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Feature | Das Verschwinden des All-Rounder-Business-Laptops

Das Lenovo ThinkPad T430, eines der klassichen Business-Laptops. (Quelle: Lenovo)
Das Lenovo ThinkPad T430, eines der klassichen Business-Laptops. (Quelle: Lenovo)
Business-Laptops waren traditionell immer eine gute Wahl für Nutzer, die ein All-Round-Laptop suchten. Durch die Reduzierung der Anschlussausstattung, der Aufrüstbarkeit und Reparierbarkeit haben sich die Laptops für Firmenkunden von dieser Idee zuletzt aber immer weiter entfernt. Ist dieser Trend positiv? Oder ist es ein fehlgeleiteter Versuch um mehr "Prosumer" für sich zu gewinnen?

Man begibt sich auf eine Bühne, um eine wichtige Präsentation zu halten. Die Präsentation ist bereit, das nötige Laptop voll geladen und sogar einen VGA/DVI-zu-HDMI-Adapter ist vorhanden. Nachdem das Laptop aufgebaut ist, stellt man plötzlich aber überrascht fest: Es gibt nur ein USB-C-Kabel.

Für alle Nutzer älterer Laptops ist das zum Glück nur ein unschöner Traum. USB-C als Display-Anschluss ist immer noch wenig verbreitet, besonders im professionellen Bereich. Nennenswerte Verbreitung gibt es vor allem durch Docks, die ihrerseits DisplayPort- oder HDMI-Anschlüsse für externe Monitore haben. Am Aussterben ist der HDMI-Anschluss also nicht, doch warum verschwindet er dann von immer mehr Laptops?

Das große Problem ist das immer mehr Anschlüsse verschwinden, selbst bei den Laptops für Business-Kunden. In den vergangenen Jahren haben die Hersteller nach und nach immer mehr Anschlüsse entfernt und durch USB-C-Ports ersetzt. Ein sehr prominentes Opfer dieses Trends ist der RJ45-Anschluss (auch bekannt als "Ethernet-Anschluss"), dedizierte Ladeanschlüsse sowie dedizierte Display-Anschlüsse aller Art. SD-Kartenslots verwandeln sich in microSD-Kartenleser oder verschwinden gleich ganz – und das obwohl moderne DSLR-Kameras immer noch auf den Standard setzen. Alle genannten Anschlüsse können gerade bei Business-Laptops große Vorteile haben, wie zum Beispiel die Kompatibilität zu älteren Zubehörteilen. Trotzdem ist es der Trend, dass die Anschlüsse verwinden. Dieser Trend entwickelt sich immer mehr zu einem größeren Problem selbst bei teureren Business-Notebooks.

Ein Beispiel wäre das Lenovo ThinkPad T470s. Es wiegt 1,32 kg, ist kaum größer und nur etwa einen Milimeter dicker als das aktuelle Lenovo ThinkPad T490s. Obwohl beide Modelle also etwa gleich groß sind, ist die Anschlussausstattung beim Lenovo ThinkPad T470s wesentlich umfangreicher.

Anschluss

Lenovo ThinkPad T470s

Lenovo ThinkPad T490s

Ladeanschluss

Ja (USB-C-PD optional)

Nein (nur USB-C-PD)

USB A

Ja, 3x

Ja, 2x

USB C

Ja, 1x (Thunderbolt 3)

Ja, 2x (1x Thunderbolt 3)

HDMI

Ja

Ja

RJ45 (Ethernet)

Ja

Nein (miniEthernet, nur mit Dongle)

Kombo-Audio

Ja

Ja

Docking

Ja (Bottom-Dock)

Ja (Side-Dock)

SD-Kartenslot

Ja

Nein (nur microSD)

Micro-SIM

Ja

Ja )kombiniert mit microSD)

 Beim neueren Modell verliert man den Ethernet-Anschluss in voller Größe, einen USB-A-Anschluss, den dedizierten Ladeanschluss sowie den SD-Kartenleser in voller Größe. Die geringere Anschlussvielfalt macht das Thinkpad T490s zu einem weniger flexiblen Laptop. Der Verlust des dedizierten Ladeanschlusses kann zudem auch die Wartbarkeit erschweren. Der USB-C-Port ist direkt am Mainboard angebracht und nicht als separates Kabel ausgeführt.

Lenovo ThinkPad T470s
Lenovo ThinkPad T470s
Lenovo ThinkPad T490s
Lenovo ThinkPad T490s

Natürlich ist Lenovo nicht der einzige PC-Hersteller, der bei diesem Trend mitmacht. Auch Dell vollzieht mit seinen Latitudes eine ähnliche Entwicklung. Das Dell Latitude 7400 hat keinen RJ45-Anschluss mehr, obwohl es wohl genügend Raum für einen solchen Anschluss gäbe. Auch andere Modelle haben den RJ45-Port nicht mehr. Während das Latitude 5300 weiterhin diesen Port hat, gibt es ihn beim Latitude 5300 2-in-1 nicht. In diesem Fall hat Dell den Anschluss wahrscheinlich entfernt, weil er bei Convertibles nicht üblich ist.

Anders als Lenovo verbaut Dell immerhin weiter dedizierte, proprietäre Ladeanschlüsse. Der Verlust dieses Ports kann das Image der Lenovo ThinkPads als robuste, einfach zu reparierende Business.Laptops beschädigen. Ein verlöteter Ladenanschluss kann ein Problem für die langfristige Haltbarkeit darstellen. Beim RJ45-Anschluss gibt es dieses Problem nicht – für Netzwerk-Techniker ist der Port jedoch Gold wert.

Dell Latitude 7400
Dell Latitude 7400
Dell Latitude 5300
Dell Latitude 5300

Klar ist, dass die Hersteller diese Anschlüsse im Prinzip als obsolet erachten. Im Datenblatt des Latitude 5400 werden HDMI und RJ45 als "Legacy-Ports" bezeichnet, also quasi also Überbleibsel vergangener Zeiten. Gerade im Fall von HDMI ist diese Einschätzung vielleicht noch etwas verführt, denn der Anschluss ist auch bei modernen Zubehörteilen oft noch vorhanden. 

Natürlich muss man den Herstellern zu Gute halten: USB-C ist ein toller Anschluss, der viele Möglichkeiten bietet. Problematischer ist er nur, weil die Hersteller USB-C eben nicht zusätzlich zu den schon vorhandenen Standard implementieren. Stattdessen werden andere Anschlüsse ersetzt. Das macht Laptops zukunftssicher, stellt Nutzer im Hier und Jetzt aber teilweise vor Probleme. Das gilt insbesondere für den Business-Bereich, in dem die Mühlen oft langsamer mahlen. Für Nutzer gibt es letztendlich nur die Wahl, sich mit Adaptern zu behelfen – oder auf ältere Laptop-Modelle zu setzen.

Nicht nur bei Anschlüssen machen aktuelle Laptops oft Rückschritte, auch bei der allgemeinen Wartbarkeit und Aufrüstbarkeit ist das der Fall. Das Lenovo ThinkPad T490s hat zum Beispiel nur noch verlöteten Arbeitsspeicher, das ältere ThinkPad T470s hatte zumindest einen Slot zum Aufrüsten. Beim T490s ist zudem auch die WiFi-Karte erstmals verlötet, da Lenovo Intels CNVi-Technologie nutzt. Zumindest hier hat man als Käufer noch eine Ausweichoption, denn das AMD-Modell ThinkPad T495s hat immer noch einen M.2-Slot für das WiFi-Modul.

Fehlt euch etwas an neueren Laptops? Oder sind die Hersteller mit dem Fokus auf USB-C auf dem richtigen Weg? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

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Autor: Loki Rautio,  2.12.2019 (Update:  2.12.2019)
Benjamin Herzig
Benjamin Herzig - Editor
Ab 2010 habe ich mich mehr und mehr mit Technologie beschäftigt, insbesondere Notebooks haben es mir seitdem angetan. Klar, dass ich sehr schnell auf die detaillierten Tests von Notebookcheck stieß. Mit der Zeit habe ich mehr und mehr über Notebooks gelernt und angefangen, in Foren und Blog-Seiten kleine Reviews zu Notebooks zu schreiben. Um während des Studiums Geld dazu zu verdienen habe ich mein Hobby dann zum Beruf gemacht und stieß 2016 zum Team von Notebookcheck hinzu, mein persönliches Interesse liegt insbesondere bei Business-Notebooks.