑LOFIC‑Sensor in der Hauptkamera und ein mechanisches Periskopsystem mit kontinuierlichem optischen Zoom. Diese Kombination zielt ausdrücklich darauf ab, zwei der größten Schwachstellen klassischer Smartphone-Fotografie zu adressieren – den begrenzten Dynamikumfang und die häufig inkonsistente Zoom-Abbildung zwischen mehreren Brennweitenstufen.

Herzstück ist der 1‑Zoll‑Sensor, den Xiaomi in Zusammenarbeit mit Leica mit einem LOFIC‑Aufbau (Lateral Overflow Integration Capacitor) versehen hat. Während herkömmliche Smartphone-Kameras bei hohen Kontrasten auf Multi-Frame-HDR angewiesen sind, das mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen miteinander verrechnet, versucht LOFIC, den Dynamikumfang bereits auf Sensorebene zu erweitern. Dafür bestehen die Pixel aus einer eigentlichen Fotodiode und einem seitlich angekoppelten „Overflow“-Kondensator, in den überschüssige Ladung bei sehr hellem Licht abfließen kann. Beide Signale werden getrennt ausgelesen und später kombiniert. In der Praxis bedeutet das: Die Kamera muss sich bei extremen Kontrasten nicht zwischen Zeichnung in den Lichtern oder in den Schatten entscheiden, sondern kann beides innerhalb einer einzelnen Belichtung erfassen.

Der Vorteil gegenüber klassischem HDR liegt auf der Hand. Da die Szene nicht in mehrere Frames zerlegt wird, sinkt die Anfälligkeit für Ghosting und Artefakte deutlich, ein Problem, das man von vielen Nachtaufnahmen mit sich bewegenden Personen kennt. Zudem nähert sich die Live-Vorschau stärker dem fertigen Bild an, weil der Sensor selbst bereits einen Großteil des Dynamikumfangs abbildet. Wer manuell fotografiert, bekommt damit eine verlässlichere Grundlage für Belichtungskorrekturen, da das Histogramm die tatsächliche Reserven des Sensors besser widerspiegelt. In der Praxis zeigt sich die Stärke des LOFIC‑Sensors vor allem in Nacht- und Gegenlichtsituationen: Neonreklamen brennen weniger schnell aus, Straßenlaternen verlieren ihre harten Überstrahlungen, und gleichzeitig bleiben Strukturen in dunklen Fassaden oder im Schatten unter Bäumen überraschend gut erhalten.

Xiaomi kombiniert diese Sensortechnik mit einem 1‑Zoll‑Formfaktor und einem aggressiven Pixel-Binning, das effektiv sehr große „Superpixel“ erzeugt. Dadurch sinkt das Rauschen, während gleichzeitig die Detailauflösung hoch bleibt. Zusammen mit der lichtstarken Leica‑Optik ergibt sich ein Bildlook, der im besten Fall näher an das erinnert, was man von hochwertigen Kompaktkameras oder lichtstarken Systemkameras kennt, als an ein typisches Smartphone-Foto mit überzogenem HDR.

Xiaomi 17 Ultra mit mechanischem Zoom und Glaslinsen

Die zweite große Besonderheit ist das Telemodul: Statt auf mehrere gestaffelte Telekameras zu setzen, verbaut Xiaomi ein 200‑Megapixel‑Periskop mit variablem, mechanischem Aufbau. Im Inneren des Moduls verschieben sich Linsengruppen, um einen kontinuierlichen optischen Zoombereich abzudecken, der ungefähr klassischen 75 bis 100 Millimetern Kleinbild entspricht. Anders als bei vielen Konkurrenten, die zwischen 3x- und 5x‑Tele hart umschalten, lässt sich der Bildausschnitt hier stufenlos gestalten, ohne direkt in digitalen Crop zu verfallen. Im Alltag sorgt das für konsistentere Bildqualität beim Heranzoomen: Zwischen typischen Portraitbrennweiten und einem engeren 100‑mm‑Ausschnitt bleibt der optische Charakter der Bilder ähnlich, anstatt sichtbar zwischen zwei verschiedenen Modulen zu springen. Der Zoombereich ist zwar klein, aber beim Blick ins Innere des Xiaomi-Smartphones wird schnell klar, warum das so ist – es wird viel Raum benötigt. 

Die hohe Ausgangsauflösung des Tele-Sensors eröffnet zudem Spielraum für moderate digitale Erweiterungen, ohne dass feine Details sofort in Aquarellstrukturen zerfallen. Gerade im Portraitbereich wirkt die Brennweite bei 75 bis 85 Millimetern angenehm komprimierend, während 100 Millimeter eine gewisse Distanz erlauben, die sich für Street- und Detailaufnahmen anbietet. Unterstützt wird das Ganze von einem ausgeklügelten OIS‑System, das die unvermeidlichen Verwackler bei den langen Brennweiten in Grenzen halten soll.

Die Kamera des Xiaomi 17 Ultra (hier bei Amazon kaufen) versucht nicht nur, in bestehenden Disziplinen ein bisschen besser zu sein, sondern die grundlegende Bildentstehung an zwei kritischen Stellen zu verändern: beim Dynamikumfang direkt im Sensor und beim Zoom durch echte, variable Optik. Ob es damit das perfekte Werkzeug ist, hängt letztlich davon ab, wie wichtig dir Low-Light-Dynamik und ein „echtes“ Tele mit kontinuierlichem Zoom im Alltag sind.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-03 > Xiaomi 17 Ultra im Kamera-Check: LOFIC-Sensor und mechanischer Zoom erklärt
Autor: Daniel Schmidt,  9.03.2026 (Update:  9.03.2026)