Sie sieht sehr unscheinbar aus, die Bus-Haltestelle am S-Bahnhof Jannowitzbrücke nahe der Zentrale der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Doch für die BVG ist die Haltestelle etwas Besonderes. Denn der Stopp ist einer von insgesamt fünf, die mit einem neuen Haltestellenmast ausgestattet wurden. "Dieser Anzeiger ist Teil eines Pilotprojekts mit batteriebetriebenen Anzeigern", so die BVG auf Nachfrage von Notebookcheck.com. Zum Einsatz kommt ein besonders sparsames E-Paper-Display von E-Ink.
Groß bekannt gemacht wurde der Testlauf bisher nicht, und so hat Notebookcheck.com diesen Haltestellenmast auch nur durch Zufall entdeckt. Das machte uns aber neugierig. Die anderen Masten stehen in der Lichtenberger Straße, am Ostbahnhof, in der Quitzowstraße sowie der Clayallee, wie die BVG angab.
Technisch arbeiten sie nicht mit Solarzellen, wie etwa die Anzeiger im Raum Bonn, die Notebookcheck in der Vergangenheit ausführlich betrachtet hat. Stattdessen setzt die BVG auf Batterien. Der Grund laut BVG: "die Solaranlagen, die für eine auskömmliche Energiezufuhr der E-Ink Anzeiger in unseren Breitengraden benötigt werden, [sind] schlicht zu groß für unsere Haltestellenmasten". Genauer geht die BVG nicht ins Detail.
In Bonn sind die Solarzellen übrigens kaum größer als eine Hand. Berlin liegt aber tatsächlich etwas nördlicher mit rund 52° N, während Bonn bei etwa 51° N liegt. Zur Wintersonnenwende gibt es daher in Bonn mit 7:57 Stunden etwas mehr Tageslicht als in Berlin mit 7:39 Stunden. Wir vermuten aber eher, dass die BVG etwas mehr Energie in ihrem System braucht und deswegen auf Batterien setzt. Berliner Haltestellen müssen mehr Busse aufnehmen als die Haltestellen im vergleichsweise kleinen Bonn. Das bedeutet auch, dass die Displays häufiger aktualisiert werden müssen, die Zeit, in denen sie keine Energie brauchen dürfte also etwas kürzer sein.
Drei Jahre Batterielaufzeit
Ein Wechsel des Energiespenders muss aber nur selten durchgeführt werden. Drei Jahre soll dieser durchhalten können.
Ungewöhnlich offen ist die BVG dieses Mal auch bei den technischen Daten. Während die technischen Daten der energiefressenden Diggi-Haltestellen wohl ein Betriebsgeheimnis sind, konnte die BVG dieses Mal viele Daten nennen.
Es handelt sich um 13-Zoll-E-Paper-Displays mit E-Ink-Paneln (2.200 x 1.650 Pixel), die äußerst robust sind. Zwischen -20 und +70 Grad Celsius können diese arbeiten und kommen auch mit einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent zurecht. Die Displays sind grafisch zudem flexibel nutzbar, so die BVG.
Bisher zeigen sie standardmäßig Abfahrtszeiten in Echtzeit an, wie wir bereits verifizieren konnten. Die Abfahrtszeiten passten zu dem tatsächlichen Fahrgeschehen. Ein Wellensymbol zeigt das auch grafisch an.
Sie sind außerdem doppelseitig ausgeführt. Es gibt aber auch eine einseitige Option.
Mit der Zentrale kommunizieren die Geräte per GSM, 3G und 4G. Perspektivisch wird nur 4G funktionieren, denn 3G ist bereits abgeschaltet und 2G wird nicht mehr lange funktionieren, zum Leidwesen vieler Fahrstuhlbetreiber, die darauf angewiesen sind.
Die Haltestellenmasten können außerdem mit weiterem optionalen Zubehör ausgestattet werden. Dazu gehört auch ein Solarpanel. Optionen für die Barrierefreiheit sind ebenfalls möglich. Dazu gehören Lautsprecher und ein Taster für die Aktivierung.
Sollte die Pilotphase erfolgreich verlaufen, könnte Berlin im Bus- und Straßenbahnverkehr digitale Anzeigen für weniger genutzte Haltestellen bekommen. In Bonn wurde das System bereits erfolgreich mit hoher Verbreitung installiert und hilft gerade Fahrgästen, die an selten bedienten Haltestellen auf ihren Bus oder ihre Straßenbahn warten.
Bisher setzt die BVG auf die orangenen LED-Anzeiger Daisy und das neue LCD-System Diggi. Letzteres hat allerdings bis heute einige Softwaremacken. So müssen Fahrpläne beispielsweise an vielen Haltestellen selbst ausgerechnet werden, wenn etwa ein Bus alle zwischen 9 und 18 Uhr "19-22 Minuten" kommt, aber keine Zeitbasis genannt wird. Aus der Berliner Politik gab es für dieses System kurioserweise sehr viel Lob. Das Bundesverkehrsministerium förderte das Projekt zudem.
Beide Systeme haben außerdem den Nachteil, dass sie eine starke Stromquelle brauchen und spezielle Haltestellenmasten. Zudem sind sie teuer und lohnen sich daher nur für Haltestellen mit hohem Fahrgastaufkommen.
Die neuen E-Ink-Haltestellen wären also eine ideale Ergänzung, um Echtzeitdaten auch an selten genutzte Haltestellen der Hauptstadt zu bringen.
Quelle(n)
Eigene Recherchen / BVG













