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Digital Services Act: Bloatware auf Smartphones lässt sich in der EU bald deinstallieren

Die Europäische Union will die großen Tech-Konzerne stärker regulieren
Die Europäische Union will die großen Tech-Konzerne stärker regulieren
Mit dem Digital Services Act will die EU die großen Tech-Konzerne und Smartphone-Hersteller stärker regulieren. So sollen letztere beispielsweise dazu gezwungen werden, dass vorinstallierte Apps vom Nutzer deinstalliert werden können. Dies wurde jetzt durch einen Bericht der Financial Times bekannt.
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Während sich die USA seit langem schwer tun, die großen Tech-Konzerne ihres Landes zu regulieren, wird die Europäische Union in dem Bereich immer aktiver und plant jetzt nach der Datenschutzgrundverordnung die nächste große Regulierungsrunde für Internet-Konzerne und Smartphone-Hersteller. Das neue Gesetz ist aktuell unter dem Namen "Digital Services Act" bekannt und soll Anfang Dezember offiziell vorgestellt werden. Jetzt wurden allerdings einige Details der neuen Verordnung durch die Financial Times geleakt.

Dem zufolge plant die EU ein Gesetz, nach dem Anbieter von Betriebssystemen ihre Partnerunternehmen nicht dazu zwingen können, andere Software des Anbieters vor zu installieren, wenn sie das Betriebssystem nutzen wollen. Konkret richtet sich diese Regel gegen Google und dessen Smartphone-Betriebssystem Android, da der Konzern seine Partnerunternehmen dazu zwingt, die klassischen App-Bundles von Google (Play Store, Youtube etc.) auf ihren Smartphones vorzuinstallieren. In dem Entwurf ist weiterhin verankert, dass Nutzer demnächst immer die Möglichkeit bekommen sollen, vorinstallierte Apps wieder von den eigenen Geräten zu entfernen. Dies wäre für den Kunden ein großer Schritt in die richtige Richtung, da es schon einige interessante Smartphones gab, die durch eine völlig überzogene Menge an Bloatware einiges an Attraktivität eingebüßt haben.

Eine weitere Regel des Digital Services Acts wird wahrscheinlich zu heftigen Widerstand auf Seiten der großen Tech-Konzerne führen. Der zufolge dürfen diese Unternehmen ihre Kundendaten nur noch für das eigene Geschäft auswerten, wenn sie die Daten auch kleineren Konkurrenten zur Verfügung stellen. Weiterhin wird es Plattform-Betreibern wie Google, Amazon usw. verboten, ihre eigenen Produkte bewusst im Suchranking an die Spitze zu setzen. Zu guter Letzt würde die EU mit der Verordnung den Geschäftskunden von großen Werbeplattformen wie Google AdSense mehr Rechte einräumen, damit diese nicht mit falschen Interaktionszahlen über den Tisch gezogen werden können.

Zusammengefasst handelt es sich bei dem jetzt geleakten Entwurf um ein sehr interessantes Gesetzespaket, das den digitalen europäischen Binnenmarkt nachhaltig verändern könnte. Auf den ersten Blick scheint die federführende EU-Kommission hier viele sinnvolle Dinge unterbringen zu wollen. Es wird spannend sein zu sehen, wie die großen Tech-Konzerne auf einen solchen Eingriff in ihre bisherigen Geschäftspraktiken reagieren und was am Ende des Tages von der EU umgesetzt wird.

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Autor: Cornelius Wolff,  1.10.2020 (Update:  1.10.2020)
Cornelius Wolff
Cornelius Wolff - News Editor
Seit ich mit 8 meinen ersten PC geschenkt bekommen habe (damals noch mit einem AMD Athlon Single-Kern-Prozessor) und ich dieses Gerät auch gleich munter auseinander gebaut habe, hat mich die Technik nie wieder losgelassen. So kam es, dass ich schon mit jungen Jahren immer weiter in die Welt der Computer-Technik eingetaucht bin. Als ich dann 2015 zum ersten Mal auf Notebookcheck gestoßen bin, war ich begeistert von dem Umfang den diese Seite bietet. Nun arbeite ich seit meiner erfolgreichen Bewerbung im Jahr 2016 als freier Mitarbeiter bei Notebookcheck als News- und Hardware-Redakteur.