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AirPods und Co: Bluetooth-Ohrhörer können gesundheitsschädlich sein

Apples AirdPods und andere Bluetooth-Ohrhörer werden als Gesundheitsrisiko kritisiert.
Apples AirdPods und andere Bluetooth-Ohrhörer werden als Gesundheitsrisiko kritisiert.
Die Nachricht schockierte die Tech-Welt vor einigen Tagen: 250 Wissenschaftler, darunter Ärzte aus Deutschland und Österreich, fordern von der WHO strengere Grenzwerte für elektromagnetische Felder - unter anderem wegen Krebsgefahr, insbesondere Bluetooth-Ohrhörer werden als neue Gefahr erkannt. Wie gefährlich sie wirklich sind, ist aber umstritten.

Apple ist maßgeblich für die starke Verbreitung von Bluetooth-Kopfhörern verantwortlich, die Entfernung des Kopfhöreranschlusses im iPhone 7 und die AirPods hatten Vorbildwirkung für die gesamte Smartphone- und Mobile-Audio-Branche - das auch öffentlich erklärte Ziel ist die Verbesserung der Funklösungen und der Abschied von als veraltet angesehenen verkabelten Kopfhörern, zumindest unterwegs mit unseren Mobilgeräten.

Betrifft nicht nur AirPods

Somit stehen die AirPods vielleicht im Mittelpunkt der aktuellen Diskussionen um die Gesundheitsgefährdung der kleinen Begleiter, ist aber natürlich nicht auf Apple beschränkt sondern gilt ebenso für alle anderen kabellosen Produkte, insbesondere jene, die nahe am Körper benutzt werden. Aktueller Auslöser der Debatte war der neuerliche Appell internationaler Wissenschaftler und Ärzte an die WHO, für mehr Sicherheit vor nicht-ionisierender EMF-Strahlung zu sorgen.

LF-EMFs auch krebserregend?

250 Unterschriften also, auch von Ärzten aus Deutschland und Österreich, die einmal mehr davor warnen, dass niederfrequente elektromagnetische Felder (künftig LF-EMF genannt), wie sie von kabellosen Produkten wie Smartphones, Routern, Smart Metern, Baby Monitoren, Bluetooth-Kopfhörern und weiteren ähnlichen Produkten ausgehen, gesundheitsschädlich sind. Konkret gewarnt wird etwa vor einem erhöhten Krebsrisiko, neurologischen Erkrankungen, zellulärem Stress, Gen-Schäden oder auch einfach nur vor dem negativen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden.

Keine eindeutigen Forschungsergebnisse

Die Forderungen, etwa nach strengeren Grenzwerten, strahlungsfreien Zonen, die Entwicklung sichererer Alternativen oder die breite Warnung der Bevölkerung sind allerdings umstritten, weil es nicht genügend eindeutige Forschungsergebnisse zu LF-EMFs gibt, jedenfalls nicht so viele wie zu RF-EMFs (Radio-Frequency) wie sie beispielsweise von Smartphones und Mobilfunkmasten ausgesendet werden. So räumt beispielsweise einer der Unterzeichner des Appells, Joel Moskowitz von der Universität in Berkeley selbst ein, dass es aktuell kaum Studien über die Gefährlichkeit von Bluetooth gäbe, nur, dass sich Strahlung im gleichen Bereich negativ auf die Gesundheit auswirken könne.

Bluetooth In-Ear-Ohrhörer problematisch?

Kenneth Foster, Professor der Bioingenieurwissenschaften an der Uni von Pennsylvania meint etwa, dass es keine klaren Beweise zu Gesundheitsrisiken gäbe, wenn die Grenzwerte (laut Bundesamt für Strahlenschutz SAR-Werte unter 2 Watt pro Kilogramm bei einem Körperteilbereich) eingehalten werden. AirPods etwa liegen mit 0,466 weit darunter. Insbesondere bei Bluetooth- In-Ear-Kopfhörern wie AirPods könnte allerdings die Lage direkt im Gehörgang problematisch sein, weil sie das Gewebe dort einer unmittelbaren Strahlung aussetzt, meint etwa Jerry Philips, ein Biochemiker der Universität Colorado Springs in einem Medium-Artikel.

EMF-Selbstest mit diversen Kopfhörern

Bei unserer Recherche sind wir auch auf einen natürlich nicht repräsentativen Selbsttest von Graham Ryan gestoßen, der an sich selbst beim längeren Einsatz von Apples AirPods ein diffuses Unwohlsein, Stimmungsschwankungen und neurologische Symptome wie Konzentrationsschwächen beobachtet hatte, was ihn dazu motivierte, mit einem EMF-Testgerät die Stärke der ausgesendeten Felder mit einigen Bluetooth- und verkabelten Kopfhörern zu testen. (Video siehe unten)

AirPods verursachen Beschwerden

Das Ergebnis in Kürze: Auch verkabelte Kopfhörer "strahlen", hier allerdings primär durch das Magnetfeld der Audiokomponenten. Die getesteten Bluetooth-Kopfhörer (Over-Ear) senden unterschiedlich starke Felder aus, verteilen sich aber Grahams Theorie zufolge auf größere Körperbereiche, weil sie nicht wie die AirPods direkt im Kopf stecken und lösen deswegen vielleicht weniger Unwohlsein aus. Möglicherweise ist also tatsächlich die Kombination aus Feldstärke und Konzentration auf den Gehörgang ursächlich für die von ihm beobachteten Beschwerden und damit eventuell ein Gesundheitsrisiko.

Lösung: Zurück zum Kabel?

Einen eindeutigen, wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhang zwischen den LF-EMFs, deren Intensität und körperlichen Auswirkungen scheint es aktuell nicht zu geben, das bedeutet allerdings nicht, dass insbesondere empfindliche oder bereits gesundheitlich angeschlagene Personen unnötige Risiken eingehen sollten. Politik und Industrie sind gefordert, mehr Geld in weitergehende Forschung zu investieren, der einzelne sollte wohl besonders gut beobachten, ob er sich mit AirPods und anderen "True Wireless In-Ears" genauso gut fühlt wie mit verkabelten Ohrhörern - falls das Mobilgerät überhaupt noch eine Klinkenbuchse hat.

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Autor: Alexander Fagot, 17.03.2019 (Update: 17.03.2019)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.