Nach langen Verzögerungen wird Amtrak auf dem Northeast Corridor zwischen Boston, MA und Washington DC neue Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen. Die neuen Acela-Zuggarnituren fahren mit bis zu 160 Meilen pro Stunde (mph), was knapp unter 260 km/h ist und damit 10 mph schneller ist als die gut 25 Jahre alten Garnituren der ersten Generation, die noch als Acela Express.
Amtrak nennt die neuen Züge offiziell NextGen Acela, die zu Alstoms Avelia-Liberty-Plattform gehören. Wie gehabt arbeiten sie mit zwei Triebköpfen vorne und hinten, da sie mit dem TGV verwandt sind. Dazu gehört auch, dass sich zwei Wagenenden ein Drehgestell teilen, sogenannte Jakobs-Drehgestelle. Die Züge können also nur mit enormem Aufwand gekürzt oder verlängert werden, was im Hochgeschwindigkeitsverkehr aber ohnehin nur sehr selten gemacht wird.
Die neuen Acelas sollen insgesamt den Service verbessern. Etwa durch rund 27 Prozent mehr Sitzplätze pro Garnitur, dazu gehören acht Rollstuhlplätze. Das ist vergleichsweise viel. Ein ähnlich langer ICE 3 Neo mit rund 200 Metern Länge hat nur zwei Plätze. Der Railjet der neuen Generation der ÖBB (260 Meter) hat drei Plätze. Außerdem bieten die Sitzplätze nun USB-Anschlüsse. Allerdings nur den USB Typ A.
Desweiteren bietet der neue Zug ein verbessertes Kurvenneigungssystem (Tilting). Der Zug kann sich – wie sein Vorgänger – in die Kurven legen, soll nun aber ruhiger fahren und das auch bei der neuen Grenze von 160 mph. Hier liegt also ein gewisses Potenzial zur Beschleunigung des Acelas der aufgrund der sehr kurvenreichen Strecke im Schnitt nur mit 70 mph (112 km/h) unterwegs sind. Dieser Wert beinhaltet die Bahnhofshalte. Der Northeast Corridor hat nur sehr kurze Abschnitte, die schnell befahren werden können. Viel lässt sich durch das Auslassen von Halten nicht herausholen. Bisher hat Amtrak aber noch keine Zeitverbesserungen angekündigt. Die könnten sich auch durch mehr Expresszüge ergeben, da Amtrak jetzt mehr Rollmaterial besitzt. Weitere Informationen zum neuen Acela sollen noch vor dem 28. August folgen.
Besonders schnell werden die Züge also trotzdem nicht unterwegs sein. In den USA wird High Speed Rail ohnehin anders definiert. Es reicht eine Geschwindigkeit von knapp unter 180 km/h oder 110 mph. Der Weltverband UIC definiert High Speed Rail mit 255 km/h, lässt aber unter Umständen Ausnahmen mit 200 km/h zu. In Südkorea müssen es sogar über 300 km/h sein.
Amtrak sieht das natürlich anders. Im Eigenmarketing sprach das Unternehmen 2020 vom schnellsten Zug in der westlichen Hemisphäre. Eine sehr eigenwillige Definition, zumal Marokko damals schon 320 km/h erreicht hat.
In den USA gibt es noch die dieselbetriebene Brightline in Florida als High Speed Rail. Dem Projekt California High Speed Rail hat die US-Regierung kürzlich wichtige Mittel entzogen. Übrig bleibt noch die Brightline West als echtes Hochgeschwindigkeitsprojekt, das vor allem privat finanziert wird. Für das Projekt will Siemens Mobility ein Werk in den USA errichten. Es ist seit September 2024 allerdings recht still geworden um das Projekt.




















